Balance zwischen Design und Normenkonformität

Usability Engineering in der Medizintechnik

21. Mai 2021, 12:30 Uhr   |  Jörg Schröper

Usability Engineering in der Medizintechnik
© Custom Medical

Dr. Michaela Kauer-Franz, Gründerin und Geschäftsführerin von Custom Medical.

Wenn es um Medizinprodukte geht, gehört das Thema Benutzerfreundlichkeit nicht unbedingt zu den Begriffen, die der Laie damit assoziiert. Dass hinter der Entwicklung medizinischer Produkte ein ausgedehnter Prozess an Testverfahren steht, bis sie überhaupt eine Zulassung für den Markt erhalten, spielt dabei nur im Hinterkopf mit. Allerdings bildet der Zulassungsprozess selbst nur das Ende einer langwierigen Konstruktionsphase.

„Zu Beginn zählt vielmehr die Frage: Wie muss ein Medizinprodukt überhaupt gestaltet sein, damit es eine auf den Nutzer abgestimmte Anwendung gewährleistet? Denn was bringt schließlich eine Innovation, wenn sie nur eine geringe Benutzerfreundlichkeit aufweist?“, klärt Dr. Michaela Kauer-Franz, Gründerin und Geschäftsführerin von Custom Medical, auf.

An dieser Stelle komme das sogenannte Usability Engineering ins Spiel, das sich bei der Entwicklung von Medizinprodukten ganz auf ihre Nutzer konzentriert und deren Voraussetzungen und Bedürfnisse in das Zentrum des gesamten Schaffungsprozesses stellt.

Ursprünglich im Bereich der Software-Ergonomie angesiedelt, hat sich Usability Engineering seit den Anfängen in den 1980er-Jahren mittlerweile zu einem etablierten Gebiet entwickelt. Beginnend mit den Fragen nach den Voraussetzungen und Bedürfnissen des Anwenders dreht sich die gesamte Produktentwicklung um ihn und seine Bedürfnisse: Welche Fähigkeiten weist der Nutzer auf? Welche Aufgaben muss das Produkt erfüllen? Und welchen Ansprüchen muss es genügen? „Aufbauend auf diesen Fragen entsteht ein Benutzerprofil, das gewissermaßen als Leitbild für den Entwurf fungiert“, erläutert Dr. Kauer-Franz. Das Resultat müsse nicht nur den Ansprüchen der Nutzer entsprechen, sondern zugleich auch auf eine intuitive Anwendung abgestimmt sein. „Unterm Strich zählt, dass das Produkt in seiner Handhabe begeistert, denn das macht gute Usability schließlich aus“, betont die Expertin für Usability Engineering und Testing.Ob Soft- oder Hardware – die eigentliche Herausforderung bei der Entwicklung von Medizintechnik liege darin, ein Produkt zu schaffen, das Menschen in gesundheitlichen Angelegenheiten Unterstützung leisten soll. Aus diesem Grund erfährt der Faktor Bedienbarkeit dort einen höheren Stellenwert als bei anderen Produkten, da gerade im medizinischen Bereich letztlich der Aspekt der Sicherheit bei der Anwendung eine wesentliche Rolle einnimmt.
 
 

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2. Von Gesetzen über Normen bis zu Richtlinien

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