Cisco sieht IT in Schlüsselrolle

Deutschland muss digitaler werden

Lobo, Peter, Gräfensteiner
© Cisco

Die Friedhöfe im Berliner Bezirk Mitte können laut rbb24 zum Jahreswechsel drei Wochen lang keine neuen Beerdigungen durchführen. Der Grund: ein Update der Software für die zentrale Friedhofsverwaltung. Drei Wochen. Wegen eines Updates. Manchem liegt hier das verbale Schulterzucken „Dit is Berlin“ auf der Zunge. Man könnte dies aber auch als Sinnbild für die Mängel der Digitalisierung in Deutschland verstehen. Laut einer Cisco-Umfrage sehen hier viele einen erheblichen Nachholbedarf: Einen Digitalisierungsschub brauche Deutschland vor allem bei der Bildung (46,3 Prozent), in der Verwaltung (42,5 Prozent) und im Gesundheitswesen (22,9 Prozent) sowie in Sachen IT-Sicherheit (29 Prozent).

Analogien sind schwierig, insbesondere wenn sie das Digitale betreffen. Dennoch kann man sich fragen, ob das derzeitige Herumgeeiere der Politik beim Bemühen, die eskalierende vierte COVID-19-Welle in den Griff zu bekommen, nicht ein gewisses Verwandtschaftsverhältnis aufweist mit den oft ebenfalls eher unstrukturiert erscheinenden politischen Bestrebungen, Deutschland ins digitale Zeitalter zu hieven. Dabei wäre ein höheres Tempo der Digitalisierung durchaus hilfreich beim Umgang mit diversen Herausforderungen, von der Pandemiebekämpfung (Stichwort Fax in Gesundheitsämtern) über Verwerfungen in der Weltwirtschaft (Stichwort Lieferengpässe) bis hin zur Bewältigung der globalen Klimakrise oder gar der Bändigung wild wuchernder Bürokratie.

Dieses Thema diskutierten kürzlich – und natürlich online – Uwe Peter, seines Zeichens Geschäftsführer bei Cisco Deutschland, dessen Kollegin Jutta Gräfensteiner, die bei Cisco die Bereiche „Deutschland Digital“ und Nachhaltigkeit verantwortet, sowie der Autor und Digitalisierungsvordenker Sascha Lobo. Im Fokus standen der Status quo der Digitalisierung hierzulande, die Ergebnisse der respräsentativen Civey-Umfrage unter 2.500 Personen im Cisco-Auftrag sowie die Rolle der IT für Fortschritte. Einig war man sich bei der These, dass IT eine Schlüsselrolle dabei spielen wird, die anstehenden Probleme zu lösen.

Moderator und Kommentator Lobo bemängelte in der Abenddämmerung der Merkel-Ära das Tempo des landesweiten Netzausbaus in den letzten Jahren: In puncto Breitbandversorgung habe die derzeitig kommissarische Noch-Bundesregierung „kein einziges Versprechen gehalten“, so Lobo mit Blick auf vollmundige Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag von 2018, man werde „noch in dieser Legislaturperiode“ Gewerbegebiete, Schulen und Krankenhäuser mit Gigabit-Internet anbinden. Inzwischen habe hier das Vertrauen in der Bevölkerung in die Politik „sehr gelitten“. In der Tat erwartet laut der Civey-Umfrage nur knapp ein Drittel der Deutschen (32,7 Prozent) von der kommenden Bundesregierung mehr Tempo bei den Digitalisierungsmaßnahmen – das gebrannte Kind scheut die feurige Prognose.

Als größten Stolperbrocken für ein flottes Vorankommen der Digitalisierung erachten laut der Umfrage über die Hälfte (56,4 Prozent) der Befragten die Bürokratie (die wir, ein letztes Wort zur Corona-Analogie, auch bei der Impfkampagne wieder genießen durften). Rund jeder Dritte (32,6 Prozent) nannte als Bremsklotz den mangelnden Breitbandausbau, fast jeder Vierte (23,3 Prozent) „unklare politische Zuständigkeiten“. Oder umgekehrt: Nur einer von vier Befragten würde das derzeit vieldiskutierte Digitalministerium vermissen.

Ein Lichtblick: Nach Ansicht von Cisco-Deutschland-Chef Peter sind viele Unternehmen deutlich besser aufgestellt als die öffentliche Hand. Es gäbe laut Peter nicht so viele Weltmarktführer aus Deutschland, hätten diese nicht „vor fünf Jahren die Weichen richtig gestellt“. Konzerne wie Siemens oder Bosch verfügten über „riesige Datenschätze“, und hilfreich sei: „Wir haben in Deuschland viel IT-Know-how in der IT.“ Sprich: Hiesige Unternehmen haben im internationalen Vergleich relativ wenig IT ausgelagert und verfügen somit nach wie vor über üppiges IT-Wissen im Hause.


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