PoE in IT und Industrie

Mehr als Strom aus dem Ethernet-Kabel

18. Mai 2012, 06:00 Uhr   |  Dietmar Spehr/jos, ist freier Journalist in München

Mehr als Strom aus dem Ethernet-Kabel

Bei einem korrekten Einsatz senkt der Power-over-Ethernet-Standard die Energiekosten und erleichtert das Administratorleben. Die Idee, Strom und Informationen über ein einziges Kabel zu übertragen, ist so genial wie simpel. Moderne Switches erlauben aber durchaus mehr, als die Stromversorgung aus der Ferne.Wenn es um die Stromversorgung von Netzwerkkomponenten an unzugänglichen Stellen ging, hat Power over Ethernet seit der Standardisierung im Jahr 2003 viele Vorteile ausgespielt. So lassen sich beispielsweise WLAN-Zugangspunkte und andere Komponenten ohne umständliche Stromkabelinstallationen auf weitläufigen Firmengeländen realisieren. Nach dem seit 2009 verabschiedeten Standard IEEE 802.3at sind heute über ein einfaches Kategorie-5-Kabel immerhin bis zu 30 Watt übertragbar. Auch jenseits solcher "Spezialanwendungen" hat sich die Technik erheblich weiterentwickelt. Konsequent eingesetzt bietet sie heute beträchtliches Potenzial, um Unternehmensnetz und Infrastruktur wesentlich effizienter zu betreiben.

Dabei ist der Grundgedanke frappierend einfach: So wie die Technik bereits in vielen Fernsehern und Stereoanlagen in der Nacht die Stromzufuhr kappt, um "Standby-Strom" zu sparen, kann auch das Unternehmen seine nicht benötigten Geräte außer Betrieb nehmen. Was im Heimbereich kleinere zweistellige Beträge einspart, summiert sich in großen Organisationen schnell zum erheblichen Kostenfaktor.

Ein Rechenbeispiel zeigt das Potenzial dieser Technik: In einer Firma kommunizieren die rund 200 Angestellten über eine moderne VoIP-Telefonanlage. Jedes Telefon verbraucht dabei zwischen zwei und sieben Watt Leistung pro Tag - auch wenn es gar nicht zum Einsatz kommt. Ein solcher Betrieb könnte die Power-over-Ethernet-Technik nutzen, um nicht benötigte Geräte über Nacht vom Netz zu nehmen. Es wäre technisch kein Problem, die Leitungen zwischen acht Uhr am Abend und sieben Uhr am Morgen sowie am Wochenende auszuschalten. Ein Unternehmen dieser Größe könnte innerhalb eines Jahres so rund 9.000 Kilowattstunden Strom sparen - und damit etwa 1.800 Euro.

Doch nicht nur als Mittel für mehr Energieeffizienz ist Power over Ethernet eine gute Wahl. Das Aus- und Wiederanschalten von einzelnen Geräten ist in vielen Fehlersituationen eine gleichermaßen pragmatische wie effiziente Lösung zur Problembehebung. PoE-Installationen ermöglichen diesen Schritt mit wenigen Mausklicks vom Arbeitsplatz des IT-Verantwortlichen aus.

Power over Ethernet schützt außerdem vor Missbrauch in Unternehmen. Kontrolliert abgeschaltete Endsysteme wie Telefone oder WLAN-Zugangspunkte verhindern ausgesprochen effektiv die unerlaubte Benutzung der Ressourcen. Für Unternehmen ergibt sich dadurch zum einen der Vorteil, dass unnötige Kosten durch unerlaubten Gebrauch entfallen. Zum anderen ist es nicht möglich, schädliche Software über das WLAN ins Unternehmensnetz einzubringen.

Ganz ohne Tücken ist die stromkabellose Technik trotz aller Vorteile nicht. So läuft normalerweise die Spannung über die gleichen Adern innerhalb eines Kabels, über die auch die Daten gehen. Damit ergibt sich für Hersteller von Endgeräten wie Videokameras und Telefonen das Problem der Trennung dieser Spannung von den Daten, was über einen Splitter geschieht. Dadurch sind diese Komponenten teurer, grösser und auch fehleranfälliger.

Einen anderen Ansatz verfolgen Hersteller wie Allied Telesis. Er hat Geräte im Angebot, bei denen die Spannung über so genannte "Spare Pairs" läuft. Dabei handelt es sich um Adern im Kabel, die für den Datentransport nicht genutzt werden. Ein eigener Splitter im Endgerät ist dadurch nicht erforderlich. Diese Technik kann dann ins Spiel kommen, wenn vorhandene Installationen von Haus aus kein PoE unterstützen. Kompakte Splitter versorgen einzelne Geräte so aus der Ferne mit Strom. Damit soll es kleineren Firmen möglich sein, einzelne Komponenten wie Überwachungskameras nachträglich zentral zu versorgen.

Nach dem seit 2009 verabschiedeten Standard IEEE 802.3at lassen sich heute über ein einfaches Kategorie-5-Kabel bis zu 30 Watt übertragen. LANline.

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