IBM Think Digital 2020 mit AIOps-Neuerungen

Ein Virus als Digitalisierungsturbo

07. Mai 2020, 08:20 Uhr   |  Von Dr. Wilhelm Greiner.

Ein Virus als Digitalisierungsturbo

IBMs jährliche Hausmesse Think fand dieses Jahr Corona-bedingt ausschließlich online statt. In seiner Keynote plädierte CEO Arvind Krishna dafür, die Pandemie als Wendepunkt und damit auch als Chance für schnellere Digitalisierung zu begreifen. Unterstützen will Big Blue die Unternehmen dabei unter anderem mit Neuerungen für den KI-gestützten IT-Betrieb.

Die Coronavirus-Pandemie ist laut IBM-Chef Arvind Krishna ein "kritischer Wendepunkt". Sie sei allerdings nicht nur eine Tragödie, sondern zugleich eine Chance für beschleunigte Digitalisierung: "Es ist eine Gelegenheit, neue Lösungen, neue Arbeitsweisen und neue Partnerschaften zu entwickeln, von denen Ihr Unternehmen und Ihre Kunden nicht nur heute, sondern auch in den kommenden Jahren profitiert", so der CEO. Er sieht zwei Motoren für diese Beschleunigung: "Hybrid Cloud und KI sind die beiden dominierenden Kräfte, die die digitale Transformation vorantreiben."

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Die aktuelle Krise ist laut IBM-Chef Arvind Krishna "eine Gelegenheit, neue Lösungen, neue Arbeitsweisen und neue Partnerschaften zu entwickeln". Bild: IBM

Denn was sich durch die Krise verändert hat, so Krishna, sei vor allem die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen nun Digitalisierungprojekte umsetzen: Was früher Jahre in Anspruch nahm, finde nun innerhalb weniger Monate statt, habe die Pandemie doch wichtige Fragen zutage gefördert: "Wie können Lieferketten noch resilienter werden, um globalen Schocks zu widerstehen? Welche Workload kann ich in die Public Cloud verschieben? Welche IT-Aufgaben kann ich automatisieren, sodass meine Belegschaft sich auf höherwertige konzentrieren kann? Wie kann ich meine IT-Infrastruktur absichern, einschließlich entfernter Arbeitsplätze? Wie kann ich KI nutzen, um ein massiv gestiegenes Anrufaufkommen zu stemmen?"

Die Folgerung des IBM-Lenkers: "Wenn es etwas gibt, was die Covid-19-Pandemie uns gelehrt hat, dann ist es die grundlegende Bedeutung von IT-Lösungen dafür, Geschwindigkeit, Flexibilität, Einsichten und Innovation zu ermöglichen." Vor diesem Hintergrund stellte IBM bei der Online-Konferenz diverse Neuerungen vor. Die für die LANline-Leser relevantesten betreffen den KI-gestützten IT-Betrieb (AIOps) und die offene - weil OpenShift-basierte - Hybrid Cloud, zudem das Edge Computing und 5G.

Watson im IT-Betrieb

Das neue Angebot Watson AIOps soll Unternehmen die Einführung automatisierter Prozesse auf der Infrastrukturebene erleichtern. Watson AIOps nutzt - der Name verrät es - IBMs hauseigene KI-Technik Watson, um Anomalien im IT-Betrieb in Echtzeit zu erkennen, zu diagnostizieren und darauf zu reagieren. Ziel ist es, dank künstlicher Intelligenz Veränderungen besser vorherzusagen, um reaktionsfähigere und intelligentere Umgebungen aufzubauen.

Die neue Lösung basiert auf Red Hat OpenShift und soll sich damit für den Einsatz in beliebigen OpenShift-fähigen Hybrid-Cloud-Umgebungen eignen. Sie spielt laut IBM mit Lösungen wie Slack und Box zusammen, die bei US-amerikanischen IT-Teams als Collaboration-Tools beliebt sind. Zudem integriere sie sich aber auch in traditionelle IT-Management-Lösungen wie ServiceNow, so Big Blue.

