Arthur D. Little-Berater kommentiert Telco-Business

Telekommunikationsanbieter: zu wenig Geschäft mit Diensten

13. Mai 2011, 11:20 Uhr   |  LANline/jos

Telekommunikationsanbieter in Europa sehen sich stagnierender oder gar sinkender Umsätze im klassischen Netzbetrieb gegenüber, denn Kunden zahlen für die Netzzugänge immer weniger. Gleichzeitig müssen die Telcos dennoch in neue Techniken investieren (zum Beispiel LTE-Ausbau).

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, haben die großen Anbieter wie DTAG, Vodafone, Telefonica und Orange schon vor zwei Jahren eine neue Marschrichtung ausgegeben: Wachsen mit Services – im Idealfall sogar mit „“vertikalen““ Diensten rund um Smart Grid, E-Health und Smart Vehicles. Ziel ist es, die Abhängigkeit vom Netzgeschäft zu minimieren. Seit ihren Ankündigungen ist es indes recht still geworden um die Telcos – in Deutschland ist etwa die erste Kampagne für die intelligente Vernetzung des Hauses nicht von einem Telekommunikationsunternehmen ausgegangen, sondern von RWE. Schaut man hinter die Kulissen, so erstrecken sich die meisten Angebote der Netzbetreiber wieder auf Tarife (Machine-to-Machine-Tarife) – als Service-Provider hat sich bisher noch kein Unternehmen positionieren können.

Warum tun sich die Unternehmen so schwer mit dem Aufbau von in andere Branchen greifende Services, die allen Marktanalysen nach stark wachsen?Ansgar Schlautmann, Berater bei Arthur D. Little, sieht dafür drei wesentliche Gründe:

1.  „Zum einen ist die Mentalität der Unternehmen immer noch stark auf das Kerngeschäft „Netze“ konzentriert. Services werden bisher primär nur zur Sicherung der Netzumsätze angeboten – darüber hinaus gehende Angebote sind derzeit nicht zu sehen. Dies erschwert die interne Umsetzung von Lösungen, die ihren Umsatz nicht primär durch die Konnektivität erzielen.

2. Vertikale Service-Angebote sind durch die in die Wertschöpfungskette integrierten vor- oder nachgelagerten Dienste in der Regel deutlich komplexer als das klassische Brot-und-Butter-Geschäft. Hier gilt es, ein Eco-System zu managen, das neben dem Netz und dem Kunden-Management auch Service-Partner, Hard- und Software-Management etc. beinhaltet. Hierbei muss jedoch auch der Netzbetreiber vor seiner eigenen Haustür kehren: Mobilfunknetze sind heute nicht dafür ausgelegt, kritische Anwendungen ausfallsicher zu machen – somit muss auch das Management des Netzes hinsichtlich der Quality of Service (QoS) zukünftig differenzierter angeboten werden – ein Potenzial, das die Telekommunikationsanbieter auch in ihrem Kerngeschäft bisher kaum ernsthaft angehen.

3. Alle noch so ambitionierten Vorgaben des Managements in puncto Umsatz sind im Gesamtgeschäft noch immer marginal. Betrachtet man zusätzlich die notwendigen Beteiligungen von Partnern, so wird klar, dass Telekommunikationsunternehmen sicher nicht ihr jetziges Geschäft durch Smart-Grid- und Connected-Vehicle-Lösungen ersetzen werden können.“

Dennoch müssen demnach die Telekommunikationsanbieter mittelfristig die Komplexität von vertikalen Services lösen, um nicht durch Drittanbieter immer mehr in die „“Bit-Pipe““-Rolle gedrückt zu werden. Dabei haben Telekommunikationsanbieter aufgrund ihrer Größe durchaus die Möglichkeit, den derzeit noch stark heterogenen Markt zu konsolidieren bzw. zu dominieren – allerdings nicht mehr lange: Google etwa bietet schon verschiedene Lösungen für E-Health und Smart Homes an – im Automobilbereich haben sich TSPs bereits etabliert. Ein ernst zu nehmendes Zeichen für die Vorstände von Telekommunikationsunternehmen!

LANline.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

LTE