Die große Mehrheit der Berufstätigen ist offen für moderne Arbeitskonzepte. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom. Demnach stehen neun von zehn (92 Prozent) der Befragten New-Work-Konzepten sehr oder eher aufgeschlossen gegenüber. Lediglich sechs Prozent lehnen diese ab. Für die Studie hat der Bitkom 1.002 Berufstätige in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt.

Demnach will der Großteil der Berufstätigen einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen und stellt daher hohe moralische Ansprüche an den Arbeitgeber, etwa was die soziale Verantwortung angeht. Des Weiteren spielt auch die Digitalisierung der Arbeitswelt mittlerweile eine große Rolle. So messen 91 Prozent laut Bitkom digitale Technologien im Arbeitsleben eine große Bedeutung bei. 2017 waren es noch 80 Prozent.

Über die Hälfte (55 Prozent) rechnen laut Studie damit, dass sich ihr Arbeitsplatz bis 2030 durch neue Technologien verändern wird. Um einen Job-Verlust sorgen sich jedoch nur die wenigsten (acht Prozent). 66 Prozent sehen die Digitalisierung eher als Chance für ihre berufliche Situation, so der Bitkom weiter. So ist es nicht verwunderlich, dass Digitalkompetenzen sich immer mehr zur Schlüsselkompetenz entwickeln. 30 Prozent der Umfrageteilnehmer schätzen die Digitalkompetenz als wichtigste Fähigkeit für ihren Arbeitsplatz ein. 2017 waren es noch acht Prozent. 68 Prozent gehen davon aus, dass Digitalkompetenz zumindest genauso wichtig wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. Vor zwei Jahren stimmten noch elf Prozent dieser Aussage zu.

Laut Bitkom ist die allgemeine Einstellung gegenüber der Digitalisierung der Arbeitswelt beziehungsweise des eigenen Arbeitsplatzes äußerst positiv. So sagte eine Mehrheit der befragten Berufstätigen aus, dass digitale Techniken unerlässlich sind, um die Arbeit zu erledigen (78 Prozent). 67 Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung motiviert und 62 Prozent gaben an, dass sie dadurch produktiver sind. Jeweils eine Minderheit sieht laut Bitkom die Nachteile, dass digitale Technologien oft nicht so funktionieren, wie sie sollten (34 Prozent), für zu viele Informationen auf zu vielen Kanälen sorgen (23 Prozent) und Stress hervorrufen (elf Prozent).

96 Prozent der Befragten wollen sich ihre Arbeitszeit zudem frei einteilen können. 94 Prozent sind zudem der Meinung, dass es ihnen wichtig ist, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen. 93 Prozent legen Wert auf flache Hierarchien. 90 Prozent wollen außerdem ihre Leistungs- und Lernziele selbst festlegen, so die Studie weiter.

Für 82 Prozent der Studienteilnehmer ist darüber hinaus die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wichtiger Aspekt. 71 Prozent gaben an, dass sie einen regelmäßigen Wechsel der Arbeitsaufgaben befürworten.

Auch auf gesellschaftlicher Ebene haben die Studienteilnehmer laut Bitkom Ansprüche an ihren Arbeitgeber. 92 Prozent sind der Meinung, dass dieser gesellschaftliche Verantwortung übernehmen soll. Fast drei Viertel (72 Prozent) gaben an, dass auch Führungskräfte in Teilzeit arbeiten sollten. Die Gleichstellung der Geschlechter ist für die Berufstätigen ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Fast alle Studienteilnehmer (97 Prozent) sind dafür, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden sollen. Acht von zehn (79 Prozent) finden zudem, dass divers zusammengesetzte Teams bessere Arbeitsergebnisse liefern. 87 Prozent gaben an, dass ihr Arbeitgeber das Thema Gleichstellung ernst nehme. Allerdings gaben nur 57 Prozent der Befragten an, dass es in ihrem Unternehmen Frauen in Führungspositionen gebe.

