HPE präsentiert Solution Framework für Gaia-X

Briefmarkenalbum voller Wölkchen

20. Mai 2021, 07:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Briefmarkenalbum voller Wölkchen
© Wolfgang Traub

Daten sind die neuen Briefmarken: Es erfordert einen enormen Aufwand, sie zu sammeln, zu aggregieren und auszuwerten, und erst dann wissen Sie, ob Ihre Sammlung etwas von Wert enthält. Mit dem Unterschied, dass der Markt für digitale Briefmarkensammlungen von einigen wenigen amerikanischen Hypersammlern dominiert wird, die den Fluss der begehrten Objekte fest im Griff haben. Vor diesem Hintergrund trat das Gaia-X-Projekt an, ein Gegengewicht zu den amerikanischen Cloud-Monopolisten zu schaffen. Jetzt hat HPE ein Lösungs-Framework für die Gaia-X-Architektur vorgestellt. Das Ziel: Unternehmen die Monetarisierung der Daten auf Basis einer offenen, standardbasierten Architektur zu ermöglichen, ohne ihre Datenhoheit aufgeben zu müssen.

Die Wirtschaftlichkeit der Digitalisierung wird maßgeblich davon abhängen, wie effektiv Unternehmen die Fülle an Daten nutzen können, die ihre Sensoren, Kameras und alle Arten von Unternehmenssoftware ihnen liefern. Ein Teil dieser Datennutzung wird unternehmensintern erfolgen, ein anderer Teil auf einem moderierten oder sogar freien Informationsfluss zwischen Unternehmen basieren. Zum Beispiel könnte ein Autohersteller Sensordaten, die seine Fahrzeugflotte generiert, nutzen, um seine Kundschaft laufend vor schlechten Straßenverhältnissen, riskantem Wetter, Staus und Unfällen zu warnen. Eine Alternative wäre ein Zusammenschluss von Unternehmen, die diese Informationen gemeinsam allen zur Verfügung stellen, unabhängig von der Marke. In beiden Fällen hängt die Hochverfügbarkeit der Daten und Analysen von Cloud-Diensten ab, die diese Informationen kontinuierlich und echtzeitnah bereitstellen. Derzeit sind nur die großen Cloud-Anbieter (Hyperscaler) in der Lage, das zu liefern.

Angesichts des etwas, nun ja, gebrechlichen Verhältnisses manch eines Hyperscalers zum Datenschutz hat sich das Gaia-X-Projekt 2019 auf den Weg gemacht, ein unabhängiges europäisches Gegengewicht zu schaffen, das sowohl der Idee der Offenheit als auch den EU-Standards bezüglich Datenschutz und Datensouveränität verpflichtet ist. Ursprünglich als Kooperation einer Handvoll deutscher und französischer Unternehmen und Institutionen entstanden, ging die Projektleitung im September 2020 an eine gemeinnützige Organisation über, die Gaia-X European Association for Data and Cloud, mit zunächst 22 Mitgliedern, eine Zahl, die seither rasant wächst. Heute umfasst diese Vereinigung auch Partner außerhalb der EU und schickt sich an, ein Datenarchitekturmodell bereitzustellen, das zwar seinen Ursprung in Europa hat, aber eine Roadmap für die globale Monetarisierung von Geschäftsdaten bietet, ohne von den Datenmonopolen der Hyperscaler abhängig zu sein: Die dezentralen Cloud- und Dateninfrastrukturen, die auf der Gaia-X-Architektur basieren, sind so konzipiert, dass sie das Teilen und Aggregieren von Daten, Erkenntnissen und Services im großen Maßstab ohne zentrale Vermittlungsinstanz erlauben.

HPE – als großer US-amerikanischer IT-Ausrüster, der im Gegensatz zum Konkurrenten IBM keine eigene Public-Cloud-Infrastruktur betreibt – war schon vom ersten Tag an bei der Gaia-X-Non-Profit-Organisation involviert. Schließlich hat der Konzern erkannt, dass Gaia-X ein Tor zu hochkarätigen Digitalisierungsprojekten bieten würde und gleichzeitig zu HPEs Ansatz der Offenheit und Partnerorientierung passt. „Unsere Strategie ist perfekt auf diesen Ansatz abgestimmt“, betont Johannes Koch, Senior Vice President der DACH-Region bei HPE. Mit Blick auf die „Europa gegen den Rest der Welt“-Debatte rund um Gaia-X ergänzt er: „Gaia-X adressiert kein europäisches Problem, sondern ein globales Problem.“

Der Schatz im Datensee

So ziemlich alle in der IT-Branche sind sich heutzutage einig, dass die Monetarisierung von Daten der Weg in die Zukunft ist. So schätzt beispielsweise McKinsey, dass die Monetarisierung von Connected-Car-Daten dem Mobilitäts-Ökosystem im Jahr 2030 einen jährlichen Mehrwert von 250 bis 400 Milliarden Dollar bringen könnte. Zugleich soll sich die Datenwirtschaft in der EU bis 2025 gegenüber 2018 fast verdreifachen und einen Wert von 829 Milliarden Euro erreichen. Das Problem: Die meisten Unternehmen in den meisten Branchen haben keinerlei Erfahrung darin, wie sie ihre Daten monetarisieren können, welche Arten von Daten, die sie im Haus haben, überhaupt in Gewinne umzumünzen sind und welche Art von Infrastruktur dafür nötig ist.

HPE will den Unternehmen Gaia-X-Umgebungen als Service bereitstellen.
© HPE

HPE will den Unternehmen Gaia-X-Umgebungen als Service bereitstellen.

Vor diesem Hintergrund soll HPEs neu angekündigtes Solution Framework for Gaia-X es Unternehmen, Providern und öffentlichen Einrichtungen ermöglichen, ihre Daten auf Basis einer offenen Architektur zu sammeln, zu verarbeiten, zu teilen und zu monetarisieren – aber eben ohne Abhängigkeit von AWS, Microsoft Azure, Google oder, in Fernost, von Anbietern wie AliBaba. Gleichzeitig kündigte HPE einen Roadmap-Service für Gaia-X an, der Kunden dabei helfen soll, ihre Gaia-X-Reife zu bewerten und eine Roadmap zu entwickeln.

Das Framework basiert auf einer von HPE entwickelten Gaia-X-Referenzarchitektur, die einige Komponenten aus dem hauseigenen Softwareportfolio sowie Open-Source-Software nutzt, zudem HPEs Business-Plattform Cloud28+, einen Marktplatz für Daten und Services. Der Ausrüster bietet die Gaia-X-Lösung oder einzelne Komponenten über das GreenLake On-Demand-Lizenzierungsmodell als Service an.

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1. Briefmarkenalbum voller Wölkchen
2. Unternehmen auf Gaia-X vorbereiten

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