Automatisierte Netzwerkdokumentation mit Netbrain EE 6.1

Troubleshooting-Apps einfach selbst erstellen

06. Juni 2016, 06:27 Uhr   |  LANline/Dr. Wilhelm Greiner

Troubleshooting-Apps einfach selbst erstellen

Die Lösung Netbrain des gleichnamigen US-Anbieters dient der automatisierten Dokumentation des Netzwerks mittels dynamischer Kartenansichten ("Qmaps"). Die Software umfasst zahlreiche ergänzende Apps ("Qapps") für die Durchführung von Monitoring- und Troubleshooting-Aufgaben. Neu in der Netbrain Enterprise Edition (EE) 6.1 ist ein Wizard für die leichtere Qapp-Erstellung und eine 64-Bit-Server-Version für sehr umfangreiche Umgebungen.

Netbrain bietet ein Werkzeug für die schnelle Generierung dynamischer Netzwerk-Maps („Qmaps“), die sich automatisch aktualisieren und per Zoom den Blick auf die Details der Netzwerkgeräte erlauben. Laut Lingping Gao, dem CEO des US-Unternehmens, verfügt Netbrain über die „weltweit schnellste Discovery Engine“. Diese sammle umfassende Konfigurationsdetails für bis zu 3.000 Layer-2/3-Netzwerkgeräte pro Stunde.

Damit erreiche die Lösung selbst in umfangreichen Netzen schon nach einem Tag einen verlässlichen Dokumentationsstand („Steady State“), ein zu 99 Prozent korrektes Modell sogar schon nach wenigen Stunden. Der Genauigkeitsgrad der Auto-Discovery liege bei 99,99 Prozent.

Die gesammelten Daten, so Gao, stelle Netbrain EE mittels einer selbstlernenden, intelligenten Aufbereitung nach Art einer Big-Data-Analyse in detailreichen Ansichten und Dokumentationen dar. Die Datenbankbasis dafür liefere eine inbegriffene Mongo DB, ein Anwenderunternehmen könne aber auch eine bereits vorhandene Mongo DB nutzen.

Für die Betrachtung der Netzwerkdokumentation setzt der Anbieter auf eine Web-basierte Kartenansicht, denn, so Gao: „Jeder weiß, wie man das bedient.“ Die Daten lassen sich per CSV an Drittlösungen übergeben.

Die eigentliche Stärke der Lösung, so Gao, liege aber in den ergänzenden „Qapps“: Der Funktionsumfang einer herkömmlichen Netzwerkdokumentation sei immer zu gering, deshalb habe man für Netbrain EE die Möglichkeit geschaffen, die Funktionalität nach App-Store-Manier zu erweitern, um eine Fülle von Netzwerk-Management-Aufgaben automatisiert durchzuführen.

Eine Qapp rufe die dynamisch generierten Echtzeitdaten ab und könne sie in einer Qmap darstellen oder als CSV exportieren. Zahlreiche Qapps werden mit Netbrain EE mitgeliefert, Hunderte weitere kann man aus dem App Store namens „Qapp Exchange“ beziehen und in der Community mit anderen Netbrain-Nutzern teilen, so Gao. Alle Qapps in der Exchange seien von Netbrain verifiziert.

Neu in Netbrain EE 6.1 ist ein Qapp Wizard, der es auch Anwendern ohne Programmier- oder Scripting-Background ermöglichen soll, schnell und einfach individuelle Qapps zu erstellen. Gegenüber herkömmlichem Scripting habe eine Qapp den Vorteil, dass sie sich leicht auf andere Netzwerkumgebungen übertragen lasse und so ein Sharing mit anderen Nutzern erlaube. Der Einsatz von Script-Sprachen wie Python sei aber ergänzend möglich.

Als Beispiel für die Aufgaben, die sich mittels Qapps automatisieren lassen, nennt Netbrain die Überprüfung, ob die QoS-Einstellungen aller Netzwerkgeräte entlang des Pfads eines Applikations-Datenverkehrs konsistent sind, inklusive anschließendem Export der Ergebnisse als CSV-Datei. Ein anderes Einsatzbeispiel ist, auf der Netzwerk-Map alle Geräte mit Unterstützung für ein bestimmtes Protokoll grafisch hervorzuheben.

Laut Angaben von Netbrain-Chef Gao hat sein Unternehmen heute rund 1.200 Kunden, darunter bekannte Namen wie AT&T, Cisco und Barclay’s – mit entsprechend großen Netzen: Die Lösung skaliere bis auf Zehntausende Netzwerkgeräte. Die Software sei dabei so intuitiv einzurichten und zu bedienen, dass die Kunden dies in der Regel selbsttätig vornehmen könnten und höchstens noch ein Web-basiertes Training benötigten – eine erforderliche Mindestgröße des Netzwerks gebe es nicht.

