Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Bis zum Jahr 2021 könnte wenigstens die Hälfte der globalen Wertschöpfung digitalisiert sein, so eine Prognose der Marktforscher von IDC. Daher werde es für Unternehmen immer wichtiger, die IT-Landschaft zu modernisieren und den Betrieb im Rechenzentrum effizienter zu gestalten. Welche Techniken dazu am besten geeignet sind, soll der folgende Ausblick auf Themen wie Managed-Cloud-Services, Edge Computing und Gleichstrom im Datacenter aufzeigen. Ziel dabei ist, den laufenden Betrieb kostengünstig und zukunftssicher zu gestalten, so die Stellungnahme des Rittal-Managers Andreas Keiger, Executive Vice President Global BU IT Infrastructure, die der folgende Text zusammenfasst.

Hybride Multi-Cloud-Umgebungen werden künftig die IT-Agenda bestimmen: Laut IDC könnten bis 2021 schon über 90 Prozent der Unternehmen Multi-Cloud-Plattformen verwenden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es gibt keinen One-Stop-Cloud-Anbieter, der sämtliche Anforderungen erfüllen kann, da ein vollständiger Cloud-Stack immer von mehreren Anbietern kommt. Darüber hinaus müssen Performance, Latenzen, Compliance und Risiko-Management häufig individuell realisiert werden, teilweise mit unterschiedlichen Cloud-Anbietern.

Typische Cloud-Leistungen umfassen Dienste für Infrastruktur (IaaS), Anwendungen (SaaS) und Entwicklungsplattformen (PaaS). Wem dieser Cloud-Mix zu komplex wird, setzt auf externe Anbieter für Managed-Cloud-Services. Dann werden die Cloud-Systeme im Rechenzentrum komplett durch einen IT-Dienstleister ausfallsicher betrieben und gewartet, während die Anwender über ihren Web-Browser oder eine Desktop-Applikation auf die Ressourcen zugreifen können. Um diese Entwicklung zu unterstützen, will Rittal im Jahr 2018 gemeinsam mit Partnern verstärkt schüsselfertige Rechenzentren inklusive Cloud-Plattform und Managed-Services für ausfallsichere Infrastrukturen anbieten.

Neben dem Ausbau zentraler Rechenzentren werden sich viele Unternehmen künftig intensiver mit dem dezentralen Aufbau von IT-Kapazitäten beschäftigen. Treiber sind zum Beispiel moderne Industrie-4.0-Anwendungen. Durch die dort installierte Fertigungsautomatisierung müssen die Systeme sehr viele Sensordaten in Echtzeit direkt vor Ort verarbeiten. Die Datenübertragung an ein zentrales Rechenzentrum würde eine Echtzeitverarbeitung verzögern und Netzwerke sowie Bestandssysteme überlasten. Auch viele andere Szenarien, die mit dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) arbeiten, erfordern zusätzliche Rechenzentren.

Dazu gehören vernetzte Haushalte und Smart Homes, tragbare Fitness-Tracker und Smart-Watches sowie vernetzte Automobile und IT-Infrastrukturen in Smart Cities. Im Jahr 2019 könnten bereits 40 Prozent der IoT-Daten von Edge-IT-Systemen verarbeitet und analysiert werden, so die IDC-Analysten.

Zudem wird der neue 5G-Mobilfunkstandard das zu verarbeitende Datenvolumen nochmals drastisch erhöhen. Mit Datenraten von bis zu 10 GBit/s geht zum Beispiel ein Spielfilm in HD-Auflösung innerhalb von nur wenigen Sekunden über das Netz. Wer also künftig IoT-Infrastrukturen in schnellen 5G-Netzen betreiben will, sollte frühzeitig auch die benötigte Server-Leistung bereitstellen, damit Anwendungen die volle Netzkapazität nutzen können.

Andreas Keiger ist Executive Vice President Global BU IT Infrastructur bei Rittal.

In diesem Umfeld kommen Edge-Rechenzentren zum Einsatz. Mit ihnen gelingt der rasche und dezentrale Aufbau von IT-Infrastrukturen, um beispielsweise entfernte Produktionsstandorte oder Smart Cities punktuell mit mehr Rechenleistung zu versorgen.

Wodurch aber zeichnet sich ein Edge-Rechenzentrum aus? Konkret handelt es sich dabei um schlüsselfertige IT-Umgebungen, die als Rack- oder komplette Container-Lösung modular und skalierbar aufgebaut sind. Durch die Erweiterungsmöglichkeiten sind die Lösungen für Unternehmen aller Größe geeignet. Da Komponenten für Kühlung, Energieversorgung, Monitoring und Sicherheit vorinstalliert und aufeinander abgestimmt sind, gelingt der Aufbau einer Edge-Umgebung innerhalb kurzer Zeit.

Weiterhin benötigt die Branche jedoch auch zentrale und homogene Hyperscale-Rechenzentren. Eine Hyperscale-Infrastruktur ist auf horizontale Skalierbarkeit ausgelegt, mit der sich ein Höchstmaß an Leistung, Durchsatz und Redundanz erzielen lässt, das für Fehlertoleranz und Hochverfügbarkeit sorgt. Betreiber solcher Anlagen stehen vor der Frage, wie sie künftig die laufenden Kosten ihrer Anlagen optimieren. Eine Lösung für mehr Energieeffizienz bieten Gleichstrom-Racks: Mit OCP (Open Compute Project) und Open19 haben sich gleich zwei neue IT-Rack-Standards am Markt etabliert. Innerhalb des IT-Racks versorgt nur noch ein zentrales Netzteil die aktiven IT-Komponenten mit Gleichstrom. Damit lassen sich rund fünf Prozent Energiekosten pro Rack einsparen. Auch Rechenzentrumsbetreiber, die keine „Hyperscaler“ sind, sollten die Option im neuen Jahr für sich prüfen.

Um auch 2018 die Betriebskosten weiter zu verbessern, werden alternative Energie- und Kühlkonzepte wichtig. Mit Strom aus regenerativen Energiequellen, einer Luft- oder Meerwasserkühlung sowie flexiblen „as a Service“-Modellen können Anbieter sehr günstige Betriebskosten realisieren. Ein Beispiel dafür ist das Lefdal Mine Datacenter in Norwegen. In einer ehemaligen Mine ist dort ein Rechenzentrum realisiert, das mit Meerwasser gekühlt wird und Strom aus regenerativen Energiequellen nutzt. Unternehmen können hier direkt Cloud-Leistungen beziehen oder ihre Private-Cloud-Systeme betreiben.

Die Energierückgewinnung ist ein weiteres IT-Cooling-Konzept für mehr Effizienz, bei der die im Rechenzentrum entstehende Abwärme für die Gebäudeklimatisierung, zur Warmwassererwärmung oder zur Einspeisung in ein Fernwärmenetz genutzt wird. Die Technik an sich ist nicht neu. Es geht jedoch darum, eine langfristige Strategie auch über die übliche ROI-Kalkulation von drei bis fünf Jahre hinaus zu entwickeln. Dafür wäre es notwendig, dass die neue Bundesregierung im Jahr 2018 den Ausbau des Leitungsnetzes für Fernwärme fördern würde, um so der Energiewende neue Impulse zu geben, die die IT- und Telekommunikationsindustrie in Deutschland benötigt.

Weitere Informationen stehen unter www.rittal.de und www.friedhelm-loh-group.com bereit.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.