Praxistest: Be IP Plus von Bintec Elmeg

IP für alle Fälle

28. Juni 2016, 06:00 Uhr   |  Thomas Bär und Frank-Michael Schlede/pf

IP für alle Fälle

Dass die ISDN-Technik angezählt ist, dürfte in der Zwischenzeit allgemein bekannt sein. Doch nach wie vor haben viele kleine und mittelgroße Betriebe ISDN-TK-Anlagen im Einsatz und stehen vor der Frage, wie sie eine möglichst sanfte Migration auf "All-IP" schaffen. Hersteller Bintec Elemeg bietet seine Lösung "Be IP Plus" als Antwort auf (nicht nur) diese Frage an.

Mit der Ankündigung der Telekom, bis 2018 alle analogen Festnetz- ebenso wie die ISDN-Anschlüsse auf die neuere VoIP-Technik umzustellen, neigen sich die Zeiten des "alten Telefons" endgültig dem Ende zu. Während viele Endverbraucher daheim schon lange - manchmal sogar ohne dass es ihnen bewusst ist - über eine IP-basierende Telefonleitung mit der Welt kommunizieren, stellen gerade in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen noch analoge und ISDN-Telefonanlagen die Verbindung zur restlichen Welt her. Wer sich etwas umschaut, wird auch Konfigurationen finden, in denen zwar der Internet-Zugang bereits über einen DSL-Router und eine entsprechende Leitung realisiert ist, aber Telefon, Fax und andere spezielle Endgeräte wie Haus- oder Aufzugnotruf, Alarmanlagen und EC-Cash-Terminals nach wie vor über das klassische Festnetz laufen.
 
Router, WLAN und TK-Anlage
Bintec Elmeg ist schon lang im Bereich der Kommunikationslösungen aktiv und kann auf entsprechende Erfahrung aus den ISDN-Zeiten zurückblicken. Heute hat er sich ganz besonders auch dem Thema All-IP verschrieben und bietet unterschiedliche Lösungen für diese Technik an. Uns stand für diesen Test ein aktuelles Modell der Lösung "Be IP Plus" zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Telefonanlage und einem WLAN-Router mit integriertem VDSL2-/ADSL2+-Modem, das zudem Vectoring unterstützt. Der TK-Anlage stehen vier Ports für analoge Telefone und zwei interne Schnittstellen für ISDN-Geräte zur Verfügung. Diese ist für bis zu 20 Nutzer ausgelegt, lässt sich aber laut Hersteller auf bis zu 40 Anwender erweitern. Das Gerät ist mit einer Stateful Inspection Firewall (SIF) ausgestattet, die es dem Administrator erlaubt, dynamische Paketfilterung einzusetzen. Der integrierte WLAN-Controller lässt sich für die Verwaltung von bis zu drei zusätzlichen Access Points desselben Herstellers einsetzen und unterstützt dabei auch VLANs und virtuelle Funknetze (Multi-SSIDs).
 
