Überwachung kritischer Infrastrukturen

Faseroptische Sensoren im Praxiseinsatz

24. November 2022, 7:00 Uhr | Andreas Haupt/am
Der Schachtsensor überwacht Kabelschächte und funktioniert auch unter Wasser.
Der Schachtsensor überwacht Kabelschächte und funktioniert auch unter Wasser.
© Connect Com

Die ununterbrochene Verfügbarkeit von Rechenzentren gehört zur Basis des gesellschaftlichen Lebens. Es gilt, das Rechenzentrum vor sämtlichen Gefahren zu schützen: Neben der Cybersicherheit gehört die physische RZ-Sicherheit zu einem umfassenden Schutzkonzept. Was hierbei oft zu wenig Beachtung findet, ist der Schutz der Verkabelung. Dieser Beitrag versetzt den Leser in die Lage eines Netzwerkadministrators, der mit einem nicht ausreichenden Schutz der kritischen Infrastruktur konfrontiert ist.

Sie sind ein erfahrener Netzwerkadministrator für eines der größten Rechenzentren im Land. Jeden Tag greifen mehrere Millionen Benutzer auf die Geräte in Ihrem Rechenzentrum zu, um E-Mails zu versenden und zu empfangen, Spiele zu spielen, Bankgeschäfte zu tätigen, fernzusehen, Filme zu streamen, einzukaufen, Videokonferenzen abzuhalten und vieles mehr. Das Netzwerk, für das Sie und Ihr Technikerteam verantwortlich sind, sorgt dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr sicher und geschützt sowie gut unterhalten sind. Sie müssen dafür sorgen, dass das Rechenzentrum sicher ist und stets online bleibt. Sie haben einen Aktionsplan für jedes erdenkliche Problem entwickelt, das in Ihrem Rechenzentrum auftreten könnte und das Netzwerk zum Erliegen bringen würde. Schließlich wären bei einem Ausfall Millionen von Menschen betroffen. Sie haben Ihre Netzwerksicherheitsprotokolle an die physischen Zugangskontrollen vor Ort gekoppelt, um zu gewährleisten, dass nur befugte Personen Zugang zu den Netzwerkgeräten haben.

Das von Ihnen betreute Netzwerk wurde mit mehreren Redundanzen konzipiert, um einzelne Fehlerquellen auszuschließen. Etwaige Ausfälle im Rechenzentrum würden Benutzer nie bemerken, da Ihre Netzwerkgeräte vollständig vor Cyberbedrohungen sowie durch redundante Stromversorgungssysteme geschützt sind, falls ein einzelnes Gerät ausfällt. Als Administrator sind Sie sich auch der hohen Geldsumme bewusst, die verloren gehen würde, wenn das Netzwerk offline ist.

Es ist 18 Uhr an einem Freitag vor einem Feiertagswochenende. Als Sie gerade von der Arbeit nach Hause gekommen sind, klingelt Ihr Telefon. Ihr Vorgesetzte ist am Apparat und in heller Aufregung. Er teilt Ihnen mit, dass das gesamte Netzwerk des Rechenzentrums offline ist, er alle Schritte des Notfallplans ausgeführt hat und das Netzwerk immer noch nicht funktioniert. Sie machen sich sofort auf den Weg in das Büro.

Dort angekommen prüfen Sie, ob man bereits alle Maßnahmen zur Behebung eines Ausfalls erfolgreich umgesetzt hat. Das Sicherheitsteam im Rechenzentrum hat sich vergewissert, dass es keine unbefugten Besucher gab. Sie sprechen mit Ihrem Team, das verzweifelt versucht, herauszufinden, was passiert ist. Im Rechenzentrum gab es weder einen Stromausfall noch Anzeichen von Hardwarefehlern, die zu dem Ausfall hätten führen können. Es sind schon fast zwei Stunden vergangen und das Netzwerk funktioniert immer noch nicht. Sie setzen sich mit dem Netzwerkinfrastruktur-Team in Verbindung, um ihm mitzuteilen, dass es sich um ein Problem mit der physischen Infrastruktur handeln muss, da Sie Hardwareprobleme als Ursache für den Netzwerkausfall ausschließen konnten.

Eine Stunde später hat das Netzwerkinfrastruktur-Team die Fehlersuche abgeschlossen und teilt Ihnen mit, dass mehrere Glasfaser-Verbindungskabel, die den Hub des Rechenzentrums versorgen, durchtrennt waren. Bei diesen Kabeln handelt es sich um ein 864-fasriges Singlemode-Glasfaserkabel und es soll mehrere Stunden dauern, bis die Reparaturen abgeschlossen sind. Obwohl Sie das nötige Geld investiert und die notwendigen Schritte unternommen haben, um dafür zu sorgen, dass es im Rechenzentrum keinen katastrophalen Ausfall geben wird, ist dies nun doch eingetreten. Millionen von Benutzern sind davon betroffen.

Mit der Zunahme bandbreitenintensiver Anwendungen im Laufe der Jahre ist auch die kritische Infrastruktur, die diese unterstützt, gewachsen. Ob es sich um Glasfaserkabel mit hoher Faserzahl handelt, die ein Rechenzentrum versorgen, oder um gebäudeinterne Kabel innerhalb eines Rechenzentrums – die kritische Infrastruktur stellt die Verbindung zu den Netzwerkgeräten her, die täglich Millionen von Kunden bedienen. Schäden an der kritischen Infrastruktur innerhalb oder außerhalb eines Rechenzentrums verursachen oft größere Ausfälle.

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