Zeitgleich mit Watson AIOps hat der Konzern eine Reihe neuer und aktualisierter Funktionen angekündigt, um den IT- und Geschäftsbetrieb zu vereinfachen. So erhielt Cloud Pak for Data, die integrierte Daten- und KI-Plattform von IBM, eine Reihe neuer Funktionen, um den Zugriff auf geschäftskritische Daten zu automatisieren. Zu den Erweiterungen zählen beispielsweise IBM Planning Analytics. Damit soll der Anwender Planungs-, Budgetierungs- und Prognoseaufgaben automatisieren können.

Cloud Pak for Automation, eine Software zur Erstellung und Ausführung von Automatisierungsapplikationen, soll es künftig erleichtern, KI-gestützte "Digital Worker" zu erstellen. Als "Digital Worker" bezeichnet IBM Bots für die Automation von Routinearbeiten. Die neuen Funktionen sollen die Digitalisierung von Aufgaben wie Datenerfassung und Business Routing erleichtern.

Auch die KI-basierte Konversationsplattform Watson Assistant hat IBM aktualisiert. Die Sprach- und Chat-Bot-Lösung für die Automation wissensbasierter Aufgaben verfüge jetzt über eine vorgefertigte Benutzeroberfläche, die man nach Best-Practice-Verfahren entwickelt habe und deren Bereitstellung keinen Entwicklungsaufwand erfordere. Es gebe neue Integrationen in führende Customer-Service-Plattformen und eine neue Autolearning-Funktion, die der Konzern diesen Sommer in das Produkt integrieren will. Mit ihr soll Watson aus dem bisherigen Kundenverhalten dazulernen, um bestmögliche Antworten auf neue Fragen zu liefern.

Als weitere wichtige Bausteine künftiger IT-Infrastukturen erachtet IBM-Chef Krishna 5G-Mobilfunk and Edge Computing: "Unternehmen benötigen Fähigkeiten, die es ihnen erlauben, weltweit Features, Funktionen und Security-Patches konsistent überall dort auszubringen, wo Computing stattfindet. Sie müssen den Automationsgrad erhöhen, um das alles effizient, skalierbar und sicher zu machen." Hier setze man auf Lösungen auf der Basis von OpenStack and OpenShift, um vom Rechenzentrum bis zur Cloud und zum Edge für mehr Überblick und Automation zu sorgen.

In diesem Kontext stellte IBM unter anderem die Software Edge Application Manager vor, eine autonome Verwaltungslösung zur Bereitstellung und Fernverwaltung von KI-, Analyse- und IoT-Unternehmens-Workloads. Sie soll das Management von bis zu 10.000 Edge-Knoten durch einen einzigen Administrator erlauben und dabei in Echtzeit Einblicke und Analysen liefern. Es handle sich um die erste Lösung, die auf dem Open-Source-Projekt Open Horizon basiert, das IBM-Ingenieure aufgesetzt haben, um einer einzigen Person die Verwaltung eines umfangreichen Netzwerks von Edge-Geräten zu ermöglichen.

Des Weiteren kündigte Krishna in seiner Keynote den Tech Preview des neuen Angebots Cloud Satellite an: Cloud Satellites sollen cloudnative Services dorthin ausdehnen, wo das Anwenderunternehmen sie benötigt, also in das Kunden-RZ oder an den Edge (Netzwerkrand). Es handelt sich somit um IBMs Antwort auf AWS? Outposts und Microsofts Azure Edge Zones. Mit ihnen betreiben die Cloud-Provider Workloads am Netzwerkrand, wenn dies zum Beispiel aus Latenzgründen erforderlich ist. Cloud Satellite wird laut Krishna ein zentrales Dashboard bieten, um Aspekte wie das Access-Management über alle Satellites hinweg steuern zu können.

"Die 5G- und Edge-Computing-Generation (der IT, d.Red.) nähert sich schell, und sie dürfte einen so großen Einfluss auf das Enterprise Computing haben, wie es Mobiltelefone auf die Verbraucher hatten", prognostiziert CEO Krishna. "Die Gewinner in dieser 5G- und Edge-Ära werden die sein, die einen Hybrid-Cloud-Ansatz auf der Basis offener Technologien und Standards wählen."

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.

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