„Die anhaltenden Spionagevorwürfe bedeuteten 2013 den größten Rückschritt“, meint Alix Leconte, Area Vice President DACH von Juniper Networks. „Die Auswirkungen könnten sich 2014 in der DACH-Region vor allem durch eine verstärkte Fokussierung auf Datenzentren, öffentliche Cloud-Umgebungen sowie Datensicherheit zeigen.“ Es folgt ein Gastkommentar des Juniper-Managers mit seiner Prognose zum europäischen IT-Markt im kommenden Jahr.

2013 war in der DACH-Region ein verhaltenes Jahr in puncto IT-Ausgaben und Investitionen in neue Infrastruktur. Während in anderen europäischen Ländern Themen wie Public-Cloud- und Open-Access-Strukturen sowie SDN (Software-Defined Networking) viel diskutiert wurden, war das größte Anliegen in dieser Region der Vermögensschutz und die Sicherung von Kunden- und Unternehmensdaten. In der DACH-Region, vor allem in Deutschland, zeichnet sich ein wirtschaftlicher Aufwärtstrend ab. Allerdings bleiben Unternehmen weiterhin zurückhaltend.

 

Für kleine und mittelständische Unternehmen haben Sicherheit und Datenschutz höchste Priorität. Da viele Unternehmen weiterhin Teilfunktionen und Angebote an Cloud-Anbieter auslagern, gewinnt Cloud-Hosting immer mehr an Bedeutung. KMU-Initiativen der Regierung, die das Ziel verfolgen, die Ausgaben zu erhöhen und eine europäische Cloud- und E-Commerce-Expertise zu schaffen, können Anbieter lokalisierter Lösungen begünstigen.

 

Viele Unternehmen und Cloud-Anbieter in der DACH-Region haben die Expertise, ihre eigenen Datenzentren aufzubauen und Cloud-Angebote zu erstellen. Daher werden offene Architekturen, die den europäischen Datenschutzgesetzen entsprechen und nicht an einen einzigen Hersteller gebunden sind, bevorzugt.

 

Ein gutes Beispiel dafür ist auf dem Schweizer Markt zu finden, das normalerweise als Early Adopter in der Region gilt und in dem früh neuartige Techniken wie SDN und NFV (Network Function Virtualization) zum Einsatz kommen: Der Schweizer Service-Provider Swisscom hat 2012 angekündigt, eine eigene Private Cloud zu errichten.

 

Generell ist in der DACH-Region im kommenden Jahr eine Steigerung der Ausgaben für Next-Generation-Netzwerke zu erwarten. Darüber hinaus wird der Einsatz privater und öffentlicher Cloud-Umgebungen zunehmen.

 

Service-Provider in ganz Europa werden im nächsten Jahr einen rapiden Anstieg des Datenverkehrs feststellen. Dieser Anstieg wird dabei durch Over-the-Top-Inhalte und mobile Dienste gefördert, die einen hohen Datenverbrauch aufweisen. Da  Service-Provider ihre Akquisitionen und Fusionen (zum Beispiel Vodafone/Kabel Deutschland, Telefónica O2/E-Plus) im kommenden Jahr abschließen werden, wird der Wettbewerbsdruck weiter steigen.

 

Viele dieser Service Provider stehen vor der Herausforderung, ihr Netzwerkinventar über die reine Verbindungsleistung hinaus zu monetarisieren. Netzwerkanalyse und Big Data werden ebenfalls wichtiger, da Service Provider immer auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und Partnerschaften sind, mit deren Hilfe sie ihre Rechenzentren und Kapazitäten besser auslasten und monetarisieren können.

 

Darüber hinaus wird IP-Transformation zunehmen, da einige Service-Provider neuartige Techniken wie NFV und SDN testen, um Betriebskosten einzusparen und umsatzbringende neue Dienstleistungen schneller auf den Markt zu bringen. Der Preisverfall sowie die Ökonomisierung von IP-VPN-Services, bedingt durch den erhöhten Konkurrenzkampf unter der Cloud-Anbietern, wird dazu führen, dass Service-Provider, die sich auf Enterprise-IT-Dienstleistungen spezialisiert haben, aggressiver in den Cloud-Markt drängen werden. Service-Provider mit externen Cloud-basierten Service-Angeboten, die europäische IP-Adressen und Rechenzentren einsetzen, werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

 

Im Mobile-Bereich werden kreative Preisstrategien und Paketangebote sowie hohe standortunabhängige Bandbreite (LTE, Vectoring, WLAN oder Kombinationen davon) die Nachfrage weiter steigen lassen. Ein gesonderter Fokus wird dabei auf Datenschutz und Sicherheit liegen.

 

Breitbandinitiativen der deutschen Regierung wie zum Beispiel das Vectoring (als Brückentechnologie, bis sich private Glasfaseranschlüsse durchgesetzt haben) werden weitere Investitionen in ländlichen Gebieten hervorrufen. Die Konsolidierung von Rechenzentren mittels Virtualisierung wird zunehmen und andere Initiativen wie Heimvernetzung und Smart Grids werden weiter an Bedeutung gewinnen.

Alix Leconte, Area Vice President DACH von Juniper Networks. Bild: Juniper