HPE Discover in Coronazeiten

Erkenntnisse überall? Yes, we can!

25. Juni 2020, 08:30 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Erkenntnisse überall? Yes, we can!
© HPE

HPEs jährliche Hausmesse Discover fand dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen und natürlich online statt. Konzernchef Antonio Neri plädierte in seiner Keynote für mehr Humanität und unterstrich HPEs Engagement im Kampf gegen das Coronavirus. Zugleich rief er das „Zeitalter der Erkenntnis“ („age of insight“) aus, beschleunige doch heutige Technik Datenanalysen erheblich. Den Erkenntnisgewinn will HPE mit einer neuen Softwarefamilie und innovativen Services fördern, die IT-Ressourcen von der Cloud bis zum Netzwerkrand (Edge) zusammenführen.

HPE-Chef Antonio Neri hat es wirklich nicht leicht. Nicht nur, dass die HPE-Hausmesse Discover diesmal mitten in eine Pandemie und damit auch in eine Rezession fiel: Auch er selbst war vor dem Event am Coronavirus erkrankt, glücklicherweise nur mit mildem Verlauf, wie er in seiner Online-Keynote erwähnte, die er aus heimischer Quarantäne in Kalifornien hielt. Darüber hinaus leitet Neri ein weltweit tätiges Unternehmen mit konzernüblich multi-ethnischer Belegschaft, während eine Protestwelle durch die USA fegt, da dem Land andauernde rassistische Polizeigewalt und die nie aufgearbeitete Sklavereihistorie auf die Füße fallen. Zugleich wird das HPE-Heimatland von einem Präsidenten geführt, der nicht nur Rassist ist, sondern auch jegliche Fakten leugnet, die ihm nicht in den Kram passen. So prahlte Trump kurz vor der Discover in einer Wahlkampfrede sogar damit, die Zahl der Corona-Tests gedrosselt zu haben, damit die Statistik schöner aussieht. Schließlich will er trotz der im internationalen Vergleich höchsten Covid-19-Todesfälle und trotz der 40 Millionen Arbeitslosen wiedergewählt werden, da stören die rasant steigenden Infektionszahlen nur.

Und so sah sich Neri genötigt, zu Beginn seiner Keynote zunächst gegen Rassismus und für mehr Humanität zu plädieren: „Wir müssen das als Gesellschaft besser hinbekommen.“ Erst danach kam er – wie kürzlich auch Cisco-Chef Chuck Robbins in der Ansprache zur Cisco Live (LANline berichtete) – darauf zu sprechen, was sein Konzern alles zur Pandemiebekämpfung beiträgt: So habe HPE zwei Milliarden Dollar in Überbrückungskredite für Kunden in Zahlungsschwierigkeiten investiert sowie Krankenhäuser mit IT-Equipment und Schulen mit WLAN ausgestattet.

Zugleich gebe man Forschungseinrichtungen kostenlosen Zugang zu HPC-Ressourcen (High-Performance Computing), um die Forschung an Covid-19-Medikamenten und -Impfstoffen zu beschleunigen. Den Umfang von HPEs Engagement zur Pandemiebekämpfung hatte Neri vor einigen Wochen in einem Blog-Post umrissen, in dem er den „Yes, We Can!“-Geist seines Unternehmens lobt – das sicher nicht zufällig gewählte Obama-Zitat verdeutlicht, was der HPE-Lenker von Trump und dessen Faktenfeindlichkeit hält.

HPE Discover Neri
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Zeigte sich in seiner Keynote besorgt über die Lage in den USA: HPE-Chef Antonio Neri.

Schließlich steht Neri an der Spitze eines Konzerns, zu dessen Kerngeschäft es gehört, aus Unmengen von Daten geschäftsrelevante Ergebnisse – also Fakten – zu destillieren. Hier sieht der CEO, wie er in seiner Keynote skizzierte, die Branche auf dem Sprung in eine neue Ära: „Ich denke, wir sind am Ende des Informationszeitalters“, so Neri: „Wir befinden uns im Zeitalter der Erkenntnis“ („age of insight“). Denn eine Datenflut allein sei noch keine Erkenntnis – heute jedoch sei eben dieser Erkenntnisgewinn möglich, argumentierte er mit Blick auf die aktuell enormen Rechen- und Speicherkapazitäten, Big-Data-Analysen, KI und ML (Machine Learning). Das erforderliche Rohmaterial – die Daten – finde man jedoch längst nicht nur in Rechenzentren oder in der Cloud, sondern auch am Netzwerkrand (Edge).

Unter Bezug auf IDC-Zahlen betonte Neri, dass sich auch heute, zehn Jahre nach Beginn des Cloud-Siegeszugs, noch immer 70 Prozent der Daten hartnäckig der Migration in die Cloud verweigern, sei es aufgrund der Bindung an Cloud-ferne Applikationen oder wegen Vorbehalten der Unternehmen, sich in die Hände von Cloud-Providern zu begeben. Bei der Digitalisierung gelte es daher, vom „Cloud-first“- zu einem „Cloud-everywhere“-Ansatz zu wechseln. Denn es gehe häufig darum, Echtzeiterkenntnisse jeweils dort zu erzielen, wo die Daten eben anfallen.

Vor diesem Hintergrund positioniert sich HPE schon seit einiger Zeit als Anbieter, der vom Edge bis zur Cloud alles „as a Service“ bereitstellen kann. Dafür sorgt das „Everything as a Service“-Bezugsmodell Greenlake seiner Consulting-Organisation Pointnext und das zugehörige Management-Portal Greenlake Central. Nun komplettiert der Konzern diese Strategie mit zwei wesentlichen Neuerungen: mit Greenlake Cloud Services und einer Softwarefamilie namens Ezmeral.

