Mehr Effizienz durch Hardware, Software und Services

Energiesparwunsch treibt Markt für Green IT

13. Dezember 2007, 23:46 Uhr   |  

Unter dem Modebegriff "Green IT" fassen Analysten, Hersteller und Anbieter sämtliche Lösungen - Hardware, Software wie auch Services - zusammen, die den Unternehmen zu Energieeinsparungen verhelfen können. Das Label "Green IT" erhalten damit derzeit energieeffiziente CPUs, Lüfter und Festplatten ebenso wie ganze Serversysteme und Virtualisierungssoftware, Lösungen für das Power- und das dynamische Kapazitätsmanagement, Web-Conferencing-Software, Thin Clients, RZ-Ausstattungsgerätschaft wie Kühl- und Klimatisierungsanlagen oder auch energiewirtschaftlich sinnvolle Services aus so unterschiedlichen Bereichen wie RZ-Planung oder Storage Offshoring. Allerdings reicht das Spektrum des Themas noch wesentlich weiter und umfasst diverse weniger oft diskutierte Aspekte: von der ressourcenschonenden Beschaffung über den RZ-Betrieb mit nachhaltig erzeugter Energie - wie dies jüngst Hosting-Anbieter Strato angekündigt hat - bis hin zur umweltgerechten Entsorgung von Altgeräten mittels möglichst weitgehendem Recycling.

Die weit verbreitete Sorge um den Klimawandel und dessen allgegenwärtige Medienpräsenz hat zu einer zunehmenden Bereitschaft der Industrie – inklusive der IT-Industrie – geführt, Energie- und Ressourceneffizienz stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Da braucht man weder Hellseherkräfte noch Glaskugel, um prohezeien zu können, dass der Markt für Green-IT-Produkte und -Services in den nächsten Jahren boomen wird: Die Anbieter werden – aus verständlichem Marketing-Interesse – jeden erdenklichen Energiespareffekt ihrer Produkte als "grün" vermarkten, Anwender und Unternehmen werden umweltbewusster entscheiden und einkaufen müssen, und die zu erwartenden steigenden Energiepreise werden diese Markttrends ebenso befördern und beschleunigen wie das wiedererstarkte Umweltdenken. Eine Vermarktungswelle bahnt sich an, wie sie seit dem E-Business-Hype nicht mehr da gewesen ist – diesmal allerdings aus konkretem Bedarf und Umweltbewusstsein gespeist, nicht aus hoffnungslos überzogene Erwartungen, wie rasant sich die webbasierte Geschäftsabwicklung verbreiten werde (was letztlich aber dann doch hochgradig eingetreten ist). Entsprechend setzen die IT-Anbieter und die Branchenauguren große Hoffnungen in den Green-IT-Markt.

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Ein Beispiel für die erwartungsvoll in die grüne IT-Zukunft blickenden Marktforscher ist die Experton Group. Jüngst verkündeten die Marktbeobachter, der Markt für Green IT werde von 2007 bis 2010 im Schnitt um jährlich 66 Prozent wachsen. Treiber seien die drei zentralen Probleme im RZ: Platzmangel, zu wenig Klimatisierungsreserven und eine wachstumshemmend geringe Stromkapazität. Zu den zentralen Aufgaben der CIOs zählt Wolfgang Schwab, Senior Advisor der Experton Group, deshalb die Virtualisierung und Konsolidierung von Ressourcen im RZ, den Einsatz energiesparender Server- und Storage-Systeme sowie sonstiger End- und Peripheriegeräte sowie den Einsatz effizienter Klimatisierungstechnik im Data Center.

Schwab weist darauf hin, dass die CPU-Anbieter in letzter Zeit große Fortschritte beim Energieverbrauch gemacht haben, und dass mit DDR3 eine deutlich stromsparendere Speichertechnik aufgekommen ist. Anzumerken wäre allerdings, dass bislang solche Fortschritte beim Verhältnis von IT-Kapazität zu Stromverbrauch immer wieder durch ebenso fröhlich eskalierende Nachfrage nach Rechen- und Speicherleistung aufgefressen worden sind. Die Green-IT-Debatte könnte heute zu der dringend nötigen Kehrtwende in dieser Entwicklung beitragen.

Den Green-IT-Softwaremarkt unterteilt Experton-Analyst Schwab in die beiden wesentlichen Bereiche Virtualisierung und Systemmanagement. Servervirtualisierung ist derzeit eine der wichtigsten Methoden zum Stromsparen im RZ. Schwab sieht dieses Marktsegement allerdings unter Druck geraten, wenn Microsoft in Kürze die übrigen Marktteilnehmer mit niedrigeren Preisen konfrontiert. Im Markt für grünes Systemmanagement hingegen stecke noch enormes Potenzial: Die meisten Systemmanagementwerkzeuge könnten zwar die Temperaturen in Servern und Storage-Systemen überwachen, so Schwab, den tatsächlichen Energiebedarf überwache bislang jedoch keines dieser Werkzeuge. Hier erwartet er in den kommenden Jahren deutliche Fortschritte. Der Markt für Green-IT-Services wiederum sei "derzeit noch stark fragmentiert": Große Service-Provider tummelten sich hier ebenso wie kleinere Spezialisten für RZ-Planung und -Optimierung. Die Experton Group prohezeit hier "eine gewisse Konsolidierung".

Dass auch das Marktsegment der auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit ausgerichteten IT-Services ein enormes Potenzial birgt, veranschaulicht folgendes Beispiel: Der isländische Storage-Service-Provider Data Islandia bietet in Zusammenarbeit mit dem Storage-Geräteanbieter Hitachi Data Systems (HDS) einen Offshoring-Service für die Archivierung von Datenbeständen an, den die beiden Unternehmen als den weltweit "umweltfreundlichsten Archivierungsservice" bezeichnen. Die Begründung: Die Energieversorgung der Einrichtungen von Data Islandia sind, wie in Island üblich, vollständig geothermalen und hydroelektrischen Ursprungs. Mit dem HDS-Equipment verspricht Data Islandia auch beim Remote Access zu einem isländischen Data Center einen schnellen, latenzarmen Zugriff auf die festplattenbasierten Archivlösungen.

Dieses Angebot von Data Islandia ist Bestandteil eines weltweiten Trends, Rechenzentren aus den urbanen Ballungsräumen abzuziehen und näher an den Energiequellen anzusiedeln. So baut bekanntlich auch Google derzeit ein RZ am Columbia River in Kraftwerksnähe. "Das Prinzip ist gut", lobt Ian Brown, Senior Analyst beim Marktforschungshaus Ovum, diesen Trend ausdrücklich. "Es ist leichter und effizienter, Daten über große Distanzen zu übertragen, als den Strom zu übertragen."

LANline/Dr. Wilhelm Greiner

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