Interview mit Stefan van Randenborgh von A1 Digital

Von der Theorie in die Praxis

26. März 2020, 07:00 Uhr   |  Timo Scheibe

Von der Theorie in die Praxis

Die A1-Telekom-Tochter A1 Digital will den deutschen Mittelstand bei der digitalen Transformation unterstützen. Besonders im IoT-Umfeld sieht der IT-Dienstleister dabei seine Stärken. LANline sprach mit Stefan van Randenborgh, Director Partnering & Indirect Channel bei A1 Digital, über Chancen, Ängste und Stolpersteine bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.

LANline: A1 Digital ist ein 2017 gegründetes Tochterunternehmen der A1 Telekom Austria Group. Was genau sind Ihre Geschäftsfelder und Ziele?

Stefan van Randenborgh: A1 Digital berät Unternehmen bei Fragen der digitalen Transformation und begleitet sie bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsbereiche. Das mit Unterstützung von Partnern vertriebene Portfolio erstreckt sich dabei von der hauseigenen Cloudplattform Exoscale über innovative IoT-Gesamtlösungen bis hin zu Security-Produkten. In dieser Vielfalt sind wir einer der wenigen Digitalisierungsspezialisten, der ein strategisches Rundum-Paket anbietet, das auch den Aspekt Sicherheit immer mit einbezieht. Unser Ziel ist es, mit skalierbaren Services besonders den deutschen Mittelstand bei ihrer digitalen Transformation zu beraten und zu unterstützen.

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Stefan van Randenborgh ist Director Partnering & Indirect Channel bei A1 Digital. Bild: A1 Digital

LANline: Ihr Unternehmen ist auch am deutschen Markt aktiv, wie beurteilen Sie hier die Aufgeschlossenheit deutscher Unternehmen gegenüber Ihren Themenschwerpunkten IoT und Cloud?

Stefan van Randenborgh: Die Mehrzahl der deutschen Unternehmen ist sich bewusst, dass die Bedeutung von IoT und Cloud für eine erfolgreiche digitale Transformation beständig wächst. Vielen Unternehmen, vor allem im deutschen Mittelstand, fehlt allerdings eine klare Strategie sowie technische Kenntnisse, um von diesem Trend profitieren zu können - sprich aus der Theorie in die Praxis zu gelangen, ist oft ein Stolperstein. Auch das Thema Kosten darf man nicht außer Acht lassen, denn dies ist ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidungsfindung.

LANline: Wie läuft bei Ihnen in der Regel ein IoT-Projekt bei einem Kunden ab?

Stefan van Randenborgh: Wir reden mit dem Kunden, zum Beispiel indem wir Workshops durchführen, um mit ihm gemeinsam herauszufinden, welche seiner Probleme oder Herausforderungen sich durch IoT lösen lassen, welche Prozesse sich durch Digitalisierung verbessern oder vereinfachen lassen oder welche neuen Geschäftsmodelle der Kunde mit der Hilfe von Technologie umsetzen kann. Dann setzen wir unsere Architekten und Ingenieure darauf an, die Idee technisch umzusetzen und dem Kunden schnell und unkompliziert einen Prototypen und in der Folge eine fertige Lösung zu präsentieren.

LANline: Können Sie bei diesem Prozess Vorteile daraus ziehen, dass Sie Teil der A1 Telekom Austria Group sind?

Stefan van Randenborgh: Als Teil der A1 Telekom Austria Group bringen wir eine ganz wesentliche Fähigkeit des Konzerns mit, die man für jede Ende-zu-Ende-IoT-Lösung braucht und auch der Nukleus jeder Lösung ist: die Fähigkeit, alle von IoT-Geräten erzeugten Daten über Mobilfunk oder Festnetzverbindungen dorthin zu transportieren, wo sie ausgewertet werden. Darüber hinaus gibt uns die Nähe zu den Kunden in den verschiedenen Ländern der A1 Telekom Austria Group natürlich auch einen guten Einblick, welche IoT-, Cloud- oder Security-Produkte im Markt gebraucht werden.

LANline: Können Sie einen typischen Anwendungsfall für ein IoT-Szenario beschreiben? Wie läuft das ab?

Stefan van Randenborgh: Ein typischer Anwendungsfall eines IoT-Projekts ist beispielsweise das Projekt zusammen mit der Rail Cargo Group (ÖBB) - bis Ende 2020 sollen 13.700 RCA-Waggons mit einer intelligenten Telematiklösung ausgerüstet werden, die während des gesamten Gütertransports umfassende Informationen und die genauen GPS-Koordinaten der Güterwaggons bereitstellt.

