Innerhalb weniger Jahre hat sich CA Technologies weitgehend neu erfunden und damit das vorexerziert, was es seinen Kunden dringend nahelegt: den digitalen Wandel zu nutzen, um das traditionelle Geschäft in ein agiles, im Takt des Internets und sozialer Medien arbeitendes Business umzuwandeln. Stichwort: Application Economy. Im Prinzip geht es also um Software-Defined Business, für dessen Beherrschung CA die geeigneten Tools liefern will.Die Zeichen der Zeit nutzen oder untergehen – Parolen dieser Art schwirren nun schon seit geraumer Zeit durch die Keynotes großer IT-Konferenzen. Die Zeichen der Zeit – das ist der kontinuierliche Umbruch als Herausforderung und Chance. Die Strategie für eine erfolgreiche Adaption: Software. „Jedes Unternehmen – egal aus welcher Branche – ist heute ein Software-Unternehmen“, so Mike Gregoire, CEO von CA Technologies, auf seiner Hauptrede während der CA World in Las Vegas.
Passend zum neuen CA-Slogan „Business, Rewritten by Software“ rief er denn 2015 auch gleich zum Jahr der Software aus. In der IT als Vehikel für die digitale Transformation ist das Thema längst durch – von Storage über Netzwerke bis hin zu ganzen Rechenzentren ist heute alles softwaredefiniert – warum also nicht auch das Business selbst?
„Im Zuge der digitalen Transformation muss jedes Unternehmen herausfinden, wie es eine App-zentrische Wirtschaft am besten für sich umsetzen kann“, so der frisch von Cisco zu CA gewechselte Chief Product Officer Ayman Sayed. In der App Economy sieht er die nächste industrielle Revolution – und diese sei wahrscheinlich noch erheblich weitreichender als alle industriellen Revolutionen davor.
Die neuen CA-Lösungen widmen sich Anforderungen über Devops, agiles Management und Security hinweg. CA sieht sie als aktuelles Beispiel für die Strategie, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre digitale Transformation schneller voranzutreiben. Mit Rally Software hat CA vor wenigen Monaten einen auf agiles Business spezialisierten Softwarehersteller eingekauft, dessen Lösungen bereits heute den Kern der CA-Agility-Schiene bilden. Mit einer weiteren Übernahme, Xceedium, holte sich CA zudem Kompetenz in Sachen Identitäts-Management für privilegierte Nutzer (Administratoren) ins Haus.
 
