Nur wenige Monate nach der US-amerikanischen Mutterveranstaltung eröffnete die europäische Ausgabe der VMworld auf dem neuen Messegelände in Barcelona. Zum 20-jährigen Jubiläum von VMware und dem zehnten Jubiläum der VMware Europe mischten die Veranstalter unter das technikaffine Programm auch philosophische Akzente, etwa in Form eines Gastauftritts der britischen Vorzeigeunternehmerin Martha Lane Fox. Neben schon aus den USA Bekanntem (LANline berichtete) gab es Neues aus dem Umfeld von hybriden Multi-Clouds, Containern, Kubernetes sowie – echte Überraschung – zum Thema Blockchain.

Pat Gelsinger ist sicher kein Asket, aber der innige Wunsch, etwas zu geben, ist im VMware-CEO ganz offensichtlich tief verankert. So spendet er angeblich 50 Prozent seines Jahreseinkommens von acht Millionen Dollar für wohltätige Organisationen. Und diese Lebenseinstellung – wenn du viel hast, dann gib auch viel – portiert er soweit möglich auch auf das Unternehmen, das er leitet. So stellte er entsprechende Aktionen von VMware mit an den Beginn seiner Keynote – gleich nach dem Verweis auf die sehr erfreuliche Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Es ging seit Unternehmensgründung vor 20 Jahren fast kontinuierlich aufwärts – 2018 erreichte der Jahresumsatz knapp acht Milliarden Dollar. Als Beispiel für die „Macht des Guten“ nannte er unter anderem ein mit VMware-Mitteln zum Hospital ausgebautes Schiff, das Kranke ohne Versicherung in Afrika versorgt. Mit den Jahren sollen diese „Mercy Ships“ zur globalen Flotte anwachsen.

Beim bebrillten VMware-Chef mit dem Charme eines Bill Gates kommen solche zum Pathos neigende Ausflüge recht nüchtern und rational daher, vielleicht das Geheimnis, warum die Technologie-Gemeinde im Auditorium aufmerksam bei der Stange bleibt. Er sieht sein Unternehmen als Brückenbauer, der den eigenen Profit und das Wohl des Kunden gleichermaßen anstrebt. Zahlreichen anderen IT-Unternehmen, allen voran denen im Sektor IT-Sicherheit, unterstellt er ein rein profitorientiertes Geschäftsgebaren. Tatsächlich etwas echauffiert moniert er, dass es aufgrund dieser Haltung zwar am Markt von IT-Sicherheitsprodukten nur so wimmele, es an wirklicher Sicherheit aber eklatant mangele. Diese Fehlentwicklung wolle er mit seinem Unternehmen korrigieren: Sicherheit soll als elementares Designziel bei allen Produkten und Services aus dem Hause VMware integriert werden. Als Beispiel nannte er das Anomalieerkennungs-Tool AppDefense, das mit der neuen Version 6.7 Bestandteil von vSphere ist.

Projekt Dimension

Seit Januar 2018 können Unternehmen ihre Rechenzentren und IT-Infrastrukturen in Zweigstellen und Edge-Standorten an die Global-Support-Services-Datenbank (GSS) von VMware anschließen. Man kann den Betrieb in Form eines Managed Services überwachen und auf Probleme unter anderem in Sachen Performance und Sicherheit checken lassen. Die im Projekt Skyline angebotenen Services sammeln dabei ausschließlich anonymisierte Telemetriedaten, die für europäische Kunden in einem VMware-Rechenzentrum in Irland verarbeitet werden. Ziel ist jedoch das völlig selbstorganisierende Rechenzentrum, das Probleme nicht nur allein erkennt, sondern auch automatisch behebt. Im Rahmen einer zur VMworld frisch erweiterten Partnerschaft mit IBM will man nun die GSS-Datenbank an IBMs KI-Maschine (künstliche Intelligenz) Watson anschließen. Der als „Projekt Dimension“ angebotene Service bietet dann auch automatische Response, steuert also den gefundenen Problemen aktiv entgegen.

Das auf der amerikanischen VMworld vor wenigen Monaten angekündigte Projekt Dimension wurde auf der VMworld Europe als Beta-Version präsentiert. Es soll die VMware-Cloud erweitern, um ein Software-definiertes Rechenzentrum (SDDC) in einer hyperkonvergenten Appliance as a Service bereitzustellen.

Im Rahmen der erweiterten Kooperation zwischen VMware und IBM gibt es beispielsweise jetzt ein neues IBM-Service-Angebot zur Migration unternehmenskritischer VMware-Workloads in die IBM Cloud – gezeigt am IBM-Stand auf der VMworld. Bild: Stefan Mutschler

Die Anbindung von VMwares GSS an IBMs Watson ist jedoch nur einer von vielen Aspekten in den Neuerungen der partnerschaftlichen Beziehung zwischen den Unternehmen, wenn auch ein langfristig strategisch sehr wichtiger. Die KI-Technik von Watson soll künftig bei vielen weiteren Services, bei denen die beiden Unternehmen kooperieren, zum Einsatz kommen und die Digitalisierungsprozesse der Kunden beider Unternehmen unterstützen. Akut geht es aber zunächst vor allem um neue Angebote, um die Einführung von hybriden Clouds für Unternehmen zu beschleunigen. So gibt es beispielsweise jetzt ein neues IBM-Service-Angebot zur Migration unternehmenskritischer VMware-Workloads in die IBM Cloud. Mit neuen Kooperationen auf technischer Ebene wollen es die enger gerückten Partner den Unternehmen erleichtern, Anwendungen mit Containern zu modernisieren, unabhängig davon, ob sie im eigenen RZ, in einer Private oder Public Cloud laufen.

