Virtuelle Messen, Tech Foren und DCS

Wir sind da

04. August 2020, 07:00 Uhr   |  Dr. Jörg Schröper

Wir sind da
© Bild: Rosenberger OSI

Auch die aktuellen Steckverbinder standen im Fokus mehrerer Vorträge der Web-Seminar-Tage der LANline.

Im Moment trifft sich die Verkabelungs- und RZ-Infrastruktur-Szene bei der LANline virtuell. Dabei fällt zwar der traditionelle „Casino-Abend“ aus, ansonsten ist jedoch fast alles geboten, was die Präsenz-Events seit Jahren auszeichnet. Ein Statusbericht.

In den vergangenen Jahren haben die Veranstaltungen der LANline – die Tech Foren zur Verkabelung und die Datacenter Symposien (DCS) – an vielen Standorten in Deutschland und zudem in Österreich und der Schweiz viele Experten der Branche angezogen. Anfang Februar 2020 fand das Tech Forum in München mit insgesamt rund 600 Experten der Branche statt. Mitte Februar folgte das DCS in Hanau – und dann war bekanntermaßen die „Saison“ pandemiebedingt sehr abrupt unter- oder abgebrochen.

Auch im Lockdown ruht jedoch insbesondere die IT-Infrastruktur nicht. Sie gewinnt im Gegenteil sogar an Bedeutung, wie die meisten von uns im Selbstversuch im Home-Office erfahren haben dürften. Anbindung zu langsam? Das kann auch an einer nicht mehr zeitgemäßen Verkabelung liegen. Server zu lahm beim Zugriff von außen? Vielleicht hätte es sich schon früher gelohnt, die Rechnerfarm etwas zu erweitern. Wie im richtigen Leben wirkt die Krise auch in dieser Hinsicht als eine Art Lupe, die Missstände deutlich hervorhebt.

Digitalisierung ganz praktisch

Folgerichtig haben das LANline-Team und die Kolleginnen und Kollegen von WEKA Fachmedien gewissermaßen über Nacht eine digitale Alternative zu den Präsenzveranstaltungen kreiert. Und zwar eine, die sich sehen lassen kann: Hohe Teilnehmerzahlen beim kombinierten Online-Event aus digitaler Messe, Tech Forum und DCS am 3. und 4. Juni sowie bei mehreren LANline-Web-Seminar-Tagen belegen, dass innerhalb der Branche durchaus großer Informationsbedarf besteht.

In seiner Eröffnungs-Keynote beim virtuellen Tech Forum griff Tilo Püschel von Bachmann wichtige Aspekte der Energieversorgung in Rechenzentren auf. Als kritischer Bereich sollte die Stromversorgung unter anderem durch ein gezieltes Monitoring vor Ausfällen proaktiv geschützt sein. Dazu müssen Unternehmen heute nicht mehr ausschließlich auf eigene Daten zurückgreifen, sondern können per Cloud-Dienst auch kumulierte Erfahrungswerte der Branche nutzen. Die Hintergrundarbeit stützt sich etwa mit Big-Data-Analysen auf sehr moderne Ansätze, die ein kleineres mittelständisches Unternehmen für sich allein wahrscheinlich nie in Erwägung ziehen würde.

„Datacenter im Wandel der Zeit“ lautete der Titel des Vortrags von Michael Nicolai (Rittal), der einen Überblick über die Anforderungen an Rechenzentren verschiedener Größenordnungen vermittelte – bis zu dem, was derzeit unter der Rubrik Edge Computing firmiert. Nicolai konnte bestätigen, dass gerade in Zeiten der Krise eine Aufrüstung der RZ-Infrastruktur stattfindet. Dies gilt unter anderem für die großen Cloud-Anbieter, die zum Beispiel wegen der Home-Office-Aktivitäten einem starken Anstieg des Traffics begegnen müssen.Nahezu Workshop-Charakter hatte der Vortrag von Heiko Zschocke von Metz Connect. Er erklärte sehr anschaulich, wie sich mit zeitgemäßem Equipment die Montage von LWL-Steckern im Feld optimieren lässt. Ebenso praxisbezogen: Heiko Ebermann von Vertiv referierte zum Thema Gangeinhausung im Rechenzentrum – einem Evergreen, unter anderem wegen der bisweilen immer noch stattfindenden Warm/Kaltgang-Diskussion. Aus thermodynamischer Sicht besteht jedenfalls kein Unterschied, wie Ebermann bestätigte, also bleibt uns die oft mit viel Emotion geführte Debatte wohl noch weiter erhalten.

