Serie Green IT, Teil 1: Windcloud

Wind treibt Wolken an

Das Rechenzentrumsgebäude von Windcloud
Das Rechenzentrumsgebäude von Windcloud befindet sich in Schleswig-Holstein und liegt damit in einem sehr windkraftreichen Gebiet.
© Dr. Wilhlem Greiner

Der Bedarf an RZ-Leistung wächst und wächst, und damit eskaliert auch der Strombedarf der Rechenzentren für IT-Betrieb, Klimatisierung und Kühlung. Vor dem Hintergrund der Klimakrise und der voranschreitenden Überhitzung unseres Habitats sind Ansätze dringend nötig, um die Digitalisierung nicht nur effizienter zu gestalten, sondern das Blatt in Richtung CO2-Neutralität zu wenden. LANline bringt deshalb ab sofort in loser Folge eine Serie zu IT-Providern, die in Sachen Ökologie Vorreiter sind. Den Anfang macht Windcloud aus Schleswig-Holstein.

„Rechnen Sie mit Wind.“ Dieser augenzwinkernd doppeldeutige Slogan prangt in riesigen Lettern auf dem RZ-Gebäude des Providers Windcloud aus Enge-Sande – also nahe der Nordseeküste, wo es gerne mal eine steife Brise hat. Die Besonderheit des Rechenzentrums liegt laut CEO und Mitgründer Wilfried Ritter darin, dass es zu 100 Prozent mit regenerativer Energie läuft. Natürlich weiß auch Ritter, dass der Strom in Deutschland aus einem europaweiten Stromnetzverbund mit heterogenem Strommix kommt; doch er betont: „Im Landkreis Nordfriesland liefert der Versorger 355 Prozent der Menge an regenerativer Energie, die der Landkreis benötigt. Davon sind 70 Prozent Windkraft, und alle Umspannwerke hier in der Nähe werden aus erneuerbarer Energie gespeist.“

Rechenzentren im Aufwind

Wie wichtig Strom aus regenerativen Quellen für den RZ-Markt ist, zeigen folgende Zahlen: Laut einer aktuellen Analyse mehrerer wissenschaftlicher Studien dürfte der Anteil der Informations- und Kommunikationstechnologie am weltweiten Treibhausgas-Ausstoß zwischen 2,1 und 3,9 Prozent liegen, damit wohl höher als – so ein gern gewählter Vergleich – der der Flugindustrie. In Deutschland stieg der Strombedarf der Rechenzentren 2020 laut Berechnungen des Borderstep Instituts gegenüber 2019 um sieben Prozent auf 16 Milliarden kWh. „Damit ist der Energiebedarf im Vergleich zum Vorjahr um eine Milliarde kWh angestiegen, trotz der Wirtschaftskrise durch die Corona-Pandemie“, erläuterte Borderstep-Forscher Dr. Ralph Hintemann im März 2021.

Dass der Bedarf an RZ-Leistung auch – oder erst recht – in Pandemiezeiten wächst, ist beim zweiten Hinsehen kein Wunder: Zwar mussten einige Branchen wie Gastronomie, Tourismus und auch manche Produktion pausieren, doch alle anderen schwenkten um auf verstärkten Home-Office-Einsatz, auf mehr Remote Access, mehr virtuelle Desktops, mehr Web-Conferencing, mehr Cloud-Services – sprich: mehr Rechenleistung aus Datacentern. Und wer abends nicht in die Kneipe oder ins Kino gehen konnte, verbrachte seine Zeit dann eben mit Social Media, Video-Streaming, Online-Gaming oder in Zoom-Sessions – und bezog erneut mehr Rechenleistung aus einem RZ. „Auch die Corona-Pandemie konnte die Nachfrage nach Rechenzentrumsleistung nicht bremsen – im Gegenteil. Den IT-Ausrüstern von Rechenzentren bescherte das Jahr 2020 teilweise Rekordumsätze“, erläuterte Hintemann. „Insbesondere Cloud-Anbieter profitierten im vergangenen Jahr und werden wohl auch langfristig gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen“, sagt der Analyst.

Noch drastischer stellt sich die Entwicklung – weitgehend unabhängig von Corona – im Jahrzehntvergleich dar: Allein die IT-Komponenten (Server, Storage und Netzwerk) hierzulande benötigten mit zehn Milliarden kWh im Jahr 2020 laut Borderstep fast 75 Prozent mehr elektrische Energie als noch 2010 (damals 5,8 Milliarden kWh) – und dies, obwohl der IT-Betrieb immer energieeffizienter läuft: Der durchschnittliche PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) deutscher Rechenzentren sank zwischen 2010 und 2020 nach Borderstep-Berechnungen von 1,98 auf 1,63. Angesichts der allgegenwärtigen Digitalisierung quer durch alle Branchen wie auch im Consumer-Segment ist mit rasant wachsendem Energiehunger der RZ-Betreiber zu rechnen: „Trotz deutlicher Effizienzgewinne wird der Energie- und Ressourcenbedarf der Rechenzentren in Deutschland bis 2030 voraussichtlich um mehr als 50 Prozent steigen“, prognostizierte Hintemann Ende 2019.

Und das ist ein Problem. Denn dass wir in Zeiten der Klimaüberhitzung leben, mit für die Menschheit zunehmend erschreckenden Folgen, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Zur Erinnerung: Erst diesen Sommer – der auch bei uns Extremwetter brachte – stellte der aktuelle IPCC-Report (International Panel on Climate Change) fest, dass jedes der letzten vier Jahrzehnte wärmer war als alle anderen zuvor. Grund ist der Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre, und dieser ist „eindeutig auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen“, so der IPCC-Report. Diese Analyse ist – mögen auch interessierte Kreise inklusive mancher Politiker Gegenteiliges behaupten – längst Konsens in der internationalen Klimaforschung. „Konsens“ im Sinne von: so unumstritten wie unter Paläontologen die Evolution – manche leugnen sie, aber Fachleute (und nicht nur diese) schütteln dann nur fassungslos den Kopf.

Daher fordern Klimaforschende schon seit Jahrzehnten, dass wir möglichst schnell den Umstieg auf Klimaneutralität schaffen müssen – damit vorrangig eine ausgeglichene CO2-Bilanz. Während viele bei dem komplexen und beunruhigenden Thema nach wie vor den Kopf in den Sand stecken, hat sich in Enge-Sande ein IT-Anbieter zur CO2-Neutralität bereits umfassend Gedanken gemacht: Windcloud (offiziell „Windcloud 4.0 GmbH“).

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