Die anwendungsneutrale und strukturierte Verkabelung hat (wie übrigens auch die LANline) im Jahr 2018 ihren 30. Geburtstag gefeiert. Die Norm EN 50173 ist eng mit der Verkabelungsstruktur verbunden und soeben in einer neuen Version erschienen. Außerdem dient sie derzeit als Grundlage für die Überarbeitung des internationalen Pendants ISO/IEC 11801. Unter anderem um die Themen Normierung und LWL-Upgrade ging es beim LANline Tech Forum zur Verkabelung und RZ-Technik Anfang November in Wien.

Mit der Abschlussveranstaltung in Wien hatte die Reihe der Tech Foren zur Verkabelung und RZ-Technik Anfang November ihr Jahresfinale. In die österreichische Metropole kamen auch 2018 wieder deutlich mehr als 100 Teilnehmer zum Tech Forum – und besonders auffallend war in Wien, aber durchaus auch an den weiteren Veranstaltungsorten, dass sich das Durchschnittsalter der interessierten „Verkabler“ im Vergleich zu den Vorjahren signifikant nach unten bewegt. Bei den Infrastrukturexperten deutet sich damit wohl ein Generationenwechsel an, eine Tatsache, die auch die „alten Hasen“ der Branche gleichermaßen wohlwollend wie erleichtert aufnehmen.

Optimal dazu passend nutzte Manfred Patzke, freier Sachverständiger aus München und langjähriger Normierungsexperte, in seiner Keynote die Vorstellung der neuen Version der „Verkabelungsbibel“ EN 50173 für eine ausführliche Rückschau auf die Historie dieser Norm und die eng damit verbundene 30jährige Geschichte der „strukturierten und anwendungsneutralen“ Verkabelung. Für die Einordnung mancher Aspekte innerhalb der EN 50173 ist eine solche Betrachtung sicher enorm hilfreich, gilt diese Norm im Infrastrukturumfeld doch als Erfolgsstory schlechthin. Dies manifestiert sich unter anderem auch darin, dass die beteiligten Gremien derzeit auch das internationale Pendant ISO/IEC 11801 der Struktur der EN 50173 angleichen.

Ein weiteres wichtiges Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle diesjährigen Tech Foren zieht und auch für 2019 oben auch der Agenda steht, sind die Rollen von Parallel-Optik und Wellenlängen-Multiplexing über OM5-Fasern bei einem LWL-Geschwindigkeits-Upgrade im RZ. Die gute Nachricht: Nahezu glaubenskriegsartige Auseinandersetzungen wie seinerzeit bei der Diskussion über geschirmte vs. ungeschirmte Kupferverkabelung gibt es zum Glück nicht – unter anderem auch deshalb, weil viele Hersteller sowohl die Multi-Faser- wie auch die Multi-Farben-Lösung anbieten. Es gibt jedoch auch eine schlechte Nachricht, denn die einfache Antwort auf die Frage, was sich denn besser eigne, lautet: Es kommt darauf an! Planern und Betreibern bleibt folglich nichts anders übrig, als im konkreten Fall den individuellen Bedarf genau zu untersuchen und auch Parameter wie erwartete Betriebsdauer, Platzressourcen oder vorhandenes Know-how beim Personal einzubeziehen. Schlussendlich entscheiden jedoch meist die Kosten – aber auch dort ist eine Nutzungszeitanalyse wichtig, denn es geht nicht allein um Anschaffung und Installation.

Für die Verkabelung im LAN und im Datacenter interessieren sich vermehrt auch wieder junge Experten, wie der Altersdurchschnitt beim Tech Forum der LANline in Wien belegen konnte. Bild: WEKA Fachmedien

Zum vielfach genannten Argument „alles zu kompliziert, ich setze gleich auf Singlemode“ existiert innerhalb der Branche im Übrigen ebenfalls keine Universalmeinung. Die Wirtschaftlichkeit solcher Lösungen hängt in erster Linie am Transceiver-Preis, denn Fasern und damit Kabel sind ohnehin eher günstiger. Darüber, wie sich der Markt der aktiven Komponenten weiter entwickelt, herrscht unter den Experten allerdings keine Einigkeit, wie unter anderem auch die Beiträge im Schwerpunkt dieser Ausgabe ab Seite 46 belegen.

Wer in absehbarer Zeit mit solchen Problemstellungen konfrontiert ist – und zwar gleichgültig, ob alter Hase oder Neuling –, dem sei dringend die Teilnahme an einem der LANline Tech Foren des Jahres 2019 empfohlen. Ohne einschlägiges und möglichst herstellerneutrales Wissen besteht die durchaus reale Gefahr, einen nicht optimal passenden Weg einzuschlagen und damit eine Richtungsentscheidung zu fällen, die nur mit erheblichem Aufwand zu korrigieren ist. In puncto objektiver Information liegt das LANline Tech Forum nach Aussagen der Teilnehmer jedenfalls ganz weit vorn. Der Kalender für die Events im kommenden Jahr steht bereits fest.