Backup und Wiederherstellung müssen heutzutage immer flexibler sein. Neue und bereits implementierte Anwendungen und Systeme verlangen im Zweifelsfall immer nach der Hochverfügbarkeit von Daten und Anwendungen und erhöhen die Komplexität der Datensicherung. Zentral verwaltete umfassende Lösungen helfen dabei, die verschiedensten Verfügbarkeitskriterien zu erfüllen.

Laut einer von Arcserve im Herbst 2018 beauftragten und von May Hill Strategies durchgeführten Studie unter 759 Entscheidern in den Vereinigten Staaten (253), Großbritannien (251) und Deutschland (255) steigen sowohl die Komplexität als auch die Anforderungen an Sicherung und Datenwiederherstellung von Informationen, Daten und Anwendungen. 93 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass Unternehmen allerhöchstens minimale Datenverluste bei ihren unternehmenskritischen Anwendungen hinnehmen können – wenn überhaupt. Fast jeder Zweite – 49 Prozent – erklärte, ihm bliebe weniger als eine Stunde, um Informationen wiederherzustellen, bevor der Ausfall den Umsatz beeinträchtigt. 64 Prozent sagten aus, dass in den letzten fünf Jahren der Schutz unternehmenskritischer Daten nicht einfacher geworden ist. 47 Prozent machen zusätz­liche oder separate Backup-Lösungen für zunehmende Komplexität verantwortlich.

IT-Administratoren stehen vor der Aufgabe, die unterschiedlichsten Daten, Systeme sowie Anwendungen in multigenerationalen IT-Infrastrukturen hochverfügbar, hocheffizient, kompatibel und nach wirtschaftlichen Prioritäten zu sichern und die Verfügbarkeitsvorgaben ständig zu überprüfen. Nicht alle Unternehmen können aber mit bestehenden Ressourcen jede Verfügbarkeitsanforderung abbilden und müssen deshalb Schwerpunkte setzen. Je nach Anwendung und Information kommt es entweder auf eine schnelle Wiederverfügbarkeit der Anwendung – ein niedriges Recovery Time Objective (RTO) – oder eine Wiederherstellung möglichst aktueller Daten – ein niedriges Recovery Point Objective (RPO) – an.

Ob für eine Anwendung beziehungsweise Information das RTO oder das RPO entscheidend ist, hängt von der zu sichernden Anwendung ab. Schon kleine Verluste von Daten in einer Kundendatenbank können zum Beispiel fatal sein, weil damit auch der Kunde verloren geht oder sich etwa DSGVO-Verpflichtungen gar nicht mehr erfüllen lassen. In diesem Fall verlangt das Unternehmensinteresse ein niedriges Recovery Point Objective – also einen kurzen Zeitraum, der zwischen den Datensicherungen liegen darf, um möglichst vollständige und aktuelle Systemzustände wiederherstellen zu können.

Dagegen muss ein Onlineshop schnell wieder funktionieren, um neuen Umsatz zu generieren, während sich Lücken in der Dokumentation vielleicht eher verschmerzen lassen. Hier gewährleistet dann ein niedriges Recovery Time Objective – also die Zeit, die vom Eintritt des Schadens bis zur vollständigen Wiederherstellung des Systems höchstens vergehen darf – die schnelle Wiederverfügbarkeit der Anwendungen.

Risikoprofile definieren

Die Frage, ob sich die Service Level Agreements (SLAs) nach RTO oder RPO richten sollen, ist also nicht eindeutig zu beantworten. In der Arcserve-Studie war für jeden Vierten das Recovery Time Objective wichtiger, für 22 Prozent das Recovery Point Objective, für die Mehrheit (53 Prozent) beides gleichermaßen. RTO und RPO auf den Minutenbereich zu reduzieren, ist für viele, insbesondere mittelständische Unternehmen aber nicht immer möglich. Organisationen sollten daher vor der Entscheidung für Anwendungen und Informationen Risikoprofile festlegen. Diese definieren das Risiko, welches Unternehmen für jede Anwendung oder jedes System zulassen können. Einzurechnen ist dabei auch die Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Eintritts der Verfügbarkeitsrisiken.

Letztlich stehen Administratoren aber unter Druck, immer neu definierte, in der Regel steigende Anforderungen an die Verfügbarkeit technisch umzusetzen. Hohe Anforderungen an die Flexibilität in immer komplexeren Infrastrukturen verlangen nach einer einfachen, aber umfassenden und zentral zu verwaltenden Lösung, um die verschiedensten Anforderungen mit möglichst wenig Verwaltungsaufwand erfüllen und an neue An­forderungen anpassen zu können.

