Klimaschutz ist nicht erst seit den Fridays-for-Future-Protesten für viele in unserer Gesellschaft ein ernstes Thema. Schneider Electric hat Nachhaltigkeit auf seinem Innovation Summit 2019 in Barcelona verstärkt in den Fokus gerückt.

Unter dem Eindruck der Klimawoche in New York stellte Schneider-Electric-CEO Jean-Pascal Tricoire (siehe Bild oben) in seiner Keynote auf dem Innovation Summit 2019 in Barcelona vor über 2.500 Partnern Klimawandel und Klimaschutz in den Vordergrund. Dort haben sich laut Tricoire 78 große Unternehmen mit dem Ziel zusammengeschlossen, ihren CO₂-Abdruck um mehr als 50 Prozent zu verringern oder innerhalb der nächsten zehn Jahre klimaneutral zu sein. „Schneider hat das Commitment abgegeben, bis 2025 CO₂-neutral und bis 2030 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte wollen wir über unsere gesamte Lieferkette hinweg emissionsfrei sein“, bekräftigte er.

Beim Klimawandel handele es sich zum Großteil um Emissionen und bei den CO₂-Emissionen genauer gesagt lediglich um Energieineffizienz. Der Schneider-CEO sieht daher die Möglichkeit, den Emissionsausstoß durch eine Steigerung der Energieeffizienz zu verringern. „80 Prozent der Emissionen sind auf den Energieverbrauch zurückzuführen und davon sind 60 Prozent nicht effizient gesteuert“, sagte Tricoire in Barcelona.

So helfe die Digitalisierung etwa dabei, den Energieverbrauch zu senken. Laut Tricoire ist es möglich, 30 bis 50 Prozent des Verbrauchs bei jedem Gerät, das nach- oder umgerüstet wird, einzusparen. Dabei hob er in seiner Keynote auch die Bedeutung der Elektrizität als einzige mögliche klimaneutrale Energiequelle hervor. Derzeit mache die Elektrizität nur 20 Prozent des Energieverbrauchs der Welt aus. Dies werde in den nächsten 20 Jahren auf 40 Prozent ansteigen, prognostiziert der Schneider-Electric-CEO. „Safe, Electrify und Decarbonize (Verzicht auf fossile Energieträger, also Ausbau von Solar- und Windenergie, d.Red.) sind die Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, um unsere Klimaziele zu erfüllen“, betonte Tricoire.

In seiner Ansprache betonte der Schneider-CEO außerdem, dass Klimaschutz kein Wettbewerbsnachteil bedeute, eher das Gegenteil: „Die heutige Generation hat mittlerweile ein anderes Verständnis. Sie wollen nicht mehr für Unternehmen arbeiten, die nichts für die Umwelt tun.“ Dies sei vor allem unter dem Aspekt des Fachkräftemangels ein nicht zu unterschätzender Aspekt, um auch weiterhin als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben.

Daten, Daten, Daten

Gleichzeitig führt die Digitalisierung auch zu einem starken Anstieg der Zahl vernetzter Geräte, die zudem immer größere Mengen an Daten generieren, die wiederum in einem Datacenter, sei es zentral oder am Edge, gespeichert werden müssen. „Die Digitalisierung bedeutet Datennutzung“, erklärte Jens Roseneck, Vice President Power Systems DACH bei Schneider Electric. Dies lasse sich unter anderem an der wachsenden Zahl an Rechenzentren am Internet-Knotenpunkt in Frankfurt am Main ablesen, der die dortigen Energieversorger vor große Herausforderungen stellt. Schon jetzt hätten die Datacenter den Frankfurter Flughafen als Hauptkunde abgelöst. In Amsterdam musste man laut Schneider Electric sogar schon einige Datacenter-Projekte aufgrund von Strommangel aufschieben.

Der Elektronikkonzern rechnet damit, dass sich der Energiebedarf bis 2050 um über 50 Prozent erhöhen wird. Die größte Möglichkeit, die Energieeffizienz zu steigern, sieht der Hersteller vor allem in Gebäuden, wo er das ungenutzte Energieeffizienzpotenzial mit 82 Prozent beziffert, und in der Industrie (50 Prozent). Dies lässt sich nach Meinung des Konzerns vor allem durch eine intelligente Verwaltung und Steuerung und nicht mehr über die physische Infrastruktur abrufen. „Betrachtet man ein Gebäude über 30 Jahre, macht seine Errichtung 20 Prozent der Kosten aus. Die restlichen 80 Prozent sind Kosten für Energie und Instandhaltung. Wer also nur auf die 20 Prozent schaut, spart an der falschen Stelle“, erläuterte der Schneider-CEO. Stattdessen sei es aus Geschäftsgründen sinnvoller, den Energieverbrauch im Gebäude möglichst gering zu halten.

