Der „War for Talent“ – der globale Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter, den McKinsey-Berater Steven Hankin schon 1997 beschrieb – ist längst in vollem Gange. Heute konzentriert er sich auf digital kompetente Millennials, also Angehörige der Generationen Y (in den 1980er- und 1990er-Jahren geboren) und Z (zur Jahrtausendwende, also ab zirka 1997). Auf dem Dell Technologies Forum in München appellierte deshalb die Gesundheitspsychologin und Personalberaterin Dr. Steffi Burkhart – angekündigt als „Millenium-Botschafterin“ und „Human Capital Evangelist“ – in ihrer Keynote, das Ringen um den begehrten Nachwuchs nicht nur als Problem der HR-Abteilung zu verstehen: Das sei eine Aufgabe für die gesamte Führungsriege.

Im Einklang mit anderen HR-Fachleuten beschrieb Burkhart die aktuelle Arbeitswelt in Anlehnung an einen Begriff auf der Militärsprache als „VUKA“-Situation: geprägt von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Ein Symptom dieser Lage: Laut Prognosen existieren 65 Prozent der Jobs, in denen die „Gen Z“ einmal arbeiten wird, heute noch gar nicht, so die Beraterin.

Dass jemand mit Always-on-Internet, Cloud-Services und Smart Devices aufgewachsen ist, bedeutet aber nicht automatisch, dass der- oder diejenige auch das mitbringt, was Unternehmen heute brauchen. So sind laut Burkhart 80 Prozent der Millennials „digitale Anwender“ (also erfahren im Umgang mit digitaler Technik, aber mehr eben auch nicht); lediglich das restliche Fünftel bestehe aus „digitalen Könnern“ und „Create-ups“, also Personen, die mittels Know-how und/oder Kreativität ein Unternehmen in digitalen Fragen voranbringen können – und denen man, wie die Sprecherin berichtete, in den USA Einstiegsgehälter um die 300.000 Dollar zahlt.

„In der Zukunft wird sich niemand mehr richtig bewerben“, so Keynote-Sprecherin Dr. Steffi Burkhart auf dem Dell Technologies Forum in München. Bild: Dell Technologies

„In der Zukunft wird sich niemand mehr richtig bewerben“, so Keynote-Sprecherin Dr. Steffi Burkhart auf dem Dell Technologies Forum in München. Bild: Dell Technologies

Millennials sind laut Burkhart „das flüchtigste Molekül der Zukunft“: Allein in Deutschland sollen laut Hochrechnungen 2030 bis zu acht Millionen qualifizierte Fachkräfte fehlen. Deshalb gelte es, jetzt in Humankapital zu investieren: „Wenn wir das nicht tun, dann werden wir den War for Talent nicht gewinnen können“, so die Beraterin. In den Unternehmen müssten sich heute deshalb „alle mit Führungsverantwortung“ um den Aufbau des Talentpools bemühen.

Im Hinblick auf den immer akuteren Personalmangel prophezeite die „Millenium-Botschafterin“: „In der Zukunft wird sich niemand mehr richtig bewerben.“ Sie erklärte zwar nicht wörtlich, man müsse den Millennials den roten Teppich ausrollen, doch sie machte klar, dass sich Unternehmen künftig an den Anforderungen der Gen Y und Z orientieren müssen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Als Hürde beschrieb sie mangelnde Diversität in den Führungsetagen: Ihr Ansprechpartner in Projekten sei in aller Regel männlich, über 50, grauer oder blauer Anzug – und in solchen Kreisen bringe man Vorstellungen von der Unternehmenswelt mit, die sich nicht mit denen der Millennials vertragen. Schließlich lege der Nachwuchs heute nicht mehr Wert auf den dicken Dienstwagen, sondern darauf, etwas zu bewirken und Sinnvolles zu tun, sowie auf Raum für Experimente. Wofür sich die Generationen Y und Z hingegen nicht mehr begeistern können, sind klassische Unternehmenshierarchien: 40 Prozent der Millennials wollen sich laut Burkhart nicht mehr fest anstellen lassen, sondern nur noch als Freiberufler tätig sein. Gefragt seien damit – als Beispiel nannte sie VW – etwa kleine Softwarelabore, um kreative Entwickler an sich zu binden, die sich nicht in Konzernstrukturen integrieren lassen.