Unsere End-to-End-IoT-Lösung ermöglicht Rail Cargo Austria, europaweit mittels Tracking und Tracing Informationen über die Position und Bewegung seiner Waggons zu sammeln. Im Rahmen erster Tests haben wir zuerst rund 300 Wagen mit energieautarken SmartCargo-Geräten ausgerüstet, die über eine Bewegungssensorik zur Positionsbestimmung und einen 3D-Beschleunigungssenor zur Stoßerkennung verfügen. Die robusten Geräte liefern während des gesamten Gütertransports in vordefinierten Intervallen die genauen GPS-Koordinaten der Güterwaggons. Über ein frei definierbares Geofencing lässt sich überwachen, wann ein Waggon beispielsweise Landesgrenzen überschreitet oder einen Bahnhof verlässt.

LANline: Wie stellen Sie sicher, dass die Lösung die Daten auch über Landesgrenzen hinweg übermittelt?

Stefan van Randenborgh: Die Telematikgeräte sind mit M2M-SIM-Karten (Machine-to-Machine, d.Red) von A1 Digital ausgestattet, die durch ihr weltweites Roaming eine grenzüberschreitende Informationsübermittlung und immer das bestmögliche Netz garantieren. Eine von uns bereitgestellte SIM-Management-Plattform verwaltet die SIM-Karten. Die vordefinierten Informationen senden die Geräte über das Mobilfunknetz an eine von uns entwickelte IoT-Plattform, die sie entsprechend visuell aufbereitet und verarbeitet.

LANline: Wo findet diese Aufbereitung der Daten statt?

Stefan van Randenborgh: Die IoT-Lösung setzt auf die Cloud-Hosting-Plattform Exoscale von A1 Digital auf und bietet umfangreiche Konfigurations- und Auswertungsmöglichkeiten in Form verschiedener Reports mit aggregierten Informationen und Analysen.

Darüber hinaus lassen sich auch Grenzwerte, die einen Alarm auslösen, über die IoT-Plattform einstellen, überwachen und managen. Die SmartCargo-Geräte, die wir bereits an den Waggons montiert haben, bieten unter anderem volle Transparenz darüber, wo sich die Güterwagen und damit die Waren der RCA-Kunden zu jedem Zeitpunkt befinden. Bis Dezember 2019 haben wir bereits die Hälfte der Flotte der 13.700 Waggons mit den Geräten ausgestattet.

LANline: Der Erfolg eines solchen IoT-Projekts steht und fällt mit den erhobenen Daten und deren Auswertung. Wo können hier mögliche Fallstricke liegen?

Stefan van Randenborgh: Zu allererst ist es wichtig, eine Strategie zu haben, was genau man auswerten will und wie diese Auswertungen zum Unternehmens- oder auch Projekterfolg beitragen. Sehr oft fokussieren sich Unternehmen mehr auf die Erhebung möglichst vieler Daten als auf den möglichen strategischen Einfluss der Daten auf das Geschäft oder Vorhaben. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Erhebung der Daten ist, weitere zusätzlich relevante Daten neben dem IoT-Projekt zu erheben und im Sinne einer erfolgreichen Strategie mit den IoT-Daten zu kombinieren. Ist das alles geschafft, hat man schon sehr viel erreicht.

Nun gilt es, die Stärke der Daten zu nutzen, um mit Machine Learning und AI in der Zukunft relevante Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu verbessern beziehungsweise auch Prozesse zu optimieren, wie beispielsweise bei Predictive Maintenance. A1 Digital unterstützt diese Vorhaben bereits strategisch von Beginn an und sorgt zusätzlich mit seinen Lösungen und Data Scientists damit Daten maximal zum Projekt- und/oder Unternehmenserfolg beitragen.

LANline: Wie bewerten denn die deutschen mittleren und kleinen Unternehmen, mit denen Sie sprechen, das - für ein IoT-Projekt ebenso wichtige - Thema Cloud? Sind diese immer noch so skeptisch, wie es immer heißt?

Stefan van Randenborgh: Laut des Cloud-Monitors 2019 von KPMG und Bitkom sind über die Hälfte der Unternehmen der Meinung, dass die Cloud ein treibender Motor der Digitalisierung im gesamten Unternehmen ist. Besondere Wichtigkeit wird der Cloud bezüglich der Digitalisierung interner Prozesse zugesagt. In persönlichen Gesprächen mit KMU können wir diese Studienergebnisse nur bestätigen.

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die zu uns kommen, sind sich der Wichtigkeit der Cloud bewusst und suchen daher Experten, die ihnen die Unsicherheiten nehmen und sie individuell sowie lokal unterstützen können. Es existiert aber auch eine große Skepsis bei deutschen Kunden, den großen amerikanischen Cloudanbietern ihre Daten zu überlassen.

LANline: Was tun Sie, um diese Ängste beziehungsweise Unsicherheiten zu nehmen?

