Die HDD ist noch nicht ganz tot und NAND-SSDs bereits der nächste „Sterbekandidat“: Im Rahmen seiner Storage Days gab Fujitsu einen Einblick in das eigene Speicherportfolio, den aktuellen Stand der Technik und was uns in Zukunft erwarten könnte.

„Storage ist nicht mehr sexy, da die Leute lieber über die Cloud reden“, sagte Michael Marticke (siehe Bild oben, Bild: WEKA FACHMEDIEN), Evangelist Datacenter & Fujitsu Distinguished Engineer, in seinem Vortrag auf dem Fujitsu Storage Day in Neuburg in der Nähe von Ingolstadt. Über 290 Teilnehmer sind dennoch gekommen, um sich über den Stand der Technik im Storage-Markt und über die aktuellen Speicherlösungen von Fujitsu zu informieren. Schließlich wollen die meisten Unternehmen ihre kritischen Daten lieber im eigenen RZ vorhalten.

Und die Speicherung der Daten soll am besten auf Flash-Systemen geschehen, wie Marticke betonte. Bereits im letzten Jahr hatte der Fujitsu-Mann an die Storage-Day-Besucher appelliert, ihre 15K-Festplatten im RZ abzulösen. Daran gehalten haben sich offensichtlich nicht alle: Fujitsu hat zwar im Vergleich zum Vorjahr weniger, aber dennoch eine signifikante Menge an 10K- und 15K-HDDs verkauft, wie der Datacenter-Evangelist erstaunt feststelle.

So nutzte Marticke die Gelegenheit und erneuerte seinen Appell. Dabei untermauerte er mit einigen Fakten seine Argumentation: Zumindest auf den herstellereigenen Eternus-Systemen sei Flash aufgrund des Preisverfalls bereits in der Anschaffung billiger als 10K/15K-Festplatten und dies bei  einer deutlich besseren Performance. Weiter seien die Betriebs- und Service-Kosten niedriger. „Kaufen Sie bei Fujitsu keine 10K- und 15K-Platten für Ihre Datacenter-Lösung, wenn dann Nearline-SAS“, sagte Marticke.

„NVMe-Hype für mich unklar“

In seinem Vortrag ging der Fujitsu-Mann aber nicht nur auf eine in seinen Augen veraltete Speichertechnik ein, sondern richtete den Blick auch auf aktuelle Storage-Trends, darunter NVMe: „Der NVMe-Hype ist für mich unklar: Es ist kein Speichermedium, es ist kein Interface, sondern eine Sprache, mit der meist Intel-Prozessoren zu nicht-drehenden Medien sprechen.“ Es handele sich also um ein optimiertes Ansprechen von Flash. Daher setzt Fujitsu NVMe-SSDs in seinem Storage-System als Cache-Erweiterung für die schnellere Bearbeitung von Caching-Aufgaben ein.

Im Herbst des vergangenen Jahres hat Fujitsu mit der S4-Generation seiner Eternus-Familie die ersten Modelle mit einer solchen NVMe-Unterstützung angekündigt. Seit Januar sind die Lösungen verfügbar. Das Flaggschiff DX8900 soll über zehn Millionen IOPS (SPC-1 Benchmark) erreichen. Darüber hinaus antwortet ein System, das mit den maximal 24 verwaltbaren Controllern bestückt ist, laut Fujitsu unter einer 100-prozentigen Last innerhalb von 0,5 Millisekunden. Dadurch ist laut Marticke der Weg nun frei für 2-Tier-Modelle aus Flash- und NL-SAS (Nearline-SAS)-Laufwerken: „Ein solches System eigne sich auch für Anwendungen, für die man früher 10K- und 15K-HDDs genutzt hat.“ Während die Flash-SSDs die benötigte Leistung erbringen, sollen die NL-SAS die großen Mengen an „kalten Daten“ speichern.

Neben NAND-Flash warf der Datacenter-Evangelist einen Blick auf eine seiner Einschätzung nach bedeutendere Speichertechnik: 3D XPoint. Diese Speicher haben Intel und Micron in einem Joint Venture seit 2015 entwickelt, seit Sommer 2018 arbeiten beide Unternehmen jedoch getrennt voneinander an der dritten Generation. Die Speicher auf Basis von 3D XPoint zeichnen sich durch eine tausendfach geringere Latenz als NAND-Flash aus und sollen so die Lücke zwischen Arbeitsspeicher und SSD schließen. Zudem ist 3D XPoint nicht so teuer wie DRAM. Auf eine Server-Platine gesteckt, soll die Technik vor allem Cashing-Aufgaben übernehmen und teuren Arbeitsspeicher einsparen. „Sie können 3D XPoint nicht kaputt cashen“, erklärte Marticke. „Ich glaube, dass 3D XPoint der Tod von NAND-SSDs ist.“ Mit der neuen Primergy-Generation M5 wird Fujitsu die ersten 3D XPoint-basierten Systeme einführen.

Integration zu VMware und Veeam

In Neuburg hat Fujitsu außerdem einen Blick auf das kommende, für 2020 geplante GUI geworfen, das Administratoren die Eternus-Verwaltung vereinfachen soll. Das neue GUI soll auf HTML5 basieren sowie über verschiedene Wizards, Dashboards, Machine Learning und weitere Automatisierungsfunktionen verfügen. Ebenso wird ab März der Veeam-Support für die Fujitsu-Systeme verfügbar sein. Bereits vollendet ist die Integration in die VMware-Lösungen vRealize Operations Manager und vCenter. Die Neuerungen sollen nach Fujitsu-Angaben eine Ende-zu-Ende-Sicht vom Speichersystem bis zur virtuellen Maschine ermöglichen.

Für eine Einsicht in die eigenen Datensätze, die in Archiven und Backups liegen, plädierte zudem René Hübel, Head of Storage Product Management EMEIA bei Fujitsu. Er mahnte an, dass in den alten Daten ein „Goldschatz“ schlummere, den Unternehmen heben sollten. „Was früher ein günstiger Archivspeicher war, ist heute durch Analyse und Indexierung der Daten ein wichtiger Mehrwertlieferant“, erklärte Hübel. Durch die Verknüpfung der Daten lassen sich im Idealfall wichtige Erkenntnisse für ein Unternehmen ziehen.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.