Das heißt, dass auch die Nutzung der Daten für eine intelligente Steuerung und Verwaltung immer wichtiger wird. Schneider Electric setzt dies mit seiner EcoStruxure-Plattform um, die in den Varianten Power, Building, IT, Machine, Plant und Grid das gesamte Portfolio des Elektronikkonzerns ummantelt. Die auf offenen Standards basierte Lösung besteht in der einfachsten Variante aus den drei Schichten Connected Products, Edge Control sowie Apps, Analytics und Services. Bei Edge Control handelt es sich um die Betriebsebene, damit der Anwender vor Ort auf der Maschine, in der Fabrik oder am Standort die Kontrolle behält. Darauf baut der Hersteller anschließend die dritte Schicht mit Apps, Analysen und weiteren Diensten auf.

Datacenter-Management aus der Cloud

EcoStruxure IT ist die Management-Software für das Datacenter-Portfolio, das Schneider Electric im Laufe des Jahres auch als DMaaS-Lösung (Datacenter-Management as a Service) als Cloud-Dienst bereitstellt. Das DCIM-System soll es ermöglichen, Hunderte von Rechenzentrumsstandorte von einer zentralen Stelle aus zu überwachen und zu verwalten (siehe auch lanl.in/30Ysv5c). Da EcoStruxure entweder als Software-Gateway oder als Hardwarelösung zum Einsatz kommt, lässt sich die Lösung je nach Bedarf schnell integrieren.

Anschließend nutzt Schneider Electric die anonymisierten Telemetriedaten der RZ-Umgebungen, um mittels künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens Anomalien, Fehlkonfigurationen oder eben auch Energie-Einsparpotenziale zu entdecken. „Ich rechne damit, dass sich durch den Vergleich der unterschiedlichen RZ-Standorte noch ein enormes Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz ausschöpfen lässt“, betonte Arres. Dies könne etwa eine durch die Datenanalyse weiter optimierte Kühlung im RZ sein.

Gehostet wird die Cloud-Lösung auf Microsofts Azure-Plattform. Es sei jedoch auch möglich, den Service in einer Private Cloud zu betreiben, sodass er nur die Daten der eigenen verwalteten Rechenzentren analysiert. Laut Arres ist es für die Lösung jedoch optimal, wenn der Datensatz, der den Algorithmen zur Verfügung steht, möglichst groß ist.

Egde-System an der Wand

Die neue Mikro-RZ-Lösung bietet Platz für Einschübe auf sechs Höheneinheiten und lässt sich an der Wand montieren. Bild: LANline

Mit seinem Portfolio sieht sich Schneider Electric gut für den RZ-Boom ausgestattet. „Ich gehe davon aus, dass die Hybrid Cloud immer weiter Verbreitung findet“, berichtete Michel Arres, Vice President Secure Power DACH und Benelux bei Schneider Electric, im Gespräch mit LANline. Unter Hybrid Cloud versteht Arres den Ausbau von großen Rechenzentren sowie von Edge-Datacentern oder speziellen Anwendungsfällen, wo man zum Teil nur einen Server für eine bestimmte Applikation betreibt.

Mit der Micro Data Center C-Serie 6U hat der Hersteller in Barcelona eine solche Mikro-RZ-Lösung mit sechs Höheneinheiten vorgestellt. Die Lösung ist in einem flachen Schrank untergebracht, der sich an der Wand montieren lässt, etwa in Umgebungen, in denen sonst kein Platz für einen Edge-Server wäre. Dank der integrierten Staubfilter und der Ventilatorbelüftung soll sich das System auch in Industrieumgebungen einsetzen lassen. Bei einem späteren Ausbau der Edge-Infrastruktur ist es laut Hersteller auf diese Weise möglich, mehrere Systeme zu koppeln.

Schneider Electric geht davon aus, dass solche Micro-Edge-Systeme immer weitere Verwendung finden werden, da immer mehr Bereiche eine Datenverarbeitung nahe der Datenquelle benötigen, die sich außerdem schnell installieren und einfach verwalten lässt, etwa im Handel, in Schulen, Arztpraxen etc.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.