Mit Version 6.1 von Netbrain EE kam nun auch eine 64-Bit-Server-Variante hinzu. Damit, so der Hersteller, könne man nun auch Netzwerke verwalten, die mehr als 65.535 Netzwerkgeräte umfassen. Neu ist auch Support für Cisco UCS und Netzwerkgeräte von Adva.

Zum Troubleshooting bietet Netbrain EE laut Gao Funktionen für eine automatisierte Diagnose des Netzwerks. Dazu nutze die Software ein komplexes mathematisches Modell für die Discovery und das Benchmarking der Netzwerkgeräte. Die Lösung ermittle automatisch deren Interconnects einschließlich Virtualisierung beziehungsweise Overlay- und Underlay-Netzen. Eine Unterstützung von SDN-Architekturen (Software-Defined Networking) ist nach Angaben des Netbrain-Vordenkers im Aufbau.

Changes automatisiert durchführen

Netbrain EE beinhaltet des Weiteren ein Modul für das automatisierte Change-Management im Netzwerk: Die Lösung nimmt laut Gao die Changes vor, verifiziert sie und lässt eine App für die Erkennung der Auswirkungen von Änderung (Change Impact Detection) laufen. Die Software nehme dazu Vorher/Nachher-Snapshots der Umgebung und analysiere das Delta.

Eine proaktive Simulation von Changes bietet die Lösung aber nicht: Man habe eine solche Funktionalität früher geboten, so Gao, aber sie habe sich in Einrichtung und Pflege als zu aufwendig für die Anwender erwiesen.

Die Discovery-Funktion von Netbrain lässt sich laut Gao auch sehr gut für die Anomalieerkennung im Rahmen einer Bedrohungsanalyse nutzen. Deshalb arbeite Netbrain über Schnittstellen mit den bekannten SIEM-Tools (Security-Information- und Event-Management) ebenso zusammen wie mit Splunk und anderen führenden Softwarehäusern.

Netbrain ist eine reine Softwarelösung, die mit der erwähnten Mongo DB ausgeliefert wird. Sie lässt sich als Komplettlösung installieren, für größere Umgebungen rät der Anbieter aber zu einem verteilten Deployment. Alle Netzwerkdaten werden aus Sicherheitsgründen in der lokalen Datenbank vorgehalten, betont Gao, ein Datenexport in die Cloud erfolge nicht.

Die Lizenzierung von Netbrain EE ergibt sich aus der Kombination der überwachten physischen Netzwerkgeräte und der Zahl gleichzeitig zugreifender Nutzer (Concurrent Users). Für das Starter-Paket (ein Anwender, bis zu 100 Netzwerkgeräte) liegt der Listenpreis bei 19.000 Dollar.

Ergänzend gibt es eine Netbrain Consultant Edition (CE). Diese zielt, wie der Name andeutet, auf externe IT-Berater, ihre Nutzung ist deshalb an einen einzelnen Client-Rechner gebunden. Der Listenpreis liegt hier bei 6.000 Euro.

Mit dem nächsten Release will Netbrain seine Lösung unter anderem um Funktionen für die Kapazitätsplanung erweitern. Dieses Release 7.0 soll Ende des Jahres erscheinen.

Weitere Informationen finden sich unter www.netbraintech.com.

Mehr zum Thema:

Brocade: Netzwerkautomation nach Devops-Manier

Dell: Firewall- und Switch-Management zusammengeführt

Manageengine: Fünf Netzwerk-Management-Lösungen in einer

Cisco erweitert ACI zu Digital Network Architecture

Kampf um SDN-Marktanteile: Software definiert den Netzwerkmarkt

Netbrain EE sammelt umfassende Konfigurationsdaten zu Netzwerkgeräten und bereitet sie zu Kartenansichten auf, die den Zoom auf Gerätedetails erlauben. Bild: Netbrain
Mittels zusätzlicher Apps (Qapps genannt) ermöglicht Netbrain EE 6.1 die automatisierte Durchführung zahlreicher Aufgaben, im Bild etwa die Pfadanalyse für den Datenverkehr zwischen zwei IP-Adressen. Bild: Netbrain

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Einfach skalierbare Flash-Speicherlösungen
Einfach nutzbare EMM-Lösung

Verwandte Artikel

Change-Management

Netzwerk-Management

Threat Detection