GSMA: Unzumutbare Bedingungen bei der Frequenzlizenzvergabe sind Gift für Investitionen in 5G-Mobilfunknetze

5G-Ausbau: Technik vs. Wirtschaftlichkeit vs. Lobbyarbeit

28. November 2018, 13:30 Uhr   |  Von Dr. Jörg Schröper.

5G-Ausbau: Technik vs. Wirtschaftlichkeit vs. Lobbyarbeit

Die GSMA (GSM Association) befürchtet, dass die von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Bedingungen für die 5G-Frequenzvergabe unangemessene und unrealistische Auflagen enthalten, die ein erhebliches Risiko für den Ausbau schneller 5G-Mobilfunknetze in Deutschland darstellen. Die Organisation vertritt nach eigenen Aussagen die Interessen der Mobilfunkbetreiber weltweit und vereine mehr als 750 Betreiber mit über 350 Unternehmen im gesamten mobilen Ökosystem, darunter Hersteller von Mobiltelefonen und Geräten, Softwareunternehmen, Geräteanbieter und Internetunternehmen sowie Organisationen in angrenzenden Branchen.

In der Branche bekannt ist die GSMA auch als Ausrichter der "Mobile World Congress"-Veranstaltungen, die jedes Jahr in Barcelona, Los Angeles und Shanghai stattfinden. Obwohl die GSMA durchaus die Entscheidung der Bundesnetzagentur begrüße, das gesamte für die Einführung von 5G-Diensten essenzielle 3,4- bis 3,8-GHz-Band (C-Band) freizugeben, würden die Vergabebedingungen für diese wichtigen Frequenzen den 5G-Ausbau in Deutschland gefährde, heißt es weiter.

"Das Engagement der Mobilfunknetzbetreiber ist unerlässlich, wenn Deutschland eine weltweit führende Position bei 5G erreichen will. Wir sind alarmiert, dass trotz der begründeten und erheblichen Bedenken der Mobilfunkindustrie gegenüber den ursprünglichen Vorschlägen die vorgeschlagenen Bedingungen noch unrealistischere Vorgaben enthalten, die die Ausgangslage verschlechtern und die 5G-Zukunft Deutschlands gefährden", sagte Mats Granryd, Generaldirektor der GSMA. "Die Netzbetreiber haben Milliarden in Deutschlands Mobilfunknetze investiert und in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich für Investitionen und innovative Dienstleistungen einsetzen. Konsumenten und Unternehmen in Deutschland stehen auf der Verliererseite, weil Investitionen in den 5G-Ausbau angesichts der unangemessene Bedingungen unwirtschaftlich sind."

Die GSMA äußerte in mehreren Punkten ihre Bedenken zu den Frequenzvergabebedingungen in Deutschland. Die Versorgungsauflagen für das 3,6-GHz-Band sehen demnach eine Abdeckung von 98 Prozent der Bevölkerung mit 100 MBit/s und einer Latenzzeit von zehn Millisekunden sowie eine Abdeckung aller Transportwege vor. Die zur Verfügung stehenden Frequenzen bieten zwar eine hohe Kapazität für eine kleinflächige Abdeckung, seien jedoch ungeeignet für eine flächendeckende Versorgung, wie zum Beispiel von Landstraßen, Wasserstraßen und Eisenbahnstrecken. Die zur Erfüllung der Bedingungen erforderlichen Investitionen übersteigen laut der Organisation bei weitem den Wert der Lizenzen. Zudem führen der GSMA zufolge die Roaming- und Vorleistungsverpflichtungen für das 3,4- bis 3,7-GHz-Band zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit und würden Investitionen in 5G-Netze erschweren.

100 MHz, ein Viertel des insgesamt verfügbaren und für den 5G-Ausbau essenziellen Frequenzspektrums, werden für die lokale Nutzung reserviert. Dies untergrabe die Zukunftsstrategie Deutschlands, bei 5G eine Führungsrolle zu übernehmen, weil die Kosten für das Frequenzspektrum steigen und das verfügbare Spektrum für die landesweite Versorgung kleiner ausfällt.

Die Auktionsregeln für die Frequenzvergabe gewähren laut der GSMA neuen Anbietern erhebliche Vorteile, die den fairen Wettbewerb behindern. Zum einen müssten neue Anbieter eine deutlich niedrigere Abdeckung erreichen, und zum anderen können sie Verhandlungen über ein nationales Roaming einfordern. Dies bedeute, dass ein neuer Anbieter zu einem landesweiten Netzbetreiber werden könne, indem er sich auf einige wenige Standorte in lukrativen, dichten städtischen Lagen konzentriert und sich in stadtfernen und ländlichen Gebieten auf die Infrastruktur der anderen Netzbetreiber stützt.

Dies untergrabe nicht nur die Ziele, die mit den unrealistischen Abdeckungsauflagen verfolgt werden, sondern verringere auch den Anreiz für die Netzbetreiber, in unterversorgten Gebieten zu investieren. Wie die Erfahrungen in anderen Ländern gezeigt haben, fördere ein solcher Ansatz in erster Linie den Ausbau in den Städten.

Weitere Informationen finden sich auf www.gsma.com.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.

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