VMware mit Desktone versus Citrix mit Merlin

Wettlauf zum DaaS-Markt

23. Oktober 2013, 06:19 Uhr   |  LANline/Dr. Wilhelm Greiner

Wettlauf zum DaaS-Markt

Zur VMworld in Barcelona verkündete Gastgeber VMware die Akquisition des DaaS-Spezialisten (Desktop as a Service) Desktone (LANline berichtete). Damit schießt die Virtualisierungsgröße wieder einmal gegen die Dominanz des Virtual-Desktop-Schwergewichts Citrix im Client-Computing. Denn Citrix hatte vor Kurzem mit seiner Lösung Xendesktop 7 die erste Xendesktop-Version auf der neuen Plattformbasis aus dem Projekt Avalon vorgestellt. Dieses zielt darauf ab, Virtual Desktops aus der Cloud auf Abruf bereitzustellen - also ebenfalls auf DaaS.

Sanjay Poonen, Executive Vice President und General Manager End-User Computing bei VMware, erläuterte in einem Blog-Beitrag, warum VMware den hierzulande kaum bekannten DaaS-Spezialisten übernommen hatte: Desktones Virtual-Desktop-Plattform biete „eine einzigartige Architektur einschließlich Mandantenfähigkeit, Self-Service-Provisionierung, RZ-übergreifendem Management, Support für mehrere Desktop-Modelle, Rollentrennung, Grid-Skalierung und Sicherheit“, so der VMware-VP.

Desktone habe jahrelange Erfahrung und einen guten Ruf bei der hochskalierenden Bereitstellung von Desktops aus der Cloud. Von Technikblaupausen bis zu Unterstützung beim Betrieb könne das Haus Service-Providern alles liefern, um Arbeitsplätze effizient aus der Wolke zu liefern.

VDI-Fachmann Brian Madden wies auf seinem Blog auf Desktones wechselhafte Geschichte hin: Gestartet als Dienstleister für andere Service-Provider, hatte sich Desktone selbst eine Zeit lang als DaaS-Anbieter versucht, um dann zum Geschäftsmodell des „Service-Providers für Service-Provider“ zurückzukehren.

Gerade in dieser Rolle als „Providers’ Provider“ ist Desktone für VMware nützlich, kann doch der Konzern den laut eigenen Angaben rund 11.000 Service-Providern unter seinen 55.000 Partnern anbieten, ihnen den Sprung zum Cloud-Dienstleister zu erleichtern.

„Die Desktone-Lösung ermöglicht es SPs, viele Verträge, die alle auf der gleichen Infrastruktur gehostet werden, leicht zu managen“, kommentiert Gartner-Analyst Gunnar Berger. Dabei biete Desktone nicht nur RDS (Remote Desktop Services, also Terminal-Services), sondern tatsächlich mandantenfähiges VDI (Virtual Desktop Infrastructure): „Sie setzen das um, indem sie Microsofts strengen Richtlinien befolgen, die es untersagen, dass mehrere Organisationen die gleiche Hardware gemeinsam nutzen“, so Berger. Microsofts VDI-feindliche Lizenzpolitik ist traditionell ein Bremsklotz am Siegeswagen Cloud-basierter Desktops – von Vorbehalten gegen das Auslagern von Arbeitsplätzen in die anonyme Cloud ganz abgesehen.

VMware wiederholt damit den Schachzug, den Konkurrent Citrix vor einiger Zeit in Sachen EMM (Enterprise-Mobility-Management) gemacht hatte: Während VMware mit der Horizon Suite an einer umfassenden integrierten Lösung für das gemeinsame Management virtualisierter Desktops und mobiler Apps arbeitete, akquirierte Citrix kurzerhand mit Zenprise einen der EMM-Marktführer und katapultierte sich damit an die Spitze in diesem dynamischen Marktsegment. Diese Lösung heißt nun Xenmobile und ist inzwischen auf dem besten Weg, voll ins Citrix-Portfolio integriert zu werden.

Die aktuelle Entwicklung verläuft spiegelverkehrt: Citrix hat mit Xendesktop 7, jüngst aktualisiert auf Version 7.1 (LANline berichtete), die erste seiner beiden Projektphasen auf dem Projekt Avalon abgeschlossen, mit der Citrix seine Flaggschifflösung vom Unternehmensumfeld ins Cloud-Zeitalter hievt. Citrix hat die Management-Interfaces radikal vereinfacht und die Provisionierung verschlankt. Die zweite Phase (Projekt Merlin), deren Abschluss bis zur Citrix-Hausmesse Synergy 2014 zu erwarten ist, soll die neue Plattform um all die Automatismen und Management-Optionen ergänzen, die ein DaaS-Provider im Alltag benötigt – also um solche Funktionen, wie sie nun Desktone ins VMware-Portfolio einbringt.

Dank seiner starken Position in zahlreichen Unternehmens-RZs, seinem umfangreichen Partnernetzwerk und den nun auch in Europa im Aufbau befindlichen hauseigenen Hybrid-Cloud-Services (Vcloud Hybrid Service, VCHS) könnte VMware dem Thema DaaS einen ähnlich deutlichen Ruck geben, wie dem Anbieter dies letztes Jahr per Nicira-Übernahme mit dem Thema Virtual Networking im Data Center gelang. (Auch Nicira kannten bis zur Übernahme nur Insider.) Davon könnten dann auch andere DaaS-Anbieter profitieren, zu denen neben Global Playern wie IBM ab nächstem Jahr sicher auch diverse Citrix-Partner zählen werden.

Man darf gespannt sein, ob und wie VMware die Desktone-Technik mit der hauseigenen VDI-Lösung View – aktuell in Version 5.3 mit Nvidia-Grid-Support – zusammenführen wird. Offen ist derzeit auch, wie man etwaige in hauseigenen VCHS-Data-Centern gehostete DaaS-Lösungen von Partnerangeboten abgrenzen will.

Der Startschuss für den Wettlauf um die beste Position im noch jungen DaaS-Markt ist gefallen. Nun muss der Zauberer Merlin zeigen, was er kann. Und es wäre hilfreich, wenn die Lizenzmagier aus dem Reich Redmonds den DaaS-Zauberlehrlingen ein paar Stolperfallen aus dem Weg zaubern würden.

VMware hat sich mit Desktone einen DaaS-Spezialisten einverleibt. Bild: VMware

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

DaaS

VDI

Virtual Desktop