Energiekosten, Ausfallsicherheit und Klimatisierung sind nach wie vor wichtige Kriterien, sich für ein externes Rechenzentrum zu entscheiden. Doch heute geht es auch um die bestmögliche Umsetzung von Prozessen und vor allem um den schnellen und sicheren Zugang zu globalen Cloud- und Applikationsanbietern.

Private-, Public- sowie Hybrid-Cloud-Lösungen verlangen eine ausfallsichere und vor Hackern geschützte Anbindung mit schnellen Antwortzeiten. Colocation bietet dafür eine geeignete Plattform: Die Rechenzentren der Anbieter fungieren als digitaler Marktplatz zur Umsetzung von IT-Konzepten. Hinzu kommen Vorteile bei der redundanten Auslegung innerhalb des Rechenzentrums sowie über die verteilten Rechenzentren eines Dienstleisters.

Durch die zunehmende Digitalisierung wird die Datenmenge in den Rechenzentren weiter drastisch ansteigen. Laut einer Studie von IDC aus dem Jahr 2017 wird das Datenvolumen dank Big Data und dem Internet of Things bis 2025 etwa 163 Zettabyte (1 ZByte = 1021 Byte) erreichen. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 wurde mit 16 ZByte nur ein Zehntel dieser Datenmenge produziert. Zudem wird sich laut dieser Studie die Erzeugung der Daten zunehmend auf den Enterprise-Bereich verlagern. Doch viele Unternehmensrechenzentren werden nicht in gleichem Maße mitwachsen können.

Skalierbarkeit und Redundanz

Die Auslagerung von Teilen des RZs schafft mehr Spielraum beim Wachstum. Renommierte Colocation-Anbieter bauen ihre RZ-Kapazitäten an verteilten Standorten kontinuierlich aus, damit sie dem globalen Datenwachstum gerecht werden und die Nutzer ihre Kapazitäten entsprechend den aktuellen Bedürfnissen anpassen können. Allein im vergangenen Jahr erweiterte zum Beispiel E-Shelter drei seiner neun RZ-Standorte in Europa.

Aktuell baut der Anbieter ein RZ in Amsterdam, geplant ist der Spatenstich für einen zusätzlichen Rechenzentrums-Campus in Frankfurt am Main. Mit den Wachstumsoptionen will der Anbieter sicherstellen, dass Anwender nach dem Prinzip der atmenden Fabrik Kapazitäten flexibel dazu buchen und wenn nötig auch kündigen oder auf beliebige RZs im Netzwerk verteilen können.

Dieses Vorgehen ermöglicht vielfältige Redundanzkonzepte mit ausgelagerten Server-Kapazitäten bis hin zu gespiegelten RZs mit getrennten Wegen und Versorgungsnetzen. Die Anbindung kann über einen beliebigen Carrier und sogar über mehrere Netzanbieter mit den jeweils gewünschten und notwendigen Service Level Agreements erfolgen. Der Nutzer kann auch zwischen verschiedenen Service-Providern wählen.

Im vergangenen Jahr erweiterte E-Shelter drei seiner neun RZ-Standorte in Europa. Bild: E-Shelter

Die Colocation-RZs sind zertifiziert, bieten also eine geprüfte ausfallsichere und geschützte Umgebung. Die RZs entsprechen den relevanten Richtlinien und Normen und sind unter anderem zertifiziert nach DIN EN ISO 9001, DIN EN ISO 27001 auf Basis des IT Grundschutzes sowie als Trusted Site Infrastructure (TSI) oder nach der neuen DIN EN 50600 mit einem Verfügbarkeitslevel von II bis IV.

Die Rolle von Colocation

Colocation ist heute weit mehr als nur das Zusammenstellen von Racks. Das Angebot reicht von der Optimierung des Footprints über redundante Stromanbindung bis hin zu den Connectivity-Services. Aktuell jedoch befindet sich die klassische Colocation im Wandel. Der zunehmende Druck in den Unternehmen, ihren Nutzern moderne Anwendungen zur Verfügung zu stellen, die teils selbstständig in Public Clouds laufen, stellt die CIOs vor ganz neue Herausforderungen. Vielfach hat sich schon aufgrund der Anwenderbedürfnisse eine ungewollte Multi-Cloud-Nutzung herausgebildet, die jedoch komplex und unwirtschaftlich sein kann, wenn die IT-Abteilung nicht sinnvoll eingebunden ist und die Fachabteilungen selbstständig Services bei Drittanbietern einkaufen.