Mehrere Transformationsbereiche

Erforderlich ist damit also eine grundlegende Transformation der Personlsuche und des Personal-Managements – und nachdem dieses, wie das gesamte Unternehmen, künftig auf einer digitalen Transformation beruht, war auch Gastgeber Dell ganz in seinem Element. Denn der Konzern hat für sich vier Transformationsbereiche identifiziert, die man unterstützen will: die IT-, Applikations-, Security- und Workforce-Transformation.

Zur IT-Transformation zählt Dell moderne Software-Delivery (also agile Entwicklung und Cloud-basierte Anwendungsbereitstellung) und den konsistenten Betrieb auf einer ebenso modernen Infrastruktur. Hier, so erklärte Stefan Schmugge, Director Commercial Presales bei Dell Technologies, in seinem Eröffnungsvortrag, könne man die „Macht des Portfolios“ ausspielen: Schließlich habe Dell – einer von wenigen Komplettanbietern – „für jede Herausforderung das passende Produkt“. Zur Optimierung von IT-Einführung und IT-Betrieb sollen künstliche Intelligenz und Machine Learning „Einzug in alle unsere Produkte“ halten, so Schmugge. Beim IT-Betrieb setzt der Konzern auf seine Dell Technologies Cloud, also auf die gemeinsame Cloud-Strategie mit Dell-Tochter VMware. Dank ihr könne man eine hybride Cloud-Infrastruktur von der Public Cloud über die Private Cloud im RZ bis zum Edge liefern.

Betonte, Dell könne die „Macht des Portfolios“ ausspielen: Stefan Schmugge, Director Commercial Presales. Bild: Dell Technologies

Betonte, Dell könne die „Macht des Portfolios“ ausspielen: Stefan Schmugge, Director Commercial Presales. Bild: Dell Technologies

In puncto Applikationstransformation legt Dell seine Prioritäten darauf, Software-Innovation zu beschleunigen, den Applikationsbetrieb zu optimieren und die Risiken der Applikationsbereitstellung zu minimieren – nicht nur mit der Cloud-Basis, sondern auch mit den Software-Entwicklungstechnolgien von Pivotal und der Integrationstochter Boomi. „Security-Transformation“ wiederum bedeutet laut dem Dell-Sprecher, dass Sicherheit einen höheren Stellenwert bekommen muss. Es gehe darum, die Risiken zu akzeptieren, die Sicherheitsmechanismen zu vereinfachen und die Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, mit den Risiken umzugehen. Dazu müsse man definieren, welche Prozesse erlaubt sind, um bei Anomalien Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Dells Workforce-Transformation schließlich zielt darauf ab, die unterschiedlichen Anforderungen der Mitarbeiter mit Geräten und einer Bedienbarkeit („User Experience“) abzudecken, die auf den jeweiligen Anwendungsbereich abgestimmt ist, um dies integriert und intelligent zu verwalten. So sei zum Beispiel bei Dells hauseigemem Unified Workspace die VMware-Lösung Workspace One samt Profil und Einstellungen bereits ab Werk vorinstalliert – eine Nachinstallation von Applikationen sei somit nicht mehr nötig.

Um den Wert dieser Ansätze zu vermitteln, so Schmugge, unterhalte Dell diverse Executive Briefing Center. Diese dienen laut dem Dell-Mann dazu, die Erkenntnisse und Best Practices der digitalen Transformation, die Dell aus dem Betrieb seiner eigenen 19 Rechenzentren und einer Anwenderschaft von 160.000 Mitarbeitern gewonnen hat, mit den Kunden zu teilen.

Damit sollte Dell nicht nur den Nerv transformationswilliger Unternehmenslenker treffen, sondern auch den der Millennials. Denn diese brauchen weder Dienstwagen noch Aussicht auf lebenslange Festanstellung – aber zeitgemäßes digitales Equipment ist hier ebenso gefragt wie eine Infrastruktur für das Sharing von Ideen, die alle Beteiligten voranbringen. Selbst der rote Teppich ist heute eben digital.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.