Für Veeam hat das Jahr mit zahlreichen Neuerungen angefangen. So hat der Cloud-Daten-Management-Anbieter Anfang März den Abschluss der im Januar angekündigten Übernahme durch den Investor Insight Partners für fünf Milliarden Dollar bekannt gegeben. Die US-amerikanische Venture-Capital-Gesellschaft sei schon seit der ersten Mindestbeteiligung im Jahr 2013 ein zuverlässiger Partner des Softwareunternehmens gewesen, teilte Veeam vor einigen Wochen mit.

Für Europa habe die Übernahme jedoch keine Auswirkungen, wie Gerald Hofmann, Vice President Central EMEA bei Veeam, bei einem Presse-Roundtable in München erläuterte. Die Strukturen in Europa und in den USA sollen bestehen bleiben, lediglich das Management der globalen Organisation ändere sich und werde amerikanischer, weil Insight Partners in den USA sitzt – so die Begründung. „Wir haben in Europa unter der Leitung von Daniel Fried ein starkes Management, das wird sich nicht ändern“, unterstrich Hofmann. Neben den Änderungen im globalen Führungsteam, soll jedoch der Hauptsitz der Firma von Baar in der Schweiz in die USA verlegt werden. Die technische Assets und die Entwicklung sollen unangetastet bleiben. Da der Softwareanbieter jedoch im US-Markt auch Bundesbehörden als mögliche Kunden sieht, schließt Hofmann nicht aus, dass „einige Themen in die USA wandern könnten“, um rechtliche Auflagen zu erfüllen.

Sinn und Zweck der Übernahme sei ganz klar der Ausbau des US-Geschäfts. In der EMEA-Region hat sich das Unternehmen laut Hofmann in den letzten zehn Jahren zum Marktführer entwickelt. Nun will der Cloud-Daten-Management-Spezialist auch in den USA eine Führungsposition einnehmen. Dabei soll auch das umfangreiche Release des Flaggschiff-Produkts Availability Suite Version 10 eine zentrale Rolle spielen (LANline berichtete: lanl.in/2UZsGgO).

In der Summe hat Veeam mit der Version 10 seiner Availability Suite nach eigenen Angaben über 150 neue Funktionen und Erweiterungen eingeführt. Bild: Veeam

Als Cloud-Daten-Management-Anbieter fokussiert sich Veeam mit seinem Gesamtportfolio auf drei Säulen: Verfügbarkeit der Daten und Mobilität der Daten über verschiedene Plattformen und Umgebungen hinweg sowie Daten als Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg (Re-use of Data). Wichtig seien jedoch auch die Technikpartnerschaften mit anderen Herstellern, allen voran Storage-Anbietern, wie Hofmann weiter ausführte. Diese seien zum einen wichtig, um einen Vendor-Lock-in des Kunden zu vermeiden, zum anderen komme Veeam über diese Partner aber auch in Großprojekte hinein, „in die wir normalerweise nicht hineingekommen wären“, so Hofmann weiter. Neben v10 hat Veeam in der jüngsten Vergangenheit noch weitere neue Produkte und Software-Updates gelauncht, darunter Backup for AWS, Backup for Azure (für 2020 geplant), Availability Orchestrator v3 und Service Provider Console v4. Das größte Wachstum verzeichnet der Hersteller derzeit jedoch mit seiner Lösung „Backup for Office 365 v4“.

Anwender erwarten eine allumfängliche Lösung

Mit der Availability Suite v10 setzt Veeam auf ein leistungsfähiges NAS-Backup, eine Multi-VM Instant Recovery und auf Datensicherheit, was vor allem den Ransomware-Schutz betrifft, erläuterte Thomas Sandner, Director Technical Sales CEMEA bei Veeam, gegenüber den Pressevertretern. Vor allem gegen das NAS-Backup hat sich der Softwareanbieter lange gewehrt, „da wir aus der virtuellen Welt kommen“, erklärte er. Die Einbeziehung von NAS-Backup und damit der physischen Welt sei jedoch nicht mehr vermeidbar gewesen. „Unsere Kunden erwarten eine allumfängliche Lösung“, begründete der Veeam-Mann den Schritt. Ferner stellt das große Datenwachstum, allen voran das von unstrukturierten Daten, Unternehmen vor große Herausforderungen. Schließlich müssen Unternehmen immer größere Datenmengen in möglichst kurzen Backup-Intervallen rechtssicher speichern können, so Sandner.