Gesamtlösung für Backup und Recovery über eine Appliance. Bild: Arcserve

Zentrale Lösungen bieten die notwendige Einfachheit, um effektiv Informationen zu archivieren und Anwendungen hochverfügbar zu halten. Nicht wenige Probleme und Herausforderungen ergeben sich nämlich aus dem parallelen Betreiben von verschiedenen Backup-Lösungen. Zudem unterstützen Sicherungs- und Wiederherstellungsplattformen zahlreiche Anforderungen. Sie ermöglichen sowohl die Archivierung etwa von Informationen in E-Mails, um Kundeninformationen zu sichern oder auch um Kundendaten konform mit der Datenschutz-Grundverordnung verfügbar zu halten.

Appliances bewerkstelligen im Ernstfall für die verlangte Hochverfügbarkeit den dank dezidierter Rechenkraft schnellen, unmittelbaren und automatischen Fail-over, also die Umleitung der Endnutzer auf einen Replikations-Server, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten – und ebenso nahtlos auch das Failback, wenn der Produktions-Server wieder zur Verfügung steht. Außerdem fungieren flexible Backup- und Verfügbarkeitslösungen als dezidierte Schnittstelle für den automatischen Zugriff auf redundante Systeme oder auf Cloud-Sicherungen.

Eine skalierbare Appliance mit vorkonfigurierter Sicherungs- und Wiederherstellungssoftware lässt sich dabei einfach implementieren. Zudem stellt sie eine systemeigene Unterstützung für mehrere Anwendungen bereit, worauf es bei mehrstufigen Anwendungen mit besonderen Anforderungen an Datensicherung und Datenverfügbarkeit ankommt. Gleichzeitig verfügen sie auch über genügend Leistung für eine zielbasierte quellseitige Deduplikation und Komprimierung von Daten. Das ist wichtig, um den im Zuge von Sicherung und Wiederherstellung notwendigen Datenverkehr zu minimieren und die Performance von Backup und Recovery sicherzustellen. Außerdem bietet eine skalierbare Hardware je nach Konfiguration genügend Speicherplatz, um eine virtuelle Sicherung von Daten und Anwendungen gegebenenfalls direkt auf der Appliance vorzuhalten.

Zeitgemäße Backup- und Hochverfügbarkeitsinfrastrukturen ermöglichen auch eine fortschrittliche Absicherung aller Informationen aus den Niederlassungen eines Unternehmens an einem Ort. IT-Landschaften zur umfassenden Datensicherheit und Hochverfügbarkeit übernehmen die Sicherung von Daten aus verteilten Standorten an den Haupt-Backup-Knoten in einer Unternehmenszentrale. Sie übertragen die Daten aus den einzelnen Niederlassungen an den Hauptsitz und speichern diese kontinuierlich. Alle Backup-Lösungen lassen sich außerdem in der Zentrale von einem Dashboard aus überwachen und warten. Dabei haben aber die einzelnen Fachabteilungen zugleich basierend auf anwendungsspezifischen Risikoprofilen jederzeit berechtigten Zugriff auf die notwendigen Daten. Individuelle SLAs für die einzelnen Fachabteilungen erlauben die granulare Abbildung verschiedener Sicherheits- und Verfügbarkeitslevel. Die Niederlassungen sind dabei in der Regel über ein Virtual Private Network mit schnellen Standleitungen an den Hauptsitz angebunden. Über diese sichere Verbindung lassen sich alle anfallenden Daten kontinuierlich direkt im dortigen Rechenzentrum speichern.

Besonders geschäftskritische Daten repliziert eine solche Lösung direkt nach der Echtzeitübertragung in der Unternehmenszentrale – als zusätzliche Absicherung bei einem plötzlichen Ausfall eines Systems im laufenden Betrieb. Bei Ausfall eines Systems übernimmt ein anderes umgehend die anfallenden Aufgaben. Eine weitere Rückversicherung für den Ernstfall bietet das virtuelle Standby. Hier ist eine Maschine im Wartemodus und wird hochgefahren, sobald die Situation es erfordert. Die tägliche Datensicherung kann anschließend auf einer virtuellen Library erfolgen. Für eine Langzeitarchivierung sorgt eine Tape Library in einem gesonderten Brandabschnitt und in einem Tresor. 

Sven Haubold ist Territory Account Director bei Arcserve, www.arcserve.com.