Viktor Fuchs, Product Manager Noris Network

Vollpension für die IT

22. Dezember 2022, 7:00 Uhr | Dr. Jörg Schröper
Viktor Fuchs, Product Manager bei Noris Network.
Viktor Fuchs, Product Manager bei Noris Network.
© Noris Network

Wie viel eigenes RZ ist sinnvoll? Welche Rolle spielt Colocation? Was leistet die Cloud? Im LANline-Interview gab Viktor Fuchs von Noris Network Auskunft über Strategie und praktischen Nutzen.

LANline: Der Rechenzentrumsmarkt steht derzeit unter dem hohen Druck, energieeffizient zu arbeiten. Wie bewerten Sie die heutige Situation?

Fuchs: Energieeffizienz ist natürlich besonders für Betreiber von Rechenzentren ein großes Thema. Der Stromverbrauch ist der Hauptkostentreiber im Rechenzentrum und muss permanent auf Effizienz getrimmt werden. Bei Noris haben wir von Beginn an auf maximale Effizienz geachtet, beispielsweise bei der Kühlung unserer Rechenzentren, bei USV-Anlagen und in anderen Komponenten.

LANline: Sind große Unternehmens-RZs überhaupt noch zeitgemäß?

Fuchs: Das kommt darauf an, welche Anforderungen das jeweilige Unternehmen hat. Ein unternehmenseigenes RZ ergibt unter Umständen Sinn, wenn es sehr spezielle Anforderungen an Aufbau und Betrieb gibt. Das ist die große Ausnahme. In der Regel ist es vorteilhafter, auf ein professionelles Datacenter zuzugreifen und dort Colocation-Services zu nutzen. Es bietet neben Kostenvorteilen auch das entsprechende Personal mit dem notwendigen Know-how, um ein Rechenzentrum effizient zu betreiben. Unternehmen sparen sich also den Aufbau eigener Teams. Auch ein 24/7-Betrieb ist für eine Organisation, bei dem der Rechenzentrumsbetrieb nicht zur Kernkompetenz gehört, eher schwierig.

LANline: Wie ist das Zusammenspiel der Unternehmens-RZs mit Colocation, Cloud und Hosting für am besten auszutarieren?

Fuchs: Alle Leistungen, also Colocation, Cloud und Hosting, gehen bei einem Full-Service-Provider ineinander über. Jeder Kunde bestimmt selbst, was er als as a Service beziehen und durch den Dienstleister bereitgestellt haben möchte und was er selbst betreiben will. Durch flexible Colocation-Produkte kann er sogar seine eigene Hardware im Rechenzentrum unterbringen. Die Cloud ermöglicht es ihm, sämtliche Infrastrukturressourcen flexibel zu nutzen und bedarfsgerecht zu bezahlen. SaaS gibt ihm die Möglichkeit, Applikationen extern betreiben zu lassen und diese nur noch zu nutzen. Im Kontext eines Rechenzentrums könnte man es anhand eines Schichtenmodells beschreiben, bei dem die Colocation die unterste und SaaS die höchste Schicht bildet. Wie tief ein Kunde eintauchen möchte, bleibt ihm überlassen.

LANline: Wer gibt Rat, wenn Fragen auftauchen, und welche Rolle will Noris Network in diesem Zusammenhang spielen?

Fuchs: Wir möchten genau diese Leistungen vollumfänglich anbieten, um unseren Kunden so den bestmöglichen Service zu liefern, quasi eine Vollpension für die IT. Er kann sich zurücklehnen und sich auf seinen Geschäftsbetrieb konzentrieren, weil seine Systeme bei uns in besten Händen sind.

LANline: Sie haben bereits erwähnt, dass professionelle RZ-Betreiber vieles besser können als Betreiber kleiner Rechenzentren, etwa beim Thema physische Sicherheit. Welche Punkte halten Sie dabei für besonders wichtig?

Fuchs: Bei der physischen Sicherheit haben professionelle Datacenter einen der größten Vorteile. Beispielsweise beim Bau und dem Betrieb eines TÜV-TSI-Level-4-Rechenzentrums oder bei der Einhaltung von Verfügbarkeitsklassen und Schutzklassen der EN 50600 sind ein enorm hoher Aufwand und viel Know-how erforderlich, um diese Normen zu erfüllen. Zahlungsdienstleister etwa müssen die PCI DSS einhalten. Ein professioneller Rechenzentrumsbetreiber hat diesen Aufwand nur einmal für sein Rechenzentrum und kann diesen dann auf alle Kunden umlegen. Wenn man das alles aber für die eigenen Systeme leisten muss, ist der Aufwand nur schwer zu stemmen.