Laut Bitkom setzen sich auch in deutschen Büros allmählich neue Raumkonzepte in Zuge von New Work durch. So verfügen jeweils drei von zehn Beschäftigten über Rückzugsmöglichkeiten zum Stillarbeiten (31 Prozent), Grünflächen mit Sitzgelegenheiten beziehungsweise eine Dachterrasse (30 Prozent) oder einen Lounge-Bereich (27 Prozent). Selten seien hingegen Design-Thinking-Räume (sechs Prozent), Telefonkabinen (fünf Prozent) und Sport- oder Fitnessräume (vier Prozent). Häufiger findet man laut Studie hingegen Klassiker wie Kaffeeküche (94 Prozent) und Kantine (31 Prozent).

Darüber hinaus ist laut der Umfrage das Einzelbüro nicht mehr Standard. Demnach hat nur noch jeder vierte Büromitarbeiter ein eigenes Büro (27 Prozent). Zehn Prozent gaben sogar an, dass sie nicht mal mehr über einen festen Arbeitsplatz verfügen, sondern einen sogenannten Shared-Desk oder ein nicht-territoriales Büro. 22 Prozent arbeiten in einem Büro mit fünf oder mehr Mitarbeitern. Erfahrung mit einem Großraumbüro haben laut Studie sieben von zehn Angestellten (68 Prozent)

Laut Bitkom ist das Konzept jedoch umstritten. So gaben 66 Prozent an, dass sie die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern in Großraumbüros für besser halten und es einen stärkeren Zusammenhalt im Team (45 Prozent) sowie eine größere Zufriedenheit (45 Prozent) gibt. Jedoch bemängeln 56 Prozent der Umfrageteilnehmer eine soziale Kontrolle sowie eine stärkere Ablenkung und geringere Produktivität (48 Prozent).

Trotz New Work verfügen deutsche Büroarbeiter auch 2019 über eine analoge Vollausstattung. Schreibmaterialien, Locher und Klammergerät (jeweils 97 Prozent) gibt es laut Studie gewissermaßen an jedem Büroarbeitsplatz. Sieben von zehn Büroarbeiter (69 Prozent) verfügen außerdem über Klebezettel, um Nachrichten zu übermitteln oder Notizen zu hinterlassen. Klassische elektronische Geräte wie Drucker (97 Prozent) und Telefon (93 Prozent) sind nach Angaben des Bitkoms ebenfalls nicht wegzudenken aus deutschen Büros. Auch das Fax-Gerät ist omnipräsent: An sieben von zehn Büroarbeitsplätzen (72 Prozent) gibt es darauf einen Zugriff. Die mobilen Arbeitsmittel der digitalen Welt – Smartphone (65 Prozent), Laptop (55 Prozent) und Tablet (34 Prozent) – rangieren teils deutlich dahinter.

Mit dem Thema New Work verknüpfen Berufstätige nach Angaben des Bitkoms auch konkrete Erwartungen an die Politik. Neun von zehn (91 Prozent) fordern, dass sich auch Selbstständige verpflichtend fürs Alter absichern sollten. Drei Viertel (74 Prozent) sagen, dass die Regelungen zur Beteiligung von Mitarbeitern am finanziellen Erfolg von Unternehmen vereinfacht werden sollten. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) befürworten gelockerte Regelungen zum Arbeitsschutz, um Home Office zu erleichtern und es Startups leichter zu machen. Sechs von zehn (58 Prozent) wünschen sich die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Und fast die Hälfte (46 Prozent) regt an, dass alle Beschäftigten eine Auszeit nehmen können, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, mit dem Recht auf Rückkehr in den alten Job. Ein mögliches Recht auf Home Office findet laut Studie unter vielen Berufstätigen Zuspruch (45 Prozent) – dabei wäre das längst nicht in allen Berufen umzusetzen.

Die Frage nach einer Arbeitszeiterfassung spaltet laut Bitkom jedoch die Berufstätigen.  53 Prozent bevorzugen demnach die Vertrauensarbeitszeit. 41 Prozent sind hingegen für eine genaue Arbeitszeiterfassung. Die große Mehrheit der abhängig Beschäftigten macht das laut Bitkom bereits. 77 Prozent, weil es der Arbeitgeber vorschreibt, und 13 Prozent aus eigenen Stücken.

Weitere Informationen finden sich unter www.bitkom.de.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.