Die Situation auf dem Markt für Internetverbindung ändert sich derzeit massiv. In der Folge müssen manche Anbieter ihre Geschäftsmodelle überdenken. Den Hostern und Colocation-Anbietern spielt die Situation dagegen eher in die Hände.

Vor Kurzem legte der Colocation-Spezialist Equinix seinen neuen Global-Interconnection-Index vor. Die Studie, die alle paar Jahre durchgeführt wird, zeigt: Direkte, private und verschlüsselte Verbindungen zwischen einzelnen Akteuren direkt im Colocation-Rechenzentrum boomen. Kein Wunder: Auf ihnen gibt es weniger Chancen für Hacker und kaum Verzögerung. Wer massenweise Daten beispielsweise mit einem Zahlungs-Provider auszutauschen hat, eine digitale Verkehrssteuerung oder die Just-in-Sequence-Belieferung von ganzen Produktionsstraßen realisieren muss, dem ist besser mit einer Kurzstreckenverbindung in einem von vornherein geschützten Rahmen gedient als mit anderen Verbindungstypen. Gerade die neu entstehenden, durch Big Data, IoT und ähnliche Technik realisierbaren Business-„Ökosysteme“ brauchen eine sichere und möglichst verzögerungsfreie Kommunikationsbasis, die sich durch Private Network Interconnections (PNI) wohl am besten realisieren lässt. Das Gleiche gilt auch für die Zusammenführung der internen Datenschätze weit verteilter Konzernimperien.

Die Zahlen sprechen für sich: Die aktuelle Untersuchung basiert auf Daten aus dem Jahr 2017 und prognostiziert Daten zum Interconnection-Volumen 2021. Dieses soll sich bis dahin weltweit auf 8.200 TBit/s Bandbreite etwa vervierfachen, wobei die USA besonders stark zulegen. Enterprise-PNIs wachsen stärker als die zwischen Providern.

Betrachtet man, wer sich in digitalen Ökosystemen vernetzt, finden sich die stärksten Prognosen hinsichtlich der prozentualen Zunahmen an PNI-Kapazität wie zu erwarten bei den Cloud- und IT-Providern sowie bei Partnern aus der Lieferkette von Unternehmen. Weniger schnell wächst die PNI-Kapazität von Content-Providern. Viele von ihnen haben bereits Caching-Infrastrukturen aufgebaut, um die Daten in die Nähe der Verbraucher zu bringen.

Auch Branchen wie Energie und Finanzen bauen ihre Interconnection-Kapazität in den kommenden Jahren massiv aus. Telekommunikations- und Cloud-Provider sind auf diesem Weg schon ein ganzes Stück vorangeschritten und erweitern dennoch weiterhin ihre Kapazitäten stark. Bild: Equinix

Geografisch betrachtet soll die PNI-Bandbreite im Prognosezeitraum in Lateinamerika am stärksten zulegen, nämlich um 59 Prozent im jährlichen Durchschnitt bis 2021. Freilich ist hier die Ausgangsbasis mit 118 TBit/s Bandbreite 2017 am kleinsten. Der asiatisch-pazifische Raum legt im Durchschnitt um 51 Prozent jährlich zu (2017: 430 TBit/s, 2021: 2.220 TBit/s). Für Europa prognostiziert Equinix 48 Prozent Durchschnittswachstum pro Jahr und für 2021 eine Interconnection-Bandbreite von 1.921 TBit/s. Die USA hatten 2017 754 TBit/s Bandbreite, 2021 sollen es 3.318 TBit/s sein, als Wachstumsrate nennt Equinix „nur“ 45 Prozent jährlich.

Die Bedeutung von PNI zeigt sich auch in den Wachstumsraten für PNI-Kapazitäten bei Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Die höchste Gesamtwachstumsrate in den Jahren zwischen 2017 und 2021 hat global die Energie- und Versorgungswirtschaft mit 73 Prozent. Dafür gibt es sehr plausible Gründe. So müssen in Deutschland unter den Bedingungen des Gesetzes über kritische Infrastrukturen schnell Smart Grids aufgebaut werden. Wegen der nötigen Energiewende sieht es in anderen Ländern ähnlich aus. Um 70 Prozent legt die installierte Interconnection-Kapazität im Gesundheitswissen und den Biowissenschaften zu. Wachstumsraten zwischen 60 und 70 Prozent erreichen Banken und Versicherungen, Wertpapierhandel, Groß- und Einzelhandel sowie der staatliche und der Bildungssektor. Der Fertigungssektor kommt immerhin auf 56 Prozent.

Auch die Kenndaten der Anwenderunternehmen spielen bei der PNI-Intensität eine Rolle. Laut Equinix werden Unternehmen ihre Interconnection-Bandbreite je 500 Mitarbeiter bis 2021 vervierfachen, bei Standorten in mehr als fünf Ländern verachtfachen und bei Ausgaben von mehr als 50.000 Dollar pro Monat für IT-Services verneunfachen. Einen besonders bandbreitenintensiven dezentralen IT-Service bilden dabei Web Application Firewalls.

Insgesamt spielt die Situation den Hostern in die Hände. Andere Verbindungsmodelle wie das boomende PNI-Geschäft und das ebenfalls recht erfolgreiche Caching nagen dagegen an den einst so satten Pfründen der Peerer.

Ariane Rüdiger ist freie Journalistin in München.