VMware expandiert mit seinem Hosted-Private-Cloud-Angebot „VMware Cloud auf AWS“ nach Europa: Ab sofort gibt es VMware Cloud auf AWS aus der AWS-Region EU (London) heraus, ein Hosting in Frankfurt soll folgen. Neben dem Ausbau der Partnerschaft mit dem vormaligen Wettbewerber AWS stellte VMware eine Reihe von Neuerungen vor, um die Migration auf die Cloud-Plattform ebenso zu erleichtern wie den sicheren Betrieb der Hybrid-Cloud-Umgebungen. Zugleich erweitert der Anbieter sein Partnerprogramm, um seine Cloud-Strategie zu befördern.

Aufbau von VMware Cloud auf AWS. Bild: VMware

Aufbau von VMware Cloud auf AWS. Bild: VMware

VMware Cloud auf AWS zielt darauf ab, den IT-Organisationen eine konsistente Hybrid-Cloud-Umgebung zu liefern, in der sie Workloads problemlos zwischen Private Cloud und Public Cloud migrieren und sie ebenso einfach wie sicher betreiben können. Dazu vereint diese Cloud-Architektur die Private-Cloud-Funktionen und -Management-Tools von VMware mit dem umfangreichen Public-Cloud-Portfolio von AWS. Das Feature Set soll dabei alles von Compute-Ressourcen, Datenbanken und Analytics-Funktionen bis hin zu Virtual Desktops, Mobility-, Application- und IoT-Services (Internet of Things) abdecken – laut VMware explizit einschließlich des Betriebs unternehmenskritischer Workloads in der Public Cloud.

Als Haupteinsatzfälle sieht man bei VMware vorrangig drei Szenarien:

* die Migration von Unternehmens-Workloads in die Cloud, sei es zur applikationsspezifischen oder unternehmensweiten Umsetzung einer „Cloud First“-Strategie,
* die Erweiterung von Unternehmens-RZ-Infrastrukturen um On-Demand-Kapazitäten in der Cloud, zum Beispiel für Lastspitzen oder Entwicklung und Testing, sowie
* Disaster-Recovery-Szenarien, um durch DR-Ressourcen in einer Hosted Private Cloud den Aufbau eines dedizierten Ausfallrechenzentrums zu vermeiden.

Als weiteren Einsatzfall nannte der Anbieter den Betrieb virtueller Desktops mittels der hauseigenen VDI-Lösung (Virtual Desktop Infrastructure) Horizon in VMware Cloud auf AWS. Dies befindet sich derzeit aber noch in der Preview-Phase.

Zeitgleich mit dem Ausdehnen der Reichweite des Hybrid-Cloud-Angebots auf Europa stellte VMware diverse Erweiterungen und Verbesserungen vor:

Streched-Cluster-Unterstützung soll für Hochverfügbarkeit sorgen. Bild: VMware

Streched-Cluster-Unterstützung soll für Hochverfügbarkeit sorgen. Bild: VMware

Für den Betrieb unternehmenskritischer Applikationen in der VMware Cloud auf AWS verspricht VMware mittels Stretched Clustering Hochverfügbarkeit („Zero RPO High Availability“; RPO: Recovery Point Objective) über die AWS-typischen Availability Zones (AZs) hinweg. Ein Stretched Cluster verteilt die Cluster-Ressourcen über mehrere AZs, und dies, so betont VMware, ohne Veränderungen an der Applikation zu erfordern.

Datenintensive Workloads profitieren laut dem Virtualisierer nun von den hauseigenen vSAN-Verfahren für Datenkomprimierung und -deduplizierung. Dadurch könne eine IT-Organisation den benötigten All-Flash-Speicherplatz praktisch halbieren und somit die Kosten deutlich senken.

Zudem soll VMware vMotion for Workload Migration für die einfache Verlagerung von Arbeitslasten von der lokalen in die AWS-basierte Umgebung sorgen. VMware hat auch angekündigt, dass künftig vMotion zwischen Hosts in einem Stretched Cluster und damit über AZs hinweg möglich sein wird.

Zur Vereinfachung von Cloud-Migration und -Betrieb integriere sich VMware Cloud auf AWS in AWS CloudFormation und Hashicorps Terraform. Damit, so VMware, könne eine IT-Organisation ihre Provisionierung mit den vertrauten DevOps-Tools durchführen. Mit einem eigenen Developer-Center will man Ressourcen für Entwickler bündeln und bereitstellen.

Auf Netzwerkebene soll VMwares Netzwerkvirtualisierung NSX für die schnelle Verknüpfung von Umgebungen sorgen. Dazu bietet VMware die Tools Tunnel Status Monitor, Connectivity Checker und Firewall Rule Accelerator.

Mit diesem Release gibt es für VMware Cloud auf AWS nun zudem Support für die VMware-Management-Tools Cost Insight und Log Intelligence. Die SaaS-Lösung Cost Insight dient dazu, die Kosten einer Cloud-Migration auf der Basis von vCenter-Inventardaten zu ermitteln. Log Intelligence soll dies um Echtzeitdaten aus Audit-Logs auf Infrastruktur und Applikationsebene ergänzen

Bei VMware weiß man, dass man zur Umsetzung dieser Cloud-Strategie auf lokale Partner angewiesen ist. Deshalb baut die Dell-Tochter zugleich ihr Partnerprogramm rund um VMware Cloud auf AWS aus. Dies betrifft das „VMware Solution Provider“- ebenso wie das „VMware Cloud Provider“-Programm und umfasst Training, finanzielle Anreize sowie Zugriff auf Technik- und Marketing-Unterlagen.

Per Pod-Architektur will VMware die Migration virtueller Desktops zwischen lokaler und Cloud-Umgebung erleichtern. Bild: VMware

Per Pod-Architektur will VMware die Migration virtueller Desktops zwischen lokaler und Cloud-Umgebung erleichtern. Bild: VMware

Nachdem der Virtualisierungsgigant VMware ursprünglich mit vCloud Air als Konkurrent zum Public-Cloud-Schwergewicht Amazon Web Services aufgetreten war, hat er im Sommer letzten Jahres einen Strategiewechsel verkündet: Mit VMware Cloud auf AWS stellte das Softwarehaus ein Angebot vor, das darauf abzielt, die Vorteile der marktbeherrschenden Private-Cloud-Umgebung vSphere mit dem ebenfalls dominierenden Public-Cloud-Portfolio von AWS zu kombinieren. In beiden Bereichen gilt heute Microsoft – mit Hyper-V und Azure – als der einzige direkte Wettbewerber, von der Open-Source-Welt im Enterprise wie auch bei den Service-Providern abgesehen.

Ab sofort verfügbar sind laut VMware-Angaben die „VMware Cloud auf AWS“-Services in der AWS-Region EU (London), vSAN-Deduplizierugn und -Komprimierung sowie die Integrationen in AWS CloudFormation und Terraform. Derzeit noch im Preview-Modus sind die Stretched Clusters für VMware Cloud auf AWS, vMotion zwischen Hosts in Stretched Clusters über AZs hinweg sowie die genannten NSX-Tools und Support für VMware Horizon. Zum Betrieb der Hybrid-Cloud-Umgebung aus dem AWS-Standort Frankfurt heraus hieß es, dieser folge „bald“, einen konkreten Startzeitpunkt nannte VMware jedoch nicht. Sobald das VMware/AWS-Angebot in Frankfurt verfügbar ist, bekommt somit die „Azure Deutschland“-Cloud von Microsoft und T-Systems prominente Konkurrenz.

Weitere Informationen finden sich unter cloud.vmware.com/vmc-aws.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.