In diesem Umfeld können Colocation-RZs in eine neue Rolle schlüpfen. Sie bieten den Unternehmen ein Ökosystem, in dem diese wie auf einem Marktplatz die für sie optimale Lösung wählen können. Dem Colocation-RZ kommt jetzt die zentrale Rolle zu, den Anwender zu beraten. Auf dem Campus von E-Shelter beispielsweise finden Nutzer Zugang zu unterschiedlichen Cloud-Anbietern wie unter anderem zu AWS, Microsoft, Google, Alibaba oder SoftLayer und können so anbieterübergreifend eine für sie passende Multi- oder Hybrid-Cloud-Strategie in einer Umgebung realisieren, in der die Compliance der betriebenen Systeme sichergestellt ist und die durch sichere Infrastruktur und Service Level Agreements das Betriebsrisiko reduziert.

Die Vorteile der Colocation sind also die Möglichkeiten bei der Realisierung von IT-Konzepten. Im modernen Colocation-RZ stehen dem Nutzer zahlreiche Partner mit unterschiedlichen Expertisen vor Ort zur Verfügung, auf die er flexibel zugreifen kann: von verschiedenen Carriern und Cloud-Anbietern bis hin zu Systemintegratoren. Ein Technikwechsel von reiner Colocation hin zur Nutzung von Cloud-Lösungen soll dem Nutzer so erleichtert werden. Er kann aus einer Palette an Diensten die für ihn interessante Lösung hinzu buchen. Damit bietet ihm das Colocation-RZ in seiner Funktion als Marktplatz Zugang zu einer großen Auswahl an potenziellen Partnern, die vergleichbare Dienste anbieten. Der erhöhte Wettbewerbsdruck wiederum wirkt sich positiv auf Qualität und Preise aus.

Flexible Flächen und Cloud Computing

Technisch bringt die räumliche Nähe vor allem für die Realisierung von hybriden Cloud-Lösungen Vorteile. Da die Anwendungen nur einen Cross Connect voneinander entfernt sind, sind die Latenzzeiten minimal. Dies ermöglicht einen nahtlosen Übergang von einer herkömmlichen oder einer Private-Cloud-Anwendung auf einem in der Colocation betriebenen Server hin zur Public-Cloud-Anwendung eines Anbieters im gleichen RZ. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Spitzenlasten von Anwendungen in der Public Cloud abfangen. Für eine Enterprise-IT bringt dies einen hohen Grad an Flexibilität und Agilität mit sich.

Colocation-RZs bieten den Unternehmen heute ein Ökosystem, in dem diese wie auf einem Marktplatz die für sie optimale Lösung wählen können. Bild: E-Shelter

Zudem erleichtert die räumliche Nähe innerhalb einer sicheren RZ-Umgebung die flexible Zusammenstellung der angebotenen Dienste und Anwendungen der Colocation-Plattform. Als reiner Nutzer einer Cloud-Lösung fehlt dieser Zugriff auf die anderen Lösungen eines RZs.

Das Partner-Netzwerk von E-Shelter bietet Lösungen und Services für Planung, Realisierung, Migration und Management einer Hybrid-Cloud-Umgebungen. Lösungen wie OpenStack und Microsoft Azure Stack lassen sich für das Management der Hybrid-Cloud-Umgebung einsetzen und damit Ressourcen und Anwendungen dynamisch verwalten.

Der Anbieter will darüber hinaus mit dem hauseigenen Innovation Lab neue Lösungen in einer dynamischen Community umsetzen. Das Lab biete eine sichere Umgebung sowie Infrastruktur, um verfügbare Cloud-Architekturen flexibel, günstig und in Echtzeit zu testen und zu validieren. Anwender und Partner können bereits bestehende Anwendungen in verschiedenen Hybrid- und Private-Cloud-Szenarien testen. Gemeinsam mit rund 60 Cloud- und Technikpartnern und Integratoren können sie auch prinzipielle Anwendungsmöglichkeiten entwerfen, die auf individuelle Geschäftsmodelle oder IT-Prozesse zugeschnitten sind und den Weg in die Digitalisierung vorbereiten.

Das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management will zum Beispiel im Innovation Lab gemeinsam mit Startups und Großunternehmen Blockchain-Anwendungen entwickeln und testen. Dabei werden Transaktionen vielfach verteilt im Netz in „Blocks“ gespeichert und durch kryptografische Verfahren geschlossen und abgesichert.

In der gesicherten Umgebung eines Rechenzentrums lassen sich solche Anwendungen solide auf-setzen. Angesichts der wachsenden Datenflut, den vielfältigen Anwendungen aus der Cloud und ganz neuartigen Applikationen, die sich zum Beispiel auch mit 5G entwickeln, werden Unternehmen zunehmend RZ-Kapazitäten und immer öfter ganze Anwendungsbereiche auslagern. Dann übernehmen Spezialisten eines Colocation-RZs Planung, Management und Wartung der Infrastruktur und beraten bei der Auswahl der passenden Partner wie etwa der Cloud Provider.

Volker Ludwig ist Senior Vice President Sales bei E-Shelter in Frankfurt, www.e-shelter.com.