Stefan van Randenborgh: Wir betreuen unsere Kunden sehr persönlich. Unsere Cloudarchitekten begleiten beispielsweise unsere Kunden und Partner dabei, Work­loads in die Cloud zu bringen oder Software so zu optimieren, sodass sie die Vorteile der Cloud auch nutzen können. Darüber hinaus bieten wir regelmäßig Trainings und Seminare für unsere Kunden und Partner an. Hier können sie ihre Kenntnisse bezüglich Digitalisierung, beispielsweise zum Thema Cloud und Datensicherheit, erhöhen.

LANline: Wie schätzen Sie ihre Chancen ein, sich als Alternative zu den US-amerikanischen Hyperscalern am Cloudmarkt behaupten zu können?

Stefan van Randenborgh: Tatsächlich sehe ich gute Chancen für uns. Wie der bereits erwähnte Cloud-Monitor 2019 belegt, bleibt die Konformität mit der DSGVO ein Top-Auswahlkriterium auf der Suche nach einem Cloud-Provider - für 90 Prozent der Unternehmen ist das ein Must-have.

Die A1 Digital Cloud Exoscale mit ihren Datenzentren in Europa - Schweiz, Österreich, Deutschland und Bulgarien - ist zu 100 Prozent DSGVO-konform und unterliegt auch nicht dem Cloud Act, da unser Firmensitz europäisch ist. Des Weiteren sind die für Exoscale verwendeten Datencenter-Zonen alle auf eine hohe Verfügbarkeit ausgelegt und bieten ideale Bedingungen für Open-Source-Anwendungen sowie den Einsatz von Docker, Rancher und Kubernetes. Auch garantieren die soliden, verlässlichen Infrastrukturkomponenten maximale Skalierbarkeit und stehen den internationalen Lösungen in Sachen Zuverlässigkeit und Rechenleistung in nichts nach. Gleiches gilt im Übrigen für die Größe der Kunden, denn hierzulande mussten wir bisher noch kein Projekt größenbedingt ablehnen.

Als Referenz können wir beispielsweise die europäische Kernforschungsorganisation CERN in Genf nennen. Sie nutzt die Exoscale Cloud für ihr Projekt Cosmics Leaving Outdoor Droplets (Cloud). Wir steuern mit Exoscale 10.000 CPU Cores bei und Speicherplatz für 1 PByte an wissenschaftlichen Rohdaten. Exoscale ist auch Teil der Initiative Helix Nebula Science Cloud (HNSciCloud), die die Versorgung europäischer Forschungseinrichtungen mit hybriden Cloud-Services organisiert. Die Initiative führte im April 2018 zur Gründung der European Open Science Cloud (EOSC) mit 1,7 Millionen Wissenschaftlern und mehr als 70 Millionen Beschäftigten in Wissenschaft und Technologie in Europa.

LANline: Seit Kurzem ist ja auch das Thema Security als Produktfeld bei A1 Digital hinzugekommen. Was genau bieten Sie hier an?

Stefan van Randenborgh: Eine der Lösungen ist das intern entwickelte Offensity. Diese White-Hat-Hacker-Software erkennt automatisch Sicherheitslücken, indem sie die Methoden von Hackern gegen das eigene System einsetzt. Die Schwachstellen werden laufend identifiziert, präzise gemeldet und passende Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Auch bietet A1 Digital individuelle Enterprise-Security-Architecture-Lösungen, Security Assessment, Penetration-Tests, Identity-and-Access-Management as a Service über das cloudbasierte Zugriffs-Management von Gemalto/Thales, Cloud-Security über die Cloud-Plattform Exoscale und über unser eigenes Security Operations Center an.

LANline: Was für Kunden wollen Sie mit ihren Security-Lösungen ansprechen?

Stefan van Randenborgh: Wir spezialisieren uns mit unseren Security-Lösungen besonders auf kleine und mittelständische Unternehmen, wobei sich die Sicherheitslösungen auch für große Unternehmen eignen. Besonders KMU müssen die Hauptaufmerksamkeit oft ganz auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und haben begrenzte Ressourcen für die IT-Sicherheit. Sei es nun bezogen auf das Budget oder die Manpower. Wir begleiten Unternehmen dabei von der Risikoanalyse über die Architekturentwicklung und den Proof of Concept, bis hin zum Go live - inklusive Security-Experten sowie neuester Technologien im Bereich Cloud- und IoT-Security.

LANline: Was denken Sie, wie sich die IoT-Durchdringung in deutschen Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln wird?

Stefan van Randenborgh: Die Einsatzgebiete des IoT sind breit gestreut in unterschiedlichen Bereichen und zeigen in Unternehmen viele Gesichter. Künftige IoT-Projekte sollen besonders bei der Qualitätskontrolle, Industrie 4.0 und Smart Connected Products liegen, wie eine gemeinsame Studie mit IDG Research zeigt. Laut der Studie steigt die Relevanz des IoT langsam, jedoch stetig an.

LANline: Herr van Randenborgh, vielen Dank für das Gespräch.

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