Eines der ersten Ergebnisse aus diesen Aktivitäten ist nun, dass sich IBMs Cloud-Service Private Hosted auf VMware vCenter Server in der IBM Cloud installieren lässt. Das soll vor allem die Verwaltung und Orchestrierung von virtuellen Maschinen und Containern innerhalb eines gemeinsamen Sicherheitsmodells und eines privaten Netzwerks erleichtern.

Kubernetes: Programmierers Liebling

Schon seit einiger Zeit bietet IBM einen Cloud-Kubernetes-Service an. Darin ist als weiteres Kooperationeergebnis nun nicht nur der IBM-eigene Cloud-Service Private Hosted integriert, sondern alle „IBM Cloud für VMware“-Lösungen. Dadurch entsteht eine komplett verwaltete Kubernetes-Umgebung, die Entwickler für ihre Anwendungen sofort nutzen können. Auch auf Netzwerkseite ist man um konsistente Lösungen bemüht. Ausdruck findet dies in der Einführung von VMware NSX-T Data Center in IBMs Virtual Cloud Networking. Auf diese Weise entsteht eine Kopplung zwischen Cloud Private und IBMs Cloud-Kubernetes-Services. Die kürzliche Übernahme von Red Hat durch IBM kommentierte VMware durchgehend positiv.

Ein strategisch ebenfalls wichtiger Coup gelang VMware zur VMworld Europe mit der Übernahme des Kubernetes-Pioniers Heptio. „Kubernetes entwickelt sich zu einem offenen Framework für Multi-Cloud-Infrastrukturen, das es Unternehmen ermöglicht, moderne Anwendungen auszuführen“, so Paul Fazzone, Senior Vice President und General Manager der Cloud Native Applications Business Unit von VMware. „Heptio-Produkte und -Services werden VMwares Aktivitäten rund um PKS bei der Etablierung von Kubernetes als De-facto-Standard für die Infrastruktur über Clouds hinweg zusätzlich verstärken. Wir freuen uns sehr, dass das Heptio-Team unter der Leitung von Craig und Joe zu VMware kommt, um Kunden auf ihrem Weg in eine Multi-Cloud-Welt zu begleiten.“

„Es gibt viel zu viele IT-Sicherheitsprodukte und gerade deswegen viel zu wenig Sicherheit“, so Pat Gelsinger, CEO von VMware. Bild: VMware

Der genannte Craig ist Craig McLuckie, CEO und Mitgründer von Heptio. Er gehörte ebenso wie Joe Beda zum Team, das – seinerzeit noch unter Googles Ägide – das Kubernetes-Rahmenwerk mitentwickelt hat. „Das Team von Heptio konzentriert sich auf Kubernetes und die Entwicklung von Produkten, die es erleichtern, mehrere Cluster über mehrere Clouds hinweg zu verwalten“, so McLuckie. „Jetzt können wir auf die Cloud-nativen Ressourcen von VMware und die verlässlichen Fähigkeiten bei der Ausführung zurückgreifen, um unsere Wirkung zu vervielfachen. VMwares Interesse an Heptio zeigt, wie viele Innovationen gerade im Open-Source-Bereich stattfinden. Wir sind gemeinsam bestrebt, noch mehr zur Unterstützung der Community beizutragen.“

Die Transaktion wird VMware voraussichtlich im vierten Quartal 2019 abschließen, vorbehaltlich der üblichen Abschlussbedingungen und behördlichen Genehmigungen. Es wird nicht erwartet, dass diese Akquisition einen wesentlichen Einfluss auf das operative Ergebnis des Geschäftsjahres 2019 haben wird. Der Name Heptio soll übrigens künftig verschwinden – die Produkte werden in VMware/Pivotal PKS aufgehen.

Eine kleine Überraschung bot die VMworld Europe mit der Ankündigung, dass VMware sich ab sofort des Themas Blockchain annehmen will – und zwar auf auf „unternehmensgerechter“ Ebene. Will heißen: Es soll eine komplett neue Blockchain-Generation entstehen, die durch einen intelligenten Unterbau unter anderem die bisherigen Probleme bei Skalierbarkeit, Verwaltung und Sicherheit lösen und nicht zuletzt auch den Energieverbrauch senken soll. Der Hintergrund: Viele Unternehmen arbeiten derzeit daran, Ressourcen für Einsatz und Verwaltung von Blockchain zu finden und die neue Technologie in die Gesamt-IT-Strategie zu integrieren. VMwares Blockchain kommt als Service, der zugelassene Blockchains für Unternehmenskonsortien bereitstellt. Nach und nach will man den Service in bestehende VMware-Tools integrieren, um Netzwerk- und Rechenleistungsfunktionen zu schützen, die einer Enterprise Blockchain zugrunde liegen.

Für die Entwicklung der Blockchain arbeitet VMware mit Partnern wie Dell Technologies, Deloitte und WWT zusammen. Im Rahmen der erweiterten Partnerschaft mit IBM sollen „IBM Cloud für VMware“-Lösungen die VMware-Blockchain unterstützen. Technisch soll die neue Blockchain die Herausforderungen in drei Kernbereichen angehen:

  • dezentrales Vertrauen mit der Möglichkeit, Knoten in verschiedenen Cloud-Umgebungen einzusetzen, einschließlich lokal verwalteter Knoten,
  • robuste Funktionen, die im Laufe des Blockchain-Betriebs wichtig sind, unterstützt durch Bereitstellung der Blockchain als verwaltete SaaS-Plattform und
  • einheitliche Benutzeroberfläche für eine nahtlose Integration mit Monitoring- und Auditing-Tools.