All-IP-Anschluss: Inbetriebnahme und Konfiguration
Das Gerät kommt zusammen mit einem externen Netzteil, zwei Antennen für das WLAN, die der Nutzer vor Inbetriebnahme anschrauben muss, diversen Kabeln und Telefonadaptern sowie einem Faltblatt mit einer Kurzanleitung in deutscher und englischer Sprache. Auch Montagewinkel und Schrauben für die Wandbefestigung gehören zum Lieferumfang. Ein Benutzerhandbuch können sich die Anwender im PDF-Format von der Website des Herstellers herunterladen. Leider fanden wir zum Testzeitpunkt im Mai 2016 im Download-Bereich nur ein Benutzerhandbuch, das auf den August 2015 datiert war. Darin sind zwar alle Konfigurationsschritte gut und relativ ausführlich beschrieben, aber die abbildeten Screenshots zeigen alle noch die etwas ältere Version der Web-Oberfläche, sodass es manchmal etwas anstrengend ist, die richtigen Einstellungen zu finden.
Insgesamt stellt dies aber kein großes Problem dar, da die aktuelle responsive Oberfläche sehr übersichtlich und nüchtern gestaltet ist. Erfahrene System- und Netzwerkverwalter werden sich dort sicher schnell zurechtfinden. Das Faltblatt mit der Kurzanleitung zeigt das Gerät samt seinen vielen Anschlüssen und bezieht sich auf das sogenannte Schnellstartmenü, das den Nutzer mittels Assistent durch die Ersteinrichtung führt.
Das Be IP Pro besitzt in der Werkseinstellung die feste IP-Adresse 192.168.0.251, über die der Administrator auf die Web-Oberfläche des Geräts zugreifen kann. Das WLAN ist sofort aktiv, sobald der Router mit dem Stromnetz verbunden ist, es ist jedoch standardmäßig mit einem Passwort geschützt, sodass kein unberechtigter Zugriff erfolgen kann. Bei der ersten Verbindung mit dem Gerät wird der Nutzer dazu aufgefordert, ein Admin-Passwort neu zu vergeben. Danach führt ihn ein Assistent durch die Einrichtung der verschiedenen Funktionen. Dazu ist zunächst die Verbindung zum Provider zu konfigurieren. Wer die Deutsche Telekom oder Vodafone einsetzt, kann weiterhin mit dem Assistenten arbeiten - andere Provider sind "von Hand" zu konfigurieren.
Dabei ist es für den Anwender möglich, die Ansicht der Menüs von der Option "Schnellstart" auf "Standard" oder gar "Vollzugriff" umzustellen. Bei Letzterem kann es aber für wenig erfahrene Administratoren schwer werden, die entsprechenden vielfältigen Einstellungen richtig zu wählen. Wir hatten in unserem Testlabor einen All-IP-Anschluss des Providers 1&1, der sich schnell und leicht einrichten ließ. Danach geht der Assistent sofort weiter zur Konfiguration des WLANs und anschließend zur Einrichtung der Telefonanschlüsse. Dies ist sicher sinnvoll - uns hat es jedoch etwas gestört, dass dem Nutzer keine Auswahlmöglichkeit "überspringen" zur Verfügung steht, wenn er beispielsweise die Telefone aktuell noch nicht installieren und konfigurieren will. Das Ganze stellt sicher kein großes Problem dar, da der Administrator jederzeit die Möglichkeit hat, den Assistenten zu verlassen und die jeweilige Konfiguration ohne ihn gezielt vorzunehmen - wir halten eine "Überspringen-Funktion" für Einsteiger allerdings für praktischer.
Abschließend lassen sich noch die Endgeräte wie beispielsweise analoge oder ISDN-Telefone konfigurieren. Unser Testszenario sah vor, dass ein bislang an einer Fritzbox betriebenes analoges Telefon nun über die Bintec-Elmeg-Anlage mit dem SIP-Server des Providers verbunden werden sollte. Leider waren die Informationen, die unser Provider zur korrekten Konfiguration solcher Zugriffe gab, nicht nur schwer zu finden, sondern teilweise auch unvollständig, sodass sich dieser Teil der Installation etwas länger hinzog. Als hilfreich erwies es sich dabei, dass die Be IP Plus Parameter wie den Port für den STUN-Server (Session Traversal Utilities for NAT), der die Kommunikation hinter NAT überhaupt erst ermöglicht, mit korrekten Standardwerten vorbelegt. Dennoch zeigte dieses Beispiel, dass die Konfiguration der entsprechenden Endgeräte komplexer sein kann als gedacht.
Die WLAN-Konfiguration ist ebenfalls sehr übersichtlich gestaltet und lässt sich grundsätzlich mithilfe des Assistenten einrichten. Wer VLANs auf dem Access Point einrichten oder über den integrierten WLAN-Controller andere Bintec-Access-Points zentral steuern will - ein Vorteil dieses Geräts -, sollte dazu auf die Standard- oder vollständige Ansicht der Menüs und Einstellungen wechseln, um so alle Möglichkeiten zur Verfügung zu haben. IPv6 unterstützt der Router ebenfalls, wenn der Provider die entsprechenden Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Bei unseren Testgerät war IPv6 standardmäßig einschaltet - Administratoren, deren Provider diese Technik noch nicht anbietet, oder die sie noch nicht nutzen wollen, sollten die entsprechende Einstellungen also abschalten. Das WLAN arbeitet sowohl im 2,4- als auch im 5-GHz-Band und unterstützt über den 802.11n-Standard theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 300 MBit/s. Die beiden Antennen erwiesen sich in unserer Testumgebung als leistungsfähig, und wir konnten mit allen mobilen Endgeräten (Android-Telefone und -Tablets sowie Windows-Notebooks) gute und stabile Verbindungen zum Access Point aufbauen.
 
