Studie zu Smart Cities

Die klimaneutrale Stadt braucht Digitalisierung

13. September 2021, 07:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Die klimaneutrale Stadt braucht Digitalisierung
© Eco, Arthur D. Little

Digitale Technologien und Dienste ermöglichen hohe CO2-Einsparungen in Städten und Ballungsräumen, so die Studie „Der Smart City Markt in Deutschland, 2021-2026“ des Beratungshauses Arthur D. Little und des Eco-Verbands (keine Umweltorganisation, sondern der Verband der Internetwirtschaft e.V. – der Name passt in diesem Kontext nur sehr gut). Die Digitalisierung ist deshalb laut der Studie unverzichtbar für den Weg zur klimaneutralen Stadt sowie für das Erreichen des deutschen Klimaziels von 55 Prozent CO2-Reduktion bis 2030.

Bis 2026 erwarten die Studienautoren große Nachhaltigkeitseffekte in den Segmenten Internetwirtschaft, Gebäudeautomatisierung, Transport und Logistik (Mobilität), Energieversorgung, im Gesundheitswesen sowie bei Einzelhandel und Gastgewerbe. So sollen bis 2026 smarte Gebäude 275 Millionen Tonnen CO2 einsparen, während die Einführung von Gigabit-Infrastrukturen die CO2 Emissionen beim Datentransport um 270.000 Tonnen senken könne.

Sharing-Konzepte und die Verbesserung von Verkehrsflüssen durch Maßnahmen wie Smart Parking (echtzeitnahes internetgestütztes Park-Management) könnten bis 2030 die CO2-Emissionen im städtischen Pkw-Verkehr halbieren. Dies soll bis zu 34 Milliarden Euro Kosten allein für die Parkplatzsuche sparen. Car-Sharing-Angebote wiederum haben laut der Studie einen direkten Nachhaltigkeitseffekt von rund 0,52 Millionen Tonnen CO2 bis 2026.
 
Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des Eco-Verbands der Internetwirtschaft, ruft Städte dazu auf, die Rahmenbedingungen für nachhaltige digitale Services zu schaffen: „Städte müssen segmentübergreifend denken, eine ganzheitliche Anwendung von Smart-City-Konzepten ist der Schlüssel für eine nachhaltige Digitalisierung.“ Dazu gehöre die Förderung energieeffizienter Rechenzentren und die verstärkte Nutzung der RZ-Abwärme ebenso wie die Einführung ressourcenarmer Kommunikationsdienste. „Es braucht beispielsweise Anreize für den Einsatz von Wärmepumpen zur Aufbereitung der Abwärme für kommunale Nah- und Fernwärmenetze“, so Süme. Gleichzeitig rät er zum Schutz des Ökosystems durch Investitionen in Cybersicherheit.
 
Ein Beispiel für Nachhaltigkeitseffekte verweist Studienautor Lars Riegel, Partner bei Arthur D. Little, auf Straßenbeleuchtung mittels LED-Technik, die bis zu 70 Prozent weniger Strom verbraucht: „Der große Nachhaltigkeitseffekt zeigt sich allerdings erst, wenn man die Straßenlaternen intelligent vernetzt, mit Sensoren ausstattet und zusätzlich die damit entstehende Infrastruktur für Smart-Parking-Systeme verwendet.“ Denn dies verringere die Brenndauer um weitere 50 Prozent. „Umfassend konzipierte Smart-City-Plattformen heben ganzheitliche Nachhaltigkeitspotenziale dank der Synergien zwischen den Segmenten. Dadurch entstehen Ökosysteme als Treiber für zusätzlichen nachhaltigen Fortschritt“, so Riegel.
 
Die Studie „Der Smart-City-Markt in Deutschland, 2021-2026“ prognostiziert ein durchschnittliches jährliches Marktwachstum von über 17 Prozent. Dies entspricht einem Umsatzplus von über 46 Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren. Für insgesamt neun Segmente des deutschen Smart-City-Marktes skizziert die Studie Trends und Herausforderungen. Besonders hohe Umsätze erwarten die Autoren in den Marktsegmenten Digitale Bildung (16,6 Milliarden) Transport und Logistik (14,8 Milliarden) sowie Gebäudeautomatisierung (14,1 Milliarden).

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Verwandte Artikel

eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V

Smart City

Smart Building