Cisco-Umfrage zur „Workforce of the Future“

Selbst ist der Arbeitnehmer!

15. Oktober 2020, 12:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Selbst ist der Arbeitnehmer!
© Wolfgang Traub

Die Angestellten in Deutschland würden gerne die positiven Entwicklungen beibehalten, die sich aus den neuen Remote-Arbeitsweisen aufgrund der Corona-Pandemie ergeben haben. Dies ist eine Erkenntnis aus der Cisco-Umfrage „Workforce of the Future“. Vorteile sehen die Befragten vor allem durch die Arbeit in verteilten Teams (61 Prozent), mehr Autonomie (60 Prozent) und schnellere Entscheidungen (58 Prozent). Nur acht Prozent der Umfrageteilnehmer wollen wieder jeden Tag ins Büro – 30 Prozent hingegen wären sogar gern ausschließlich remote tätig.

Die Marktforscher von Censuswide befragten für Cisco 10.095 Arbeitnehmer aus zwölf Ländern, die seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen an mindestens zehn aufeinanderfolgenden Tagen von zu Hause aus gearbeitet hatten, zu ihren Erfahrungen mit Remote-Arbeit und ihren Erwartungen an die Arbeitgeber. Bei den ausgewählten Ländern handelte es sich um Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Polen, Russland, die Schweiz, die Benelux-Staaten und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Umfrage, durchgeführt zwischen dem 11. und 25. August, erfasste branchenübergreifend Arbeitnehmer in Unternehmen aller Größen, von zwei bis über 500 Angestellten. Aus Deutschland nahmen 1.001 Personen teil.

Vor der Krise durfte laut der Cisco-Umfrage ein Viertel der Deutschen grundsätzlich von zu Hause arbeiten, ohne aber dieses Angebot zu nutzen. Obschon inzwischen nur sechs Prozent der Befragten die meiste Zeit von zu Hause aus arbeiteten, hofft nun eine klare Mehrheit (58 Prozent) auf die Beibehaltung dieser Möglichkeit. Dabei wünschen sich 86 Prozent mehr Eigenverantwortung bei der Frage, wie und wann sie die Büroräume nutzen.

Die Umfrage bestätigt Beobachtungen zahlreicher Branchenkenner: Remote-Arbeit hat sich als neuer Normalzustand etabliert. Hierzulande sehen 60 Prozent der Befragten keine größeren Herausforderungen für eine künftige hybride Arbeitswelt, da man sich bereits gut an das neue Arbeiten gewöhnt habe. Nur 13 Prozent verneinen das.

55 Prozent der deutschen Teilnehmer gaben an, die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben seit Beginn der Krise besser im Griff zu haben – dies widerspricht der verbreiteten Befürchtung, mehr Arbeit von zu Hause aus könnte die Work/Life-Balance stören oder gar zum Kippen bringen. Doch nur 16 Prozent berichteten hier von einer Verschlechterung.

Zudem sind knapp 60 Prozent der Befragten in Deutschland seit dem Frühjahr – also unter den Vorzeichen überwiegender oder gar ausschließlicher Remote-Arbeit – laut eigenem Bekunden wesentlich produktiver. Dabei möchte allerdings nicht einmal jeder zweite die traditionellen Meetings vollständig durch Videokonferenzen und Chats ersetzen.

Laut aktuellen Statistiken arbeitet derzeit etwa jeder zweite Deutsche von zu Hause aus. Arbeitsminister Heil will vor diesem Hintergrund ein Recht auf Home-Office durchsetzen: Vollzeitbeschäftigte sollen einen gesetzlichen Anspruch auf jährlich 24 Tage Home-Office oder mobiles Arbeiten erhalten. „Home-Office“ bezeichnet dabei einen komplett vom Arbeitgeber gestellten Heimarbeitsplatz; deshalb ist es rein rechtlich meist zutreffender, bei vielen der aktuell anzutreffenden Remote-Arbeitsweisen von „mobilem Arbeiten“ zu sprechen.

Bei den Arbeitnehmern scheint Heil also offene Türen einzurennen: 64 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer würden, wären sie einen Tag lang CEO ihres Unternehmens, eine Home-Office-Richtlinie etablieren. Dabei könnte man es allerdings auch als bedenkliches Zeichen deutscher Bürokratieverliebtheit und Digitalisierungsrückständigkeit betrachten, dass diese Debatte überhaupt nötig ist und tatsächlich stattfindet.

„Unternehmensleiter haben erkannt, dass ihre Teams virtuell genauso gut arbeiten können wie im Büro – wenn nicht sogar besser“, so Ciscos Deutschland-Chef Uwe Peter.
© Cisco

„Unternehmensleiter haben erkannt, dass ihre Teams virtuell genauso gut arbeiten können wie im Büro – wenn nicht sogar besser“, so Ciscos Deutschland-Chef Uwe Peter.

„Unternehmensleiter haben erkannt, dass ihre Teams virtuell genauso gut arbeiten können wie im Büro – wenn nicht sogar besser“, meint jedenfalls Uwe Peter, Geschäftsführer bei Cisco Deutschland. „Das sehen auch die Angestellten und fordern dauerhaft mehr Möglichkeiten für das mobile Arbeiten. Dabei sollten Mitarbeiter die Wahl haben, wie, wann, wo und womit sie arbeiten.“ Die Ausstattung des Heimarbeitsplatzes mit HD-Video oder aktiver Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen, so der Cisco-Chef, erhöhe dabei die Effizienz und schütze vor Ermüdung. Er rät deshalb zu Investitionen in entsprechende Technik, zumal dies zugleich Datenschutz und Sicherheit verbessere.

Relevant in diesem Kontext: Cisco kündigte Ende August an, BabbleLabs zu übernehmen, deren Software darauf abzielt, die Qualität von Sprachübertragungen zu optimieren, indem KI Hintergrundlärm herausfiltert. Cisco will die Technik in Webex Calls integrieren. Eine Citrix-Umfrage hat kürzlich ergeben, dass Fachleute wie auch Unternehmen für die Zukunft der Arbeit große Hoffnungen auf KI setzen (LANline berichtete) – dies ist ein Beispiel für die vielen Möglichkeiten, die KI hier eröffnet.

Über zwei Drittel (69 Prozent) der Cisco-Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass mehr Wissen über Technologie und digitale Fertigkeiten entscheidend sein werden für den Geschäftserfolg im Jahr 2021. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen einer aktuellen HP-Umfrage: Die COVID-19-Pandemie hat – da ist sich HP mit dem Rest der IT-Branche einig – die Digitalisierung beschleunigt, und die Mitarbeiter reagieren darauf laut der Umfrage mit Weiterbildung. Sie setzen laut HP-Angaben unter anderem vermehrt auf Online-Kurse (42 Prozent in den USA, 40 Prozent in Europa).

Zu guter Letzt eine weitere interessante Zahl aus der Cisco-Umfrage: Vor dem Hintergrund der aktuellen Home-Office- und Remote-Work-Erfahrungen treibt über die Hälfte der Befragten (58 Prozent) nun täglich mehr Sport – zumindest laut, ähem, eigenem Bekunden.

Weitere Informationen finden sich unter www.cisco.com.

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