Test: Phoenix Recovery Suite von Stellar

Datenrettung leicht gemacht

10. April 2005, 22:55 Uhr   |  Christoph Lange/wj

Die Phoenix Recovery Suite von Stellar enthält Tools für die Wiederherstellung verlorener oder beschädigter Dateien. Im LANline-Test musste die Suite zeigen, ob sie verschwundene Daten wieder zurückholen kann.

Stellar Information Systems bietet mit der "Phoenix Recovery Suite" eine Werkzeugsammlung an,
die Administratoren in die Lage versetzt, beschädigte oder versehentlich gelöschte Daten
wiederherzustellen. Die Suite enthält drei Einzelwerkzeuge für die Datenrettung mit FAT- und
NTFS-Dateisystemen sowie Linux- und CDROM-Volumes. Die Suite unterstützt die Dateisysteme FAT16,
FAT32, VFAT, NTFS, NTFS5, Linux Ext2 und Ext3 sowie CD-ROM ISO 9660 und alle gängigen
Joliet-Versionen. Damit ermöglicht das Werkzeugset die Datenrettung für eine große Bandbreite an
Betriebssystemplattformen und unterschiedlichen Dateisystemen.

Für den Test wurde die deutsche Version der Recovery Suite zunächst auf einem
Windows-2003-Server installiert. Die Software läuft auch unter Windows 9x, ME, XP, NT4 und 2000
(Workstation beziehungsweise Professional und Server).

Die Werkzeuge verfügen über eine eigene grafische Benutzeroberfläche und laufen in voneinander
unabhängigen Programmfenstern ab. Auf dem Windows-2003-Server ließ sich das Fenster nur mit dem
Linux-Tool verkleinern. Die beiden anderen blieben im Vollbildmodus, die Schaltfläche zum
Verkleinern funktionierte hier nicht.

Um die Phoenix Recovery Suite zu testen, wurde die Software zusätzlich auf einer
Windows-XP-Workstation installiert. Unter XP war es zwar möglich, alle Fenster zu verkleinern, sie
ließen sich aber weder verschieben noch ließ sich mit der Maus ihre Größe anpassen. Die
Programmierer scheinen hier ein paar Zeilen Standard-Windows-Code vergessen zu haben. Auch die bei
Windows-Anwendungen übliche Menüsteuerung über die rechte Maustaste sucht der Anwender
vergeblich.

Die weiteren Tests erfolgten sowohl mit dem Windows-2003-Server als auch mit dem
Windows-XP-Testsystem. Unter XP blieb die Recovery-Software mehrmals hängen, während sie
Wiederherstellungsaktionen ausführte. Der Grund hierfür lag offensichtlich in einer
Inkompatibilität mit Norton Antivirus. Nachdem der Virenschutz deaktiviert worden war, trat das
Problem nicht mehr auf.

Sprachliche Mängel

Stellar Information Systems bietet die Phoenix Recovery Suite in Sprachversionen für Englisch,
Französisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch an. Beim CD-ROM-Tool ist die deutsche Übersetzung
der Menübefehle sehr holprig ausgefallen. Zu den Highlights zählen etwa "verursachen Sie Bild" und "
fries Maschinenbordbuch". Ersteres soll "Image erstellen" heißen, der zweite Fehlgriff steht für "
Log-Datei leeren" (Clear Log). Die englische Sprachversion scheint keine derart in die Irre
führenden Übersetzungen zu enthalten und ist somit die bessere Wahl. Die deutschen Menüs der
anderen beiden Tools sind korrekt übersetzt und leicht verständlich. Für jedes Werkzeug steht eine
eigene Hilfefunktion zur Verfügung, die ein knappes Handbuch mit Beschreibungen der wichtigsten
Recovery-Funktionen enthält.

Zu den häufigsten Ursachen, warum Daten wiederhergestellt werden müssen, zählen menschliche
Bedienfehler – auch von Administratoren. Häufig werden Dateien auch durch den Absturz einer
Anwendung oder des Betriebssystems beschädigt. Viren tragen ebenfalls dazu bei, dass die Zahl nicht
mehr lesbarer Dateien ständig ansteigt. In allen genannten Fällen hilft die Phoenix Recovery Suite
dabei, die Daten so weit möglich in ihrem Originalzustand wiederherzustellen. So lange der Zugriff
auf das physikalische Laufwerk noch möglich ist, kann die Software sogar Daten von beschädigten
logischen Laufwerken retten.