Gelungene Kombination
Die All-IP-Anlage Be IP Plus von Bintec-Elmeg hat sich während der zweiwöchigen Testphase als gute Kommunikationslösung erwiesen, die leicht in ein bestehendes Netz integrierbar ist und dieses sinnvoll um viele Funktionen ergänzt. Die Auswahlmöglichkeiten und Features bei der Konfiguration des Geräts sind dabei so zahlreich und weitreichend, dass wir sie im Rahmen dieses Beitrags nur anreißen konnten.
Die Software auf dem Testgerät trug zwar die Bezeichnung "Beta 23", der Hersteller hat uns jedoch versichert, dass es sich dabei um den fertigen Release Candidate der Version 10.1 handle. So zeigten sich weder bei der Soft- noch bei der Hardware irgendwelche Probleme. Die Benutzeroberfläche mit ihren Assistenten erscheint sehr gelungen und trägt mir ihrer Übersichtlichkeit und Klarheit ohne Zweifel dazu bei, dass auch weniger erfahrende Administratoren damit zurechtkommen. Wer sich allerdings mit der Einstellung "Vollzugriff" in die Tiefen der Konfiguration wagt, sollte schon genügend Netzwerkwissen mitbringen, denn die Vielfalt der Konfigurationsmöglichkeiten, die das Gerät dort anzubieten hat, kann Einsteiger schnell überfordern. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Be IP Plus so viele unterschiedliche Techniken und Endgeräte unterstützt.
Uns hat an der Lösung vor allem sehr gut gefallen, dass sich diese trotz des komplexen Themas und der vielen Möglichkeiten so rasch in Betrieb nehmen ließ. Schade fanden wir es jedoch, dass der Hersteller bei solch einem modernen Gerät kein WLAN-Modul nach dem neuen 802.11ac-Standard eingebaut hat, sondern nur auf die 802.11n-Technik im 2,4- und 5-GHz-Bereich setzt.
Insgesamt stellte sich die Be IP Plus als Gerät dar, das durch seine Anschlussvielfalt und die Möglichkeit, es als Media Gateway für bestehende ISDN-TK-Anlagen zu nutzen, besonders für kleine und mittelgroße Unternehmen den Übergang von ISDN zu All-IP deutlich erleichtern kann. Allerdings würden wir gerade solchen Unternehmen raten, entsprechendes IT-Know-how beispielsweise von einem Systemhaus einzuholen, um ein derartiges Projekt mit all seiner Komplexität gut über die Bühne zu bringen. Der Hersteller gibt für das Gerät einen Preis von 299 Euro an.
Der Autor auf LANline.de: BÄR
Der Autor auf LANline.de: Frank-Michael Schlede
Info: Bintec ElmegTel.: 0911/9673-0Web: www.bintec-elmeg.com

Assistenten führen den Nutzer durch die Einrichtung: Dies gilt allerdings nur, wenn er bestimmte Provider für seinen Anschluss nutzt. Andere Zugänge muss der Administrator manuell konfigurieren.
Der konfigurierte SIP-Anschluss: Wenn der Provider keine präzisen Angaben zur Verbindung mit seinem SIP-Server macht, kann die Konfiguration etwas länger dauern, lässt sich aber mit der Be IP Plus bewältigen.
Viele Schnittstellen für fast alle Anschlussmöglichkeiten: Die Be IP Plus vereinigt Router, VSDL-Modem und TK-Anlage sowie WLAN in einem Gehäuse. Bild: Bintec Elmeg

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