Interview mit Marius Merkel, IBM, zu AIOps

Kollege KI

01. Juni 2021, 12:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Was die IT noch ausbremst

LANline: Was sind derzeit hierzulande die größten Hürden für die Einführung von AIOps?
Marius Merkel: Die verantwortlichen Personen aus der IT der Unternehmen merken, dass noch einiges umgesetzt werden muss, und zwar auch in Fachbereichen, denn beides wächst immer mehr zusammen. Heute gibt es eine wesentlich höhere Anzahl von Abhängigkeiten beider Bereiche und bereits durchgängige Konzepte sowie Ansatzpunkte für eine vollintegrierte Zusammenarbeit. Denn inzwischen ist klar: Welchen Mehrwert bietet mir ein perfekt gestalteter und umgesetzter Business-Prozess, wenn angrenzende IT-Systeme zum Stillstand kommen? Am Ende stehen die Unternehmensbereiche immer vor derselben Herausforderung: Kontinuierlich effizienter werden bei gleichbleibendem oder schrumpfendem Budget. Dabei verändert sich die IT-Landschaft derartig schnell, dass man mit konventionellen Methoden und Mitteln dieser Herausforderung oft nicht gewachsen ist. Neue parallel existierende Technologien und Infrastrukturen, Micro-Service-Architekturen und Serverless-Technologien überfordern die IT-Betriebsabteilungen, die sich nach wie vor veralteter Methoden und Technologien bedienen müssen. Hier ist es an der Zeit, Investitionen zu planen, um umrüsten zu können – nicht nur auf der Technologieseite, sondern auch in Bereichen wie „Cultural Change“ und moderner Methoden. IBM hat bereits vor Jahren das Thema „Cloud-Service-Management und -Operations“ als moderneren Ansatz zu klassischen ITIL-Prozessen behandelt und nachhaltig in den Markt getragen. Der Unterschied zu heute ist, dass wir solche Konzepte immer stärker mit Mehrwert bringender Software unterstützen können und im besten Fall direkt KI mit hinzunehmen.

LANline: Veraltete Technik und Strukturen bremsen also. Welche weiteren Bremsklötze gibt es?
Marius Merkel: Nach Meinung zahlreicher Analysten ist das Thema AIOps sehr hoch bewertet. Dennoch scheint die Akzeptanz von AIOps noch in einem frühen Stadium zu sein. Einzelne Aspekte werden inzwischen automatisiert und teilweise mit KI versehen. Viele eingesetzte Lösungen beziehen einen Teil der relevanten Daten mit ein und sind damit ein guter Anfang. Oft fehlt es aber am weitreichenden Verständnis darüber, was KI darüber hinaus leisten kann. Wir gehen inzwischen zu einer vollautomatischen und holistischen Bewertung relevanter Vorfälle in der IT. AIOps heißt übrigens nicht zwingend, dass jeder IT-Operations-Mitarbeiter ein KI-Analyst werden muss. Vielleicht gibt es an dieser Stelle noch Berührungsängste. Lassen Sie mich eine dritte Hürde bewusst etwas provokant formulieren: Oft scheitert Innovation oder Akzeptanz von etwas Neuem an der Bereitschaft, das Alte, welches sich ohne Frage lange Jahre bewährt hat, aufzugeben. Das ist aber die klare Voraussetzung für Innovationen, nur so lassen sich die aktuellen Probleme lösen.

LANline: Welche Facetten oder Teile von AIOps können auch mittelständische IT-Organisationen ohne fremde Hilfe einführen?
Marius Merkel: AIOps nutzt vorliegende Daten aus bereits eingesetzten Systemen. Damit sind die Daten aus verschiedenen relevanten Datenquellen von besonderer Bedeutung. Ich würde die Arbeitshypothese aufstellen, dass bereits heute nahezu jede mittelständische IT-Organisation einen gewissen Fundus an Betriebsdaten hat. Handelt es sich um rudimentäre Datenquellen, bleibt AIOps deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück und könnte unter Umständen auch falsche Rückschlüsse ziehen. Deshalb ist der erste Schritt der, die Ops-Daten zu verbessern. Das lässt sich einfach und ohne nennenswerte Unterstützung durchführen – unsere Lösung im Bereich Enterprise Observability Instana zum Beispiel liefert hier umfassende Daten über alle relevanten Vorgänge – Apps, Infrastrukturen, Services etc. – der überwachten Elemente in einem Dashboard. Auch hier ist schon KI verbaut: Sie liefert Ursachenanalysen, um bei Schiefständen gleich an der richtigen Stelle anzugreifen. Ein anderer Aspekt wäre beispielsweise eine Lösung, die die Infrastruktur auf die Last der Applikationen automatisch anpasst. So lassen sich einfach Kosten, Performance und Compliance ins Gleichgewicht bringen und darüber hinaus auch noch CO2 sparen.

LANline: Und welche AIOps-Ansätze erfordern Consulting durch externe Fachleute?
Marius Merkel: Eine Begleitung durch einen Consulting-Ansatz kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise eine konsequente Cloud- oder Hybrid-Cloud-Strategie umgesetzt werden soll. Das erwähnte Cloud-Service-Management- und -Operations-Konzept kann einen wesentlichen Beitrag zu dieser Transformation leisten. Das Konzept kann ebenso iterativ erarbeitet werden wie die sinnvolle Adaption von moderner Software. Wir sehen viele mittelständische Unternehmen, die bereits ihre Reise in die Cloud – Public oder Private Cloud oder beides – angegangen sind und Handlungsbedarf haben. Man darf gerade in diesem Segment nicht vergessen, dass man bezüglich vorhandener Ressourcen nicht immer aus dem Vollen schöpfen kann. Genau hier können durchdachte Automatisierungsansätze sehr zielführend sein.

LANline: Herr Merkel, vielen Dank für das Gespräch.

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