Immer kleiner, immer schlanker – das ist der Trend bei Thin Clients (TCs): Dank Miniaturisierung gibt es TCs, die im Steckdosenformat Platz finden (der „Jack PC“ von Chip PC); das System-on-a-Chip-Design (SoC) wird in der Branche künftig für weitere Kompression der Komponenten sorgen. In Kombination mit Streaming-Lösungen wiederum können die TC-Hersteller nicht nur auf Festplatten, sondern zudem auch auf Flash-Speicher verzichten und so die schlanken Endgeräte nochmals abspecken (so bei Wyses Zero Clients oder dem Sun Ray von Sun Microsystems). Während bei den Fat Clients, also PCs, ebenfalls eine Tendenz zur Miniaturisierung von Bauteilen vorherrscht und Streaming-Lösungen auch hier die Anwendungsausführung logisch von der Hardware trennen, gibt es am TC-Markt aber auch Ausreißer, mit denen die „dünnen“ PC-Alternativen optisch und technisch ihre Diät unterbrechen.

So hat der deutsche Anbieter Igel – der hier neuerdings auf die Zusammenarbeit mit Samsung setzt – die integrierten TC-/Display-Kombinationen der Elegance-Serie um die neuen Modelle 9319 LX (mit Linux) und 9619 XP (mit Windows XP Embedded) erweitert. Die integrierten TCs – laut Hersteller „für den kundenwirksamen Einsatz am Point of Sale oder für Räume mit begrenztem Platzangebot“ gedacht – weisen LCDs mit stolzen 19 Zoll Bilddiagonale auf – und sind damit für TC-Verhältnisse doch eher „kundenwirksam“ als platzsparend. Die Platzersparnis ergibt sich allerdings aus dem Vergleich zum PC: Es steht keine Kiste unter dem Schreibtisch oder der Verkaufstheke, und manch ein Kabel, insbesondere jenes für den Display-Anschluss, kann entfallen. Die Geräte mit dem AMD-Geode-CPUs NX-1500 mit 1 GHz bieten eine umfangreiche Softwareausstatttung (in Igels Marketing-Slang „Digital Services“ genannt): Citrix ICA 10, Microsoft RDP 6, einen Leostream-Client für den Zugriff auf virtuelle Desktops, Terminalemulationen, Browser, Multimedia-Player, einen VoIP-Client für IP-Telefonie via TC sowie einen Cisco-VPN-Client. Erhältlich sind die Geräte ab 739 Euro. Neu ist bei Igel zudem erstens die Einbindung der Treiber für die Philips-Diktierlösung Speechmike in ihre Linux-Firmware zum Beispiel für die digitale Diagnoseaufzeichnung im Krankenhaus sowie zweitens die Integration des Winconnect-RDP-Clients für die Authentifizierung von RDP-Sitzungen via Smartcard.

Wyse Technology wiederum hat die Verfügbarkeit seiner seit Herbst 2006 in den USA erhältlichen Gerätefamilie Wyse G Class in Deutschland bekanntgegeben. Auch der Wyse G90 ist kein typischer handelsüblicher TC, stellt er doch in seinem Videorecorder-ähnlichen Gehäuse Anschlüsse für DVD/CD-ROM, Festplattenlaufwerk und Diskettenlaufwerk sowie einen PCI-Erweiterungs-Slot bereit. Wyse betont jedoch, der G90 mit seinem 1,2 GHz Via-C7-Prozessor und TC-Board sei kein „Fat Client“, sondern lediglich ein TC für Spezialanwendungen, so zum Beispiel für den Betrieb eines Scanners am TC, den Einsatz für Digital Signage (also digital mit Inhalten versorgte Werbe- oder Informations-Displays) sowie für die Auswertung von Bilddatenbeständen wie beispielsweise Daten von Überwachungs- oder Kontrollkameras.

Die Wyse G Class bietet über den standardmäßigen Dual-Display-Support hinaus per zusätzlichem Adapter die Option, bis zu sechs Bildschirme zu unterstützen. Diesen Mehrfach-Bildschirmbetrieb ermöglicht softwareseitig die Wyse TCX-Multi-Display-Software. Ebenfalls optional erhältlich ist zudem eine TCX-Multimedia-Software, die RDP um die beschleunigte Darstellung von Multimediainhalten ergänzt – bislang ein Stolperstein für TC-Projekte. Neben dem G90 umfasst die Familie auch den G00 Zero Client, Wyses Endgerät, das zusammen mit der WSM Provisioning Software ein Streaming-Umgebung mit verwaltungsfreien Clients bildet. Wyses Preisempfehlung für den G90 mit XP Embedded liegt bei 497 Euro.

LANline/wg