Renaissance der APIs
Drei Themen setzte der Hersteller auf der CA World besonders prominent in Szene: API-Management, Containerization und Open Source. Bereits Gregoire hob in seiner Keynote APIs (Application Programming Interfaces) als das wichtigste technische Konzept der Softwareentwicklung hervor. Wie Jaime Ryan von der API-Management Group bei CA im Gespräch mit LANline erklärte, hat sich die Rolle von APIs allerdings im Vergleich zu früher drastisch verändert. Die Grundfunktion als Programmierschnittstelle, über die sich Entwickler in ein Softwaresystem einklinken können, sei natürlich nach wie vor gegeben. Heute gehe es aber um das sichere Management großer Mengen oft nur temporär eingesetzter Web-APIs für alle Arten von Geräten und IT-Bausteinen – vom Smartphone bis zur Datenbank und mit Standardprotokollen und -formaten.
Ein zentrales API-Gateway sorgt dabei für die Durchsetzung der im Unternehmen definierten Policies, den Schutz vor Bedrohungen, die Übersetzung zwischen Messaging-Formaten und einiges mehr. In der Umsetzung eines solchen Gateways sieht sich CA als besonders flexibel und offen. Der Live API Creator, ein auf der CA World neu vorgestelltes Tool, soll zudem Ideen zur API-Generierung aktiv fördern. Ein einfaches grafisches Interface für Datenbanken soll es erlauben, sinnvolle APIs zwischen verschiedenen Datenbanken zu finden, zu definieren und schnell in Form einer reaktiven Logik umzusetzen. In dieser Komponente, die Design und sofortige Implementierung von Datenbank-APIs der Enterprise-Klasse erlaube, sieht CA den Hauptunterschied seines API-Managements gegenüber den Mitbewerbern. Für CA als letzten verbliebenen unabhängigen Hersteller für Mainframe-Management-Software ebenfalls wichtig: Über APIs lässt sich alten Mainframe-Applikationen wieder neues Leben einhauchen.
Der vor einigen Monaten als Cheftechnologe zu CA gewechselte, in der Szene als Softwarepionier bekannte Otto Berkes (unter anderem maßgeblich an der Entwicklung diverser Windows-Versionen und Microsofts Xbox beteiligt), beschwor Containerization als Nonplusultra in der Softwareentwicklung. „Hätte er das doch auch schon bei der Entwicklung von Windows so gesehen“, mag sich mancher denken. Große, monolithische Softwarekonstrukte hätten heute ausgedient, so Berkes, nur die kleinen, leicht verwaltbaren Softwarecontainer und Mikro-Services böten die für heutige Anforderungen nötige Flexibilität und Agilität. Für SaaS-Anwendungen (Software as a Service) sei Containerization unabdingbar.
Berkes hob, wie auch weitere Sprecher, die Bedeutung der Integration von Open Source in eigene Softwarearchitekturen hervor. Bei einem Drittel aller Unternehmen sei dies bereits Realität. Insbesondere bei der Skalierung von Apps auf Public-Cloud-Level biete Open Source unschlagbare Vorteile. Vor dem Hintergrund, dass CA derzeit noch kein einziges Open-Source-Produkt anbietet, wirkten die engagiert vorgetragenen Open-Source-Lobeshymnen ein wenig befremdlich. Außer Kooperationen mit Open-Source-Anbietern, allen voran Red Hat, hat CA auf diesem Gebiet noch nichts vorzuweisen. Das soll sich aber schon bald ändern – der Konzern will sich unbedingt die Unterstützung der riesigen Open-Source-Entwicklergemeinde sichern. Konkreteres war dazu jedoch nicht in Erfahrung zu bringen. Berkes’ Vision: Aus Zutaten wie APIs, Container, Datenanalyse-Tools und eben nicht zuletzt Open Source soll ein „Betriebssystem für Unternehmen“ entstehen, das das Konzept der klassischen IT ablöst.
CA ist kaum wiederzuerkennen – neue Strategie, viele neue Gesichter und nicht zuletzt ein ziemlich radikal umgestricktes Portfolio. Die Grundidee, anderen Unternehmen durch die geeigneten Tools beim digitalen Wandel zu unterstützen, klingt plausibel und vielversprechend. Allerdings wäre sie deutlich glaubhafter, wenn auch der eigene Geschäftserfolg dies reflektieren würde. CA hatte auf der CA World viele erfolgreiche Deals mit großen Kunden zu verkünden, darunter etwa General Electric, Philips, Tata Communications, Verizon, T-Mobile und das US-Heimatschutzministerium. Die nun schon mehr als dreijährige Umsatz-Talfahrt, die auch in der Personaldecke in Deutschland deutliche Spuren hinterließ, scheint indes noch nicht nachhaltig beendet zu sein. Immerhin scheint die Strategie nun nach intensiven Abstimmungsprozessen mit den Kunden und deren Bedürfnissen gefestigt – möglicherweise bringt ja die CA World nun den ersehnten Wendepunkt bei den eigenen Business-Resultaten.
 
Produktankündigungen
Wie üblich stellte CA auf seiner Hausmesse zahlreiche neue Produkte vor. Im Einzelnen gab es folgende Ankündigungen:
Devops: Insgesamt zielt das Devops-Portfolio darauf, Entwickler- und Operations-Teams bei der effektiven Zusammenarbeit zu unterstützen. CA Service Virtualization soll dabei Entwicklung, Simulation und Tests vereinfachen und beschleunigen. Die Software ist ab sofort via Microsoft Azure Marketplace verfügbar. Zudem sollen sich Apps mit den neuen API-Management-Lösungen wie CA Live API Creator und CA Mobile App Services schneller entwickeln lassen. Entwickler erhalten damit die Kern-App-Funktionalität in Form von APIs und Software Development Kits. Zwei Monitoring-Anwendungen ergänzen das Portfolio: Virtual Network Assurance soll einen Überblick über virtuelle wie auch physische Infrastrukturen liefern. Dazu gehört außerdem Certified Infrastructure Management for Z Systems, die branchenweit erste Unified-Infrastructure-Management-Lösung für Mainframe-Systeme.
Agile: Das Agile-Management-Portfolio von CA kombiniert Software- und Service-Komponenten von CA und der erst im vergangenen Juli übernommenen Cloud-Company Rally. Unternehmen sollen damit jetzt einfach herausfinden können, wie sich neue Geschäftsziele planen und umsetzen lassen.
Security: Die aktualisierte Palette von CA-Sicherheitslösungen konzentriert sich auf den Identitätsschutz. Neu sind Privileged Access Manager, der Datenlecks verhindern und privilegierte Benutzerkonten in VMware-NSX-Umgebungen schützen soll, sowie einige Elemente aus der Identity Suite.

„Jedes Unternehmen – egal aus welcher Branche – ist heute ein Softwareunternehmen“, so Mike Gregoire, CEO von CA Technologies, auf der CA World in Las Vegas. Bild: Stefan Mutschler

Laut CA-CTO Otto Berkes löst ein „Betriebssystem für Unternehmen“ aus Zutaten wie APIs, Container, Datenanalyse-Tools und Open Source die klassische IT ab. Bild: Stefan Mutschler

Sponsoren wie PWC, HP, Centurylink, IBM und zahlreiche weitere präsentierten in der Ausstellungshalle zusammen mit CA-Partnern ihr Angebot. Bild: Stefan Mutschler

LANline.