Gestohlene Kennwörter, ausgespähte Computer, gehackte Datenbanken – selten vergeht ein Tag ohne solche Schlagzeilen. Um die Bevölkerung stärker für Datenschutz zu sensibilisieren, hat der Europarat den 28. Januar zum „Europäischen Datenschutztag“ ausgerufen. Aus diesem Anlass haben das Sinus-Institut und YouGov in einer repräsentativen Studie gefragt: Wie wichtig ist den Deutschen der Schutz ihrer Daten? Was tut die Bevölkerung, um persönliche Informationen zu schützen? Und: Was ist wertvoller – Privatsphäre oder öffentliche Sicherheit?

Die Mehrheit der Deutschen bezweifelt, die Kontrolle über persönliche Daten zu haben: 56 Prozent der Deutschen bezweifeln, dass ihre persönlichen Informationen innerhalb und außerhalb des Internets ausreichend geschützt sind. Fast genau so viele (55 Prozent) haben das Gefühl, keine Kontrolle über ihre Daten im Internet zu haben. Gleichzeitig sind sich so gut wie alle Deutschen (93 Prozent) einig, dass der Schutz persönlicher Daten wichtig ist. 64 Prozent finden sogar, dass man diesem Thema gar nicht genug Bedeutung zuschreiben kann. Dagegen finden 29 Prozent, dass dem Datenschutz mittlerweile eine zu hohe Wichtigkeit beigemessen wird.

Die hohe Bedeutungszuschreibung an den Datenschutz legt nahe, dass die Deutschen entsprechende Maßnahmen ergreifen. Doch welche sind das?

Fast alle Deutschen nutzen online unterschiedliche Passwörter. Online-Accounts mit sicheren Passwörtern zu schützen gilt als eine wichtige Maßnahme zum Schutz persönlicher Daten. Für die Deutschen gehört es offensichtlich dazu, ihre Nutzerkonten mit verschiedenen Passwörtern zu versehen: Nur zwei Prozent sichern sie mit demselben Passwort. 86 Prozent nutzen hingegen mindestens zwei verschiedene Kennwörter, davon verwenden 25 Prozent sogar mehr als zehn verschiedene Passwörter.

Allerdings ändert nur die Hälfte der Bevölkerung die Grundeinstellungen in ihrem Internet-Browser oder greift beim Surfen auf einen Ad-Blocker zurück, um die eigene Privatsphäre zu schützen (53 Prozent bzw. 50 Prozent).

Die meisten Deutschen sichern ihre Social-Media-Profile und haben Angst vor spionierenden Webcams. Facebook, Twitter & Co. gehören für Viele zum Alltag. Offensichtlich ist den Deutschen aber auch bewusst, dass viele Social-Media-Plattformen als „Datenkraken“ in der Kritik stehen. Um nicht allzu viel über sich preiszugeben, haben 82 Prozent der Social-Media-Nutzer in zumindest einem Portal die Privatsphäre-Einstellungen ihres Profils angepasst. 73 Prozent der Deutschen nutzen mindestens eine Social-Media-Angebot.

Nachlässiger ist man hingegen mit in Laptop integrierten Webcams. Nur 39 Prozent der Laptop-Nutzer misstrauen dem elektronischen Auge und haben die integrierte Kamera daher abgeklebt. 55 Prozent der Deutschen verwenden einen Laptop mit integrierter Webcam.

Die genannten Schutzmaßnahmen setzen eine gewisse Online-Kompetenz voraus. Allerdings sagen nur 60 Prozent der Deutschen, dass sie über die wichtigsten technischen Entwicklungen im Internet Bescheid wissen. Diese Online-Kompetenz variiert stark zwischen verschiedenen sozialen Milieus. So fühlt sich das „Sinus-Milieu der Performer“, die technik- und IT-affine Leistungselite, in Sachen Internet deutlich kompetenter als etwa das ältere „Traditionelle Milieu“, das häufig der „guten, alten analogen Zeit“ nachtrauert (78 Prozent bzw. 45 Prozent). Mehr Informationen zu diesen Gruppen finden sich auf der Homepage des Sinus-Instituts.

Mehr Privatsphäre oder mehr öffentliche Sicherheit? Diese Frage spaltet Deutschland. Öffentliche Sicherheit und Privatsphäre gelten in der öffentlichen Debatte als unvereinbare Gegensätze – aber was ist den Deutschen wichtiger? 40 Prozent sprechen sich für mehr öffentliche Sicherheit aus, auch wenn dies weniger Privatsphäre bedeutet. 36 Prozent befürworten auf der anderen Seite mehr Privatsphäre, auch wenn dies weniger öffentliche Sicherheit bedeutet. 24 Prozent können sich nicht für eine der beiden Seiten entscheiden. Die österreichischen Nachbarn befürworten mehr Sicherheit statt mehr Privatsphäre (50 Prozent vs. 34 Prozent). Dies hat der Sinus-Kooperationspartner Integral herausgefunden.

Am 25. Mai 2018 tritt nach jahrelangen Verhandlungen die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Damit wird das Datenschutzrecht innerhalb der EU vereinheitlicht. Nur 15 Prozent der Deutschen wissen darüber Bescheid, 80 Prozent haben davon noch nichts gehört.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage von YouGov Deutschland, an der 2.048 Personen zwischen dem 06.12.2017 und 15.12.2017 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im Alter von 18 bis 69 Jahren.

Sinus Markt- und Sozialforschung ist ein Dienstleistungsinstitut mit Büros in Heidelberg und Berlin. Es entwickelt nach eigenen Angaben Zielgruppen-Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen wollen. Ein zentrales Tool dafür sind die sogenannten Sinus-Milieus – ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten gruppiert. Weitere Informationen gibt es unter www.sinus-institut.de. YouGov ist ein weltweites Marktforschungs- und Beratungsinstitut. Im Jahr 2000 in London gegründet, ist YouGov mit 31 Standorten in Europa, den USA, im Nahen Osten, Afrika und Asien vertreten. Weitere Informationen über YouGov gibt es unter www.yougov.de.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.