LANline: Was tun Sie in diesem Umfeld?

Fuchs: Für uns und unsere Kunden steht Sicherheit an erster Stelle. In unseren RZs verfolgen wir ein mehrschichtiges Sicherheitskonzept, das vom äußeren Zaun bis hin zum Rack des Kunden aufgebaut ist. Dabei berücksichtigen wir selbst hochakademische Angriffsszenarien. Alle Zutritte sind über Berechtigungskonzepte und Mehr-Faktor-Authentifizierung gesteuert und dokumentiert, unterstützt durch unseren 24/7-Sicherheitsdienst vor Ort und flächendeckende Geländeüberwachung.

LANline: Energieversorgungssicherheit ist ein aktuell stark diskutiertes Thema. Wie richten Sie Ihre RZ-Strategie danach aus?

Fuchs: Unsere Rechenzentren sind in allen Aspekten voll redundant aufgebaut. In unserem TÜV-TSI-Level 4-Rechenzentrum haben wie sogar eine 2N-Redundanz. Selbst wenn der Strom über die redundanten Zuleitungen und verschiedenen Hauseinführungen ausfällt, springen Netzersatzkonzepte an, und der Betrieb geht unterbrechungsfrei weiter. Auch für einen möglichen K-Fall sind wir bestens vorbereitet, denn jeder Bauabschnitt verfügt über redundante Notstromgeneratoren, die bei einem Netzausfall die vollständige Stromversorgung unserer Rechenzentren gewährleisten können. Durch die in unseren Bodentanks bevorrateten Dieselmengen können wir so bis zu 72 Stunden den Betrieb autark aufrechterhalten. Ein über diese Stunden hinausgehender Betrieb wird durch zusätzliche Dieselanlieferungen sichergestellt. Weil wir als kritische Infrastruktur gelten, werden wir entsprechend bevorzugt mit Kraftstoff versorgt. Ein Ausfall eines unserer Rechenzentren ist so also praktisch ausgeschlossen.

LANline: In diesem Zusammenhang: Was kann der Markt von Hyperscalern lernen?

Fuchs: Von Hyperscalern lässt sich eine Menge in Sachen RZ-Automatisierung lernen. Durch den schnellen Wandel in Technologien müssen Hyperscaler die Automatisierung noch schneller umsetzen als kleinere Rechenzentrumsbetreiber. Grund dafür ist, dass sie ein Vielfaches an Größe und Fläche haben, für die entsprechende Neuerungen ausgerollt werden müssen. Diese Automatisierungen können ein guter Blueprint dafür sein, um die eigenen Rechenzentren zu verbessern. Dennoch sind die Prioritäten von Hyperscalern andere als die kleinerer RZ-Betreiber. Für die Bewältigung des eigenen Massengeschäfts greift man dann gerne zur technologischen Partnerschaft mit den großen Hyperscalern, um sein Portfolio zu ergänzen.

LANline: Wandern in Zukunft vermehrt Rechenzentren ab, etwa nach Skandinavien? Und welche Rolle spielen politische und juristische Vorgaben?

Fuchs: Politische und juristische Vorgaben spielen beim Betrieb von Rechenzentren eine wesentliche Rolle. Ein großes Spektrum stellt hier beispielsweise der Datenschutz dar. Dieser wird politisch diskutiert, gesetzlich bestimmt und stellt somit die Vorgaben dar, nach denen das BSI seine Zertifizierungen vergibt. Nach eben diesen Vorgaben haben wir unsere Rechenzentren designt und gebaut, um den höchstmöglichen Standard bieten zu können. Gibt es Änderungen an den Vorgaben des BSI, müssen wir diese zeitnah umsetzen, sofern wir weiterhin entsprechend zertifiziert sein wollen. Der Markt in anderen Ländern unterliegt meist anderen Anforderungen und Regularien. Wir sehen daher aktuell nicht, dass hier eine große Wanderung stattfindet.
 
LANline: Herr Fuchs, vielen Dank für das Gespräch.

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