Greenlake Cloud Services

Mit den neuen Greenlake Cloud Services will HPE hybride IT-Infrastruktur einschließlich Container und ML Ops (Machine-Learning-basierter IT-Betrieb) als Service und per „Point and Click“ liefern: Die Bestellung sei auf hpe.com ebenso einfach und bequem wie bei AWS oder Azure, verspricht Neri, aber eben nicht nur für Cloud-Services, sondern für sämtliche IT-Ressourcen – ob in der Cloud, im Unternehmens-RZ oder am Edge (also etwa in der Fabrikhalle oder einer Zweigstelle), von der Software bis zu Compute-, Storage- oder Netzwerk-Equipment. „HPE Greenlake ist die Cloud, die zu Ihnen kommt“, formuliert es der HPE-Chef. Dies werde „eine ganz neue Cloud-Erfahrung“ ermöglichen.

HPE Discover Greenlake
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Greenlake Cloud Services sollen das Cloud-Prinzip überall zugänglich machen.

Ein zentraler Punkt dabei: „Datenübertragung und Datenexport sind teuer“, so Neri mit Blick auf die „Data Egress“-Praktiken der Public-Cloud-Größen; für Greenlake-Services hingegen gelte: „Sie werden niemals Datenexportgebühren haben.“ Dieses Vermeiden versteckter Migrationskosten soll den Unternehmen endlich die Möglichkeit geben, Umgebungen so zu planen, wie sie sich für die jeweiligen Arbeitslasten am besten eignen, zudem die Flexibilität, dies jederzeit zu ändern. Der Bezug der Ressourcen erfolge unabhängig von der gewählten Bereitstellungsart stets rein nach Verbrauch, bestehende Lizenzen könne man in die Greenlake Cloud Services übernehmen. Das Consulting-Team von Pointnext könne die Unternehmen dabei beraten, wo Workloads am besten zu platzieren sind.

Zum Start gibt es 13 Services, jeweils in den „T-Shirt-Größen“ klein, mittel und groß. Sollte für die gewählte Bereitstellungsart lokale Hardware erforderlich sein, verspricht HPE eine Lieferung zum Kunden-RZ innerhalb von 14 Tagen. „Stellen Sie sich das vor wie Legosteine“, erläuert Keith White, SVP and GM Greenlake Cloud Services. Er betonte in einer Pressekonferenz, dass das Vertragsvolumen für Greenlake-Services schon jetzt bei vier Milliarden Dollar liege. Laut HPE-Angaben hat der Konzern hier bereits über 850 Kunden in rund 50 Ländern sowie über 700 Partner weltweit, die Greenlake-Angebote vertreiben. Pointnext sei für diese Partner nicht Konkurrent, sondern vielmehr ein „Multiplikator“, der neue Geschäftschancen eröffne, so White.

Ein Unternehmen kann laut White mit Greenlake Cloud Services IT-Umgebungen auch außerhalb der Cloud zügig per Self-Service skalieren, für das Management der Umgebung sorge dann HPE. Den Überblick über die Services inklusive Kosten und Compliance behalte ein Anwenderunternehmen mittels Greenlake Central, HPE verspricht hier eine plattformübergreifende Behebung von Compliance-Problemen. Der „Pay per Use“-Ansatz soll dabei Überprovisionierung vermeiden. Der Greenlake-Ansatz eigne sich für Bestands-IT wie auch für Modernisierungsprojekte und für eine Vielzahl von Workloads, von VMs über Container bis HPC.

Das Portfolio deckt fünf Bereiche ab: Erstens gibt es Greenlake Cloud Services für Virtual Machines, Storage, and Compute, die eine Provisionierung mittels fünf Klicks erlauben sollen, inklusive Kapazitätsplanung und Nutzungsanalyse per Greenlake Central. Zweitens sorge der Cloud Service for Data Protection für Backup und Recovery mit On-premises- wie auch Cloud-Sicherung und automatisierter Durchsetzung der SLAs. Drittens sollen die Cloud Services for the Intelligent Edge einen „Network as a Service“-Betrieb ermöglichen; die Basis dafür liefern die Managed-Connectivity-Services von HPEs Netzwerktochter Aruba mit deren neuer Lösung Aruba ESP (Edge Services Platform). Und schließlich gibt es noch zwei Services für die beiden Bereiche Container und ML Ops. Diese beiden Angebote basieren auf einer weiteren Neuerung: der IT-Management-Softwarefamilie Ezmeral.

Management per Ezmeral

Unter der neuen Marke „Ezmeral“ – abgeleitet vom spanischen Wort „esmeralda“ (Smaragd) – hat HPE sein gesamtes Management-Softwareportfolio neu organisiert und zugleich erweitert. Laut Kumar Sreekanti, als CTO and Head of Software der Chef von 8.300 Entwicklern bei HPE, soll Ezmeral eine IT-Organisation in die Lage versetzen, ihre Hardware, Software und Daten inklusive der Kosten- und Security-Aspekte vom Edge bis zu Cloud auf einheitliche Weise zu verwalten.

Damit, so Sreekanti, biete man ein integriertes Softwareportfolio für alle Einsatzfälle von der Hybrid Cloud bis zur App-Modernisierung oder CI/CD-Pipelines (Continuous Integration/Continuous Delivery). Gegenüber Wettbewerbern wie VMwares Tanzu and IBMs Red Hat OpenShift hebe sich HPE dank der MapR- und BlueData-Technik durch die Integration persistenten Speichers ab, für Offenheit sorge die Open-Source-Software Kubernetes als Orchestrierungsplattform.

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1. Erkenntnisse überall? Yes, we can!
2. Das Ezmeral-Softwareportfolio

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