Um nach verlorenen oder schadhaften Dateien zu suchen, verwendet das Recovery-Tool entweder die
Partitionstabelle oder untersucht alle vorhandenen logischen Laufwerke. Im zweiten Fall wählt der
Administrator das gewünschte Volume aus und startet den Scan-Vorgang. Sobald dieser abgeschlossen
ist, zeigt das Tool alle Dateien und Verzeichnisse in einer Explorer-ähnlichen Baumstruktur
übersichtlich an. Falls eine Datei oder ein Ordner nach dem Standard-Scan noch nicht zu sehen sind,
steht eine spezielle Suchfunktion zur Verfügung, die auch alle gelöschten und beschädigten Objekte
anzeigt.

Anschließend gibt der Administrator an, ob alle Dateien und Verzeichnisse oder nur die von ihm
ausgewählten wiederhergestellt werden sollen. In den Tests klappte das Zurückholen von mehreren
Dateien, die zuvor aus dem Papierkorb gelöscht beziehungsweise per "Shift + Entfernen" vom System
beseitigt worden waren, einwandfrei. Dabei ist zu beachten, dass die Daten auf keinen Fall auf dem
Laufwerk wiederhergestellt werden sollten, auf dem sie ursprünglich gespeichert waren. Nur dadurch
lässt sich sicherstellen, dass auf dem ursprünglichen Volume keine Daten überschrieben werden. Das
Recovery-Tool bietet deshalb die Möglichkeit, über ein Browse-Fenster den Zielordner für die
Wiederherstellung auszuwählen und die Dateien zum Beispiel über das Netzwerk auf ein anderes System
zurückzusichern. Dabei stellt die Software auch die ursprüngliche Baumstruktur wieder her.

Die Phoenix Recovery Suite ist darüber hinaus in der Lage, von versehentlich formatierten
Laufwerken die zuvor auf ihnen gespeicherten Daten wiederherzustellen. Im Test wurde ein
Test-Volume angelegt, formatiert und anschließend mehrere Dateien und Verzeichnisse darauf kopiert.
Dann erfolgte eine Neuformatierung dieses Laufwerks. Das Recovery-Tool erkannte durch den Scan alle
ursprünglichen Objekte und stellte sie in ihrem Originalzustand auf einem anderen Netzlaufwerk
wieder her. Für den Scan stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Unter anderem kann die Software ein
FAT-Laufwerk, das versehentlich mit NTFS formatiert wurde, als FAT-Drive scannen, um die Daten
zurückzuholen. Mit dem CD-ROM-Tool der Phoenix Recovery Suite lassen sich zum einen Dateien und
Ordner von beschädigten CD-ROMs wiederherstellen. Zum anderen ist es möglich, vom Verzeichnisbaum
einer CD-ROM ein CD-Image zu erstellen und umgekehrt aus einem CD-Image die einzelnen Dateien und
Verzeichnisse zu extrahieren und an einem anderen Ort zu speichern.

Die Linux-Version der Recovery-Suite für Ext2- und Ext3-Dateisysteme bietet weitgehend dieselben
Funktionen wie das Windows-Tool. Sie ist zudem in der Lage, ein Volume auch bei beschädigter
Inode-Liste wiederherzustellen. Bislang ist es nicht möglich, die Werkzeuge remote einzusetzen und
Daten von entfernten Rechnern wiederherzustellen. Deshalb ist die Suite vor allem für kleinere
Unternehmen interessant, bei denen die PCs und Server vor Ort administriert werden.

Fazit

Nachbessern sollte Stellar Information Systems die deutsche Version des CD-ROM-Tools, die
aufgrund einer schlechten Übersetzung bislang nicht vernünftig einsetzbar ist. Lästig ist auch,
dass sich die Größe der Programmfenster nur unzureichend oder gar nicht anpassen lässt. Abgesehen
von diesen Schwachpunkten stellen die drei Tools eine übersichtliche und einfach zu bedienende
Oberfläche bereit, mit der auch weniger erfahrene Administratoren schnell zurecht kommen dürften.
Die Wiederherstellung von versehentlich gelöschten oder beschädigten Dateien wird damit fast zum
Kinderspiel. Da die Datenrettung auf jedem System lokal erfolgen muss, eignet sich die Suite vor
allem für kleinere Netzwerkumgebungen.

Die Preise für die Phoenix Recovery Suite beginnen bei etwa 250 Euro (Single-User-Lizenz).
Stellar bietet Demoversionen zum Herunterladen an, mit denen sich vorab überprüfen lässt, ob die
Software in der Lage ist, bestimmte verlorene oder beschädigte Daten wieder herzustellen .

Info: Stellar Information Systems Tel.: 0091/9350849063 Web:
www.stellarinfo.com

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