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© Redaktion

Zu den Themen der virtuellen Events zählen wie bei den Tech Foren die Kupfer- und LWL-Entwicklungen sowie die Messtechnik.

Was RZ-Betreiber tun können, um die Gesamtenergiebilanz zu verbessern, erklärte am zweiten Tag des virtuellen Doppel-Events Oliver Rosteck von Swegon. Seine Präsentation „Rechenzentren, die Wärmequelle von morgen“ verdeutlichte drastisch, welches Potenzial in einer umfassenden Ressourcenbetrachtung steckt. Dies beginnt oft schon bei der RZ-Planung, aber auch eine Nachrüstung für die Wärme-Weiterverwertung ist mit aktueller Technik machbar.

In seinem Web-Seminar „Die Zukunft der Glasfaser im Rechenzentrum“ gelang Lars-Hendrik Thom von Panduit ein schwieriger Spagat: einerseits alle Optionen des bisweilen ausufernden Spektrums an LWL-Lösungen für Geschwindigkeiten von mehr als 10 GBit/s aufzuzeigen, andererseits daraus diejenigen zu finden, die technische und ökomische Relevanz besitzen und diese auch in absehbarer Zukunft behalten werden. Solches Wissen kann bei der Planung eines Verkabelungs-Updates bares Geld wert sein, denn ohne das notwendige Know-how ist schnell eine falsche Richtung eingeschlagen – etwa bei der Paralleloptik. Und dies ist oft eine nur schwierig bis gar nicht reversible Entscheidung.Den LANline-Web-Seminar-Tag zur Infrastruktur am 18. Juni eröffnete Harald Jungbäck, Produkt-Manager LWL-Verkabelungssysteme bei Rosenberger OSI. Er gab einen Ausblick auf die Übertragungs- und Verbindungstechnik für 400 GBit/s und mehr. Jungbäck gehört zu den erfahrensten Experten und Normierern im LWL-Business und erklärte kompetent, welche Merkmale etwa 400GBase-SR8 und 400GBase-SR4.2 aufweisen. Einen Schwenk zur vielfach totgeglaubten, aber noch immer mit einer sehr vitalen Marktpräsenz ausgestatteten Kupferverkabelung unternahm Zoran Borcic (Draka/Prysmian Group). Er ging in seinem Vortrag hauptsächlich auf das PoE-Verhalten verschiedener Kabelgattungen ein und gab Ratschläge für eine solide Planung der Gebäudevernetzung. Allein für diese Webinar gab es fast 200 Registrierungen.

Ohne Messung und Zertifizierung ist die beste Verkabelungsinstallation meist wertlos. Wie dies richtig abläuft, erkläre Matthias Caven (Softing) in seiner Schlusspräsentation anschaulich. Der Techniker benötigt für Verifzierungs-, Qualifizierungs- und Zertifizierungsaufgaben das passende Gerät. Er muss aber auch sehr genau wissen, wie der vorzugehen hat, wenn es ihm nicht allein um den ominösen grünen Haken auf irgendeinem Protokoll geht, sondern um wertvolle Information.

Und wir kommen wieder

Solch wertvolles Know-how wird auch das LANline-Team in Zusammenarbeit mit den führenden Experten der Branche in kommenden Events demnächst erneut vermitteln – gerne möglichst bald wieder mit persönlichem Kontakt. Solange dies nicht möglich ist, setzen wir weiter auf die ebenfalls erfolgreichen Online-Meetings. Wichtige Adressen, die man sich dazu merken sollte, sind: weka-online-campus.de und events.lanline.de/events/.

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