Beim nun eingeführten NAS-Backup handelt es sich laut Hersteller um eine eigene scale-out Datenbank, die für die Handhabung solcher Datenmengen entwickelt wurde. Sie unterstützt zudem verschiedene große Systeme, (SMB, NFS, Windows File Server oder Linux File Server). Da 80 bis 90 Prozent der Daten sich gar nicht ändern, arbeitet Veeam mit einem inkrementellem Backup. Der Hersteller hat einen sogenannten „Change File Tracking“-Logarithmus entwickelt, der über Hashwerte feststellen soll, welche Daten sich überhaupt verändert haben. Auf diese Weise sichert v10 nur veränderte Daten ab.

Des Weiteren bietet die Suite die Erstellung von Snapshots an. So sei etwa die Wiederherstellung von Dateien, Ordnern oder Volumes zu einem speziellen Zeitpunkt möglich. Damit keine Datei-Locks entstehen, lassen sich diese Snapshots auch von Sekundärsystemen oder aus dem Backup wiederherstellen. Mit v10 ist es laut Hersteller nun möglich, eine Instant Recovery von jedem Backup von jeder Plattform, egal ob Cloud, virtuell oder physisch, auf VMware vSphere durchzuführen.

Die Wiederherstellung von virtuellen Maschinen direkt aus dem Backup gehört schon länger zum Funktionsumfang der Availability Suite. Neu ist laut Sandner nun, dass sich auch komplexe Anwendungen, etwa Datenbanken, mit v10 wiederherstellen lassen. Auch die Wiederherstellung mehrerer VMs in einem Arbeitsgang sei nun möglich. Hier sei problematisch, dass die Backup-Dateien in der Regel aus Kostengründen auf langsameren Speicher abgelegt sind. Um die Performance zu beschleunigen, nutzt der Hersteller daher den Hauptspeicher des vorliegenden Backup-Systems für ein „intelligentes Caching“. Auf diese Weise kann laut Hersteller eine vSphere-Instanz alle Workloads sowie mehrere VMs parallel wiederherstellen und komplexe Anwendungen schneller aus dem Backup starten.

Portabilität von Workloads und Daten

Die Portabilität von Workloads und Daten über verschiedene Cloud- und Betriebsplattformen hinweg ermöglicht es Veeam ebenfalls, beim Thema Datensicherheit und Schutz vor Ransomware neue Optionen bereitzustellen. Hier legt der Hersteller nach eigenen Angaben weiterhin einen großen Wert auf die 3-2-1-Regel. Diese besagt, dass es drei Kopien der Daten geben soll, wovon zwei auf unterschiedlichen Speichermedien, etwa in der Cloud oder On-Premises, und eine an einem externen Ort offline gespeichert werden.

„In der Vergangenheit war für die Offline-Kopie häufig Tape die einzige Möglichkeit“, berichtete Sandner. Jetzt komme hierfür jedoch auch Object Storage in Frage, der eine höhere Zuverlässigkeit und einfachere Handhabung umfasst. So biete AWS mit Object Lock beispielsweise einen Object Storage mit WORM-Funktion an, der verhindert, dass absolut niemand – was auch den Root-Account mit einschließt – über den festgelegten Zeitraum die Daten verändern oder löschen kann. „Diese Technologie kommt einer Offline-Kopie schon sehr nahe. Da auch einige On-Premises-Ansätze Amazons Object Lock unterstützen, sehen wir das als Tape-Alternative“, sagte Sandner.

Für die Sekundäre Datennutzung bietet der Cloud-Daten-Management-Anbieter zudem verschiedene Funktionalitäten mit v10 an. In vorherigen Versionen ist es möglich gewesen, etwa Backup-Daten in Sandboxen zu starten, um auf diesen Daten basierend etwa Lehrgänge oder Tests vor Updates durchzuführen. Mit dem neuen Release sei die Suite in der Lage, einzelne Festplatten aus dem Backup heraus „irgendwo“ beliebig zu mounten. Dies kann laut Sandner beispielsweise eine VM mit einem Virenscanner sein, der dann die Festplatte analysiert. „Auf diese Weise kann eine Firma mehrere Antiviren-Lösungen parallel kostengünstig betreiben und gezielt wichtige Daten aus dem Backup analysieren oder testen, ohne dies im laufenden Produktionsbetrieb zu tun“, erklärte der Veeam-Mann weiter.

In der Summe hat Veeam mit der Version 10 seiner Availability Suite nach eigenen Angaben über 150 neue Funktionen eingeführt. Weitere Informationen hierzu finden sich unter go.